"The Conference. The Event." by Anke Knopp
"The Conference. The Event." by Anke Knopp

Die re:publica wird als die größte europäische Digitalkonferenz bezeichnet. In diesem Jahr besuchten immerhin rund 6000 Menschen die #rp15, wie sie in den Social Media heißt.

Opening re:publica 2015

Unter dem Strich lautete das diesjährige Fazit, die Internetgemeinde sei verzagt und enttäuscht vom Fortgang der Digitalisierung in Deutschland. Die Veranstalter kommentierten dieses „Gefühl“ mit der Erklärung „nicht alles ist schlecht, es geht voran, wenn auch streckenweise nur schleppend“. In der Rückschau sind 10 positive netzpolitische Themen erkennbar: Open Source, Open Government, Breitband, Datenschutz und Überwachung – um zentrale Punkte zu nennen, die auch etwas mit Kommunen und Regionen zu tun haben.

Bei den über 450 angebotenen Sessions und Workshops kann es nicht „die eine“ Zusammenfassung geben. Interessant ist immer der rote Faden, den jeder Besucher für sich selbst mitbringt und danach Neues und Spannendes für sich identifiziert. Wer als kommunaler Gestalter unterwegs ist, könnte sich daher für folgende Impulse interessieren:

Smart City

Der Trend zur Urbanisierung ist ungebrochen. Dabei wachsen Städte nicht nur „geplant“, sondern entwickeln sich aus dem Zuzug heraus. Wie solche Prozesse auch von den Menschen selbst gestaltet werden können, zeigt Alfredo Brillembourg mit seinem Vortrag zu „Serendipty City – informal urban planing and social architecture“.

Wer sich für die digitale Entwicklung in Städten und damit vor allem  in der Stadtplanung interessiert, sollte sich den Vortrag von Carlo Ratti zu „Senseable Cities“ anschauen. Er zeigt sehr eindrücklich, wie sich anhand der technischen Möglichkeiten der Gestaltung auch die Dynamik der Städte an sich verändern.

Die Stadt der Zukunft gehört den Bürgerinnen und Bürgern. Ein Bestandteil werden hier die offenen Daten sein. Der Beitrag „Hack your City“ zeigt, wie mit den unterschiedlichen Handwerkszeugen Städte im Sinne von Offenheit und „OpenData“ gestaltet werden können: Flashmobs, Geocoching, Urban Gardening – alles dabei.

Besonderer Charme

Die Eröffnung hielt übrigens Ethan Zuckerman „The System ist broken – and that´s the good news“. Er beleuchtet die Beziehung zwischen neuen Medien und bürgerlichem Engagement. Welche neuen Technologien müssen wir entwickeln, damit sie zu politischem Handeln ermutigen? Seine Antworten sind ein Parcoursritt durch die Beteiligungsformen der letzten Monate vom arabischen Frühling bis zu einer kritischen Reflexion von „Misstrauen“. Ein schönes Tool ist dabei die App, wie man Wahlversprechen messen kann: wurden sie eingehalten oder nicht?

Der beste Auftritt kam eigentlich aus dem All – mit @AtroAlex, also Astronaut Alexander Gerst „Blue Dot Mission“. Er war ein echter Publikumsliebling und -magnet. Wer die Erde aus der Distanz beobachtet, sieht mehr, könnte man seinen Beitrag umschreiben. Auf jeden Fall hat er die Teilnehmer abgeholt als er mit den Worten schloß: “ Lasst Euch Eure Träume nicht nehmen“. Tosender Applaus war das Ergebnis. Dieser Ansatz gilt sicher auch für viele Akteure, die in den Städten und Gemeinden kreativ und im Sinne von Veränderung unterwegs sind.

Zukunft der Arbeit

Die Veränderung der Arbeit der Zukunft wurde in vielen Beiträgen gestreift und mit „Arbeit 4.0″ umschrieben. Warum das auch ein kommunales Thema ist, wird schnell deutlich, denn die Kommune ist der Ort, an dem Arbeit (bisher noch) stattfindet. Arbeits“plätze“ verändern sich nicht nur inhaltlich, sondern auch räumlich. Das macht etwa eine schnelle Internetverbindung vom Arbeitnehmer zum Arbeitgeber und umgekehrt notwendig. Hier sind wir beim Thema Breitbandversorgung angelangt. Eine schöne Session dazu ist die „Neues Europa, neue Arbeitswelt“ u.a. mit Thorsten Hübschen und Richard Gutjahr. Kommunale Wirtschaftförderung wird darauf reagieren müssen.

Impression von Veränderung

Eine Impression stand für mich im Fokus, die eigentlich eine Menge von dem erklärt, was künftig passiert: aus dem hand(werk)lichen transferieren wir uns und unsere Umgebung ins Digitale. Hier eine solche Fingerübung unter dem Motto „Touch the future“ aus dem Game Science Center Berlin, das auch auf der rp15 vertreten war.

Wunsch nach Synergie

Und schließlich noch eine Anmerkung: zur gleichen Zeit der rp15 fand die Veranstaltung „Effizienter Staat“ des Behördenspiegel statt. Unter dem Gesichtspunkt des „Open Government“ könnte man zukünftig überlegen, ob man hier nicht mehr Synergien entwickeln könnte. Denn auch aufgrund der Notwendigkeit der kommunalen Weiterentwicklung geht es mit der Netzpolitik nur schrittweise voran. Kommunen (also Verwaltungen und Politik) müssen sich aber erkennbar mehr auf diese Entwicklungen einlassen, denn die Bürger sind schon weiter als die Infrastrukturen und Leistungen der Verwaltungen es in der Regel sind.

Resignieren wäre hier der falsche Weg. Langsamkeit in der Entwicklung ist zumindest ein Indikator für Bewegung.

 

 

Über den Autor

Bis Oktober 2016 war sie Projektmanagerin im Programm „LebensWerte Kommune“ in der Bertelsmann Stiftung und schrieb im Blog rund um die Themen zu Digitalisierung, Industrie 4.0, Kommunalpolitik im weitesten Sinne,...

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