120000 ErzieherInnen fehlen in deutschen Kitas –

Qualität bleibt in der frühkindlichen Bildung oft auf der Strecke!

Am 24. Juli 2014 haben wir uns aus aktuellem Anlass zur Kitafinanzierung geäußert.

„Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“

Einen Tag später präsentiert die Bertelsmann Stiftung ihren neuen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ . Die Ergebnisse sind eindeutig! „In der frühkindlichen Bildung bleibt gute Qualität oftmals auf der Strecke, weil viele Kindertageseinrichtungen nicht genügend Erzieherinnen* haben. Die Personalschlüssel für Kitas in Deutschland weichen teilweise erheblich von einem kindgerechten und pädagogisch sinnvollen Betreuungsverhältnis ab und sind zudem von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlich. In Bremen und Baden-Württemberg ist eine Erzieherin in den Krippen durchschnittlich für drei Kinder zuständig, in Sachsen-Anhalt hingegen für mehr als sechs Kinder. „Wir brauchen dringend einheitliche Qualitätsstandards, die in einem Bundes-Kita-Gesetz geregelt sind“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Würden die von der Bertelsmann Stiftung empfohlenen Personalschlüssel für alle Kitas in Deutschland verbindlich gelten, wären 120.000 zusätzliche Erzieherinnen erforderlich.

Bundesfamilienministerin reagiert umgehend

Noch am selben Tag reagiert die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig auf die Bertelsmann Forderungen. „Der jüngst veröffentlichte Ländermonitor der Bertelsmann-Stiftung hat die Diskussion um die Qualität in der Kindertagesbetreuung neu entfacht. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig begrüßt die Debatte: „Wir brauchen nicht nur mehr Plätze, sondern auch gute Plätze. Wir sehen die erheblichen Potenziale des Elementarbereiches, aber auch seine Baustellen. Es ist wichtig, dass wir jetzt gemeinsam Wege vereinbaren, wie wir Erzieherinnen und Erzieher besser unterstützen können.“ Sie verweist dann weiter auf die umfänglichen Leistungen des Bundes und auf die unterschiedlichen Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen.

Was muss nun passieren?

Natürlich ist das zusätzliche Engagement einzelner Länder und des Bundes sehr förderlich und begrüßenswert. Wie der Ländermonitor belegt reicht das alles bei weitem nicht aus! Wir brauchen für die „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ der Tagesbetreuung für Kinder eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Eine bundesweite Strukturqualität und Finanzierung muss über neue bundesgesetzliche Regelungen geschaffen werden. Dabei dürfen die Kommunen nicht wieder das letzte Glied in der Kette sein. Bundesweite Regelungen müssen vom Bund finanziert werden! Dabei müssen die Grenzen der föderalen Durchreichepolitik überwunden werden. Keine Stückwerk- und Symtomprogramme mehr, sondern Basisabsicherung, bundeseinheitliche Qualitätsstandarts und Verlässlichkeit, statt komplizierte Finanzwege mit erhöhter Bürokratie und Regelungswirrwarr sind gefragt.

 

Foto: Thomas Kunsch

Über den Autor

Karl Janssen ist ausgewiesener Kommunalexperte. Seit 2013 berät er die Bertelsmann Stiftung.   34 Jahre arbeitete er in der öffentlichen Kommunalverwaltung, davon  28 Jahre in leitender Verantwortung als Jugendamtsleiter der...

1 Kommentar

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  • Maria Techel

    28.07.2014
    # 01

    Anscheinend findet „wichtige“ frühkindliche Erziehung auch erst ab der Grundschule statt – denn erst ab der Schule ist der Staat auch bereit für anstrengende, herausfordernde pädagogische Arbeit angemessene Gehälter zu zahlen!

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