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ist Stadtverbundenheit planbar?

„Meine Stadt“, „mein Heimatort“, „mein Kiez“: Diese Wortkombinationen suggerieren eine emotionale Verbindung vom Menschen mit einem Ort. Mit diesen Begriffen machen wir als Menschen gern darauf aufmerksam, zu welcher Stadt oder welcher Gegend „wir“ uns hingezogen oder zugehörig fühlen. So begegnet uns das Phänomen der Stadtverbundenheit fast tagtäglich. Eigentlich immer, wenn die Frage auftaucht: „Wo kommst du her?“. Auch für Kommunen ist das Phänomen der Stadtverbundenheit nicht unwichtig. Diese befinden sich zunehmend in einem Attraktivitätswettbewerb um Einwohner, Touristen und qualifizierte Arbeitskräfte. Gerade solche Kommunen, die eine schrumpfende Bevölkerungszahl aufweisen, kommen zusehends in Handlungsdruck, ihre Bevölkerung nachhaltig an sich zu binden.

Schrumpfung vs. Stadtverbundenheit

Abwanderung geht für die Kommune häufig mit einigen negativen Konsequenzen einher. Wandern mehr Bürger aus einer Stadt ab, als neue hinzuziehen, kann das z.B. zu Leerstand von Immobilien führen und zum Entstehen von benachteiligten Quartieren beitragen. Durch Abwanderung kann die Kommune qualifizierte Arbeitskräfte verlieren. So wirkt sie sich auch in finanzieller Hinsicht negativ auf die Kommune aus. Feststeht allerdings, dass Personen, die sich verbunden zu „ihrer“ Stadt fühlen eine Abwanderung trotz widriger Umstände vermeiden und sich häufiger in der Kommune ehrenamtlich engagieren. Stadtplanungsämter versuchen deshalb häufig, die Lebensqualität mit verschiedenen Maßnahmen zu erhöhen, um so auch die Verbundenheit zur Stadt zu steigern. Aber ist Stadtverbundenheit planbar und wirken sich die Maßnahmen tatsächlich auf die Stadtverbundenheit der Menschen aus?

Wissenschaft und städtische Planungsmaßnahmen

In der wissenschaftlichen Literatur ist das Phänomen der Stadtverbundenheit in den vergangenen Jahrzenten oft untersucht worden. In diesen Studien ist der Einfluss von verschiedenen sozialen, kulturellen und städtebaulichen Faktoren auf die Ausbildung einer Stadtverbundenheit erforscht worden.

  • In der Tendenz zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass Personen, die etwa mit den Grünflächen oder der Ästhetik der Gebäudefassaden zufrieden sind, sich mit der Stadt eher verbunden fühlen, als Personen, die das nicht tun.
  • Ist das kulturelle Angebot in der Stadt vielfältig, wirkt sich dieses sogar noch stärker positiv auf die Verbundenheit der Bürger zum Ort aus.

Jedoch haben Faktoren, die von der Planung nicht oder nur gering beeinflusst werden können, einen stärkeren Einfluss.

  • Bürger fühlen sich mit ihrer Stadt eher verbunden, wenn sie das nachbarschaftliche Verhältnis als positiv wahrnehmen,
  • wenn Freunde und Verwandte im Ort leben oder
  • wenn sie bereits sehr lange in der Stadt leben.

Die Stadtverbundenheit kann sich also auf die Wohndauer auswirken und die Wohndauer umgekehrt auf die Stadtverbundenheit. Natürlich hängt die Wohndauer viel mehr davon ab, ob die Bürger einer Arbeit im Ort nachgehen können oder nicht.

Die geplante Stadtverbundenheit?

Die Fragestellung, ob Stadtverbundenheit planbar ist, lässt sich also wie folgt beantworten: Kommunen können mit bestimmten Planungsmaßnahmen die Herausbildung einer Stadtverbundenheit bei ihren Bürgern begünstigen –  jedoch nur in begrenztem Umfang. Dennoch denke ich, dass die Durchführung solcher Maßnahmen sinnvoll ist, um die besten Voraussetzungen für die Ausbildung von Stadtverbundenheit zu schaffen. Und nicht nur das: wichtig ist auch die öffentliche Kommunikation darüber. Sind die kommunalen Rahmenbedingungen gut, wird es wahrscheinlicher, dass sich die Bürger mehr und mehr ihrer Verbundenheit bewusst werden und diese Verbundenheit auch zum Ausdruck bringen. Letztlich können die Maßnahmen auf der Seite der Bürger auch zu einem größeren Wohlbefinden im Ort beitragen.

Dies ist nur ein kurzer Einblick in den Stand der Forschung dazu. Deutlich wird aber: planen ja, diskutieren auf jeden Fall!

Über den Autor

Praktikant im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Er studierte an der Universität Bielefeld Soziologie und Erziehungswissenschaften. Dort beschäftigte er sich im Schwerpunkt mit Themen der Stadtforschung sowie der Konflikt-...

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