Covid 19 – Was passiert mit unserer Zivilgesellschaft?

Ältere dürfen nicht mehr einkaufen, Kinder nicht mehr zu den Großeltern, Bewohner*innen von Pflegeheimen dürfen nicht mehr besucht werden und dies sind nur einige Beispiele eines Negativszenarios der aktuellen Coronakrise. Und spätestens hier stellen sich Fragen, wie die seelsorgerische Betreuung von Palliativpatienten aussehen kann, ob Ältere ihr Leben schützen wollen oder mit ihren Angehörigen zusammen sein wollen.

Durch den Corona-Shutdown ist in den Kommunen aktuell nichts mehr wie früher. In diesem Rahmen haben wir kurze Szenarien zu verschiedenen kommunalen Themen skizziert und hier einige Gedanken zu einer möglichen Entwicklung unserer Zivilgesellschaft bis 2025.

Eine gute Nachricht vorab: Die Gesellschaft hält zusammen und der Gemeinsinn wird in der Krise gestärkt. Aber wie wird sich dies mittelfristig entwickeln?

 

Negativszenario L: Krankheit, Triage, Tod, Verarmung, Einsamkeit und Altersdiskriminierung

Das L-Szenario beschreibt eine langanhaltende Krise ohne Aufwärtstendenz und Krankheit, Triage, Tod, Verarmung, Einsamkeit und andere negative Begleiterscheinungen werden achselzuckend nur noch statistisch als Kollateralschaden betrachtet.

Risikozielgruppen bleiben mittelfristig in Quarantäne (Social distancing) und deren Freiheitsrechte sind massiv eingeschränkt. Beziehungspflege und Teilhabe finden kaum noch statt, Einsamkeit, Depressionen, Suchtgefahr, Suizide und einsames Sterben zuhause, in Kliniken und Pflegeheimen nehmen zu.

Familiäres und außerfamiliäres Unterstützungspotenzial hat sich verringert, weil die beruflichen und privaten Belastungen (eigene Kinder, finanzielle Vorsorge, Existenzängste, eigene Fortbildung, eigene Gesundheitsvorsorge) der jüngeren und mittleren Generationen deutlich gestiegen sind.

Die Bereitschaft zum freiwilligen bürgerschaftlichen Engagement hat in der Coronakrise kurzfristig zugenommen und mit zunehmender Krisendauer deutlich abgenommen. Individualismus und Egoismus dominieren.

Die Einsamkeit hilfsbedürftiger Menschen, Gewalt in der Pflege nehmen deutlich zu und Menschen sterben allein in ihren Wohnungen. Die Vielzahl der zunächst schockierenden Berichte hat nur noch abstumpfende Wirkung und werden achselzuckend zur Kenntnis genommen.

Kommunen, in denen diese Auswirkungen früher oder gehäuft auftreten und in denen keine zukunftsorientierten Akteure das Thema auf die kommunale Agenda gesetzt haben, werden durch die Medien bundesweit stigmatisiert.

Zunächst sarkastisch gemeinte Formulierungen über die hohen Todesfälle bei Hochaltrigen und dadurch entstehende Entlastungen für die Sozialkassen werden durch die sozialen Medien verbreitet und verstärken Altersdiskriminierung und den Generationenkonflikt.

Wichtige Themen wie Klimawandel, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Flüchtlinge, Zuwanderung, Miteinander der Generationen, Solidarität (auch internationalen) oder andere Wertedebatten spielen keine Rolle mehr.

Das gestiegene Bedürfnis nach Autorität, Sicherheit und Orientierung führt verstärkt zu Populismus und Egoismus.

 

Positivszenario V: Die Gesellschaft wächst durch die Krise

Das V-Szenario beschreibt einen kurzen Shut Down verbunden mit einer schnelle Erholung. Hilfsbereitschaft, Engagement, gesellschaftlicher Zusammenhalt und das Bewusstsein für systemrelevante Berufe und ausländische Arbeitskräfte sind in der Wertschätzung deutlich gestiegen. Auch Gesundheitsförderung und Pflege sind in allen Altersgruppen ein wichtiges Thema und die Menschen haben Resilienz gegen psychische und physische Krankheiten entwickelt.

Auf kommunaler Ebene haben zukunftsorientierte Entscheider und Meinungsbildner aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft das Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt auf die kommunale Agenda gesetzt.

Datenbasiertes Arbeiten sensibilisiert kommunale Akteure und durch interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppen werden kommunale Handlungskonzepte erarbeitet und umgesetzt. In den Kommunen werden die o. g. Positivtrends genutzt und auch das Miteinander der Generationen ist in den Kommunen gewachsen. Dadurch ist das familiäre und außerfamiliäre Unterstützungspotential stabil und Negativszenarien (s. o.) im Vergleich zu vielen anderen Kommunen kein Thema.

 

W-Szenario: Krisen und Erholungsphasen wechseln sich immer wieder ab

Das W-Szenario beschreibt widerkehrende Krisen und die unter dem L- und V-Szenario beschriebenen Wirkungen wechseln sich ab, sind aber zunächst nur von kurzfristiger Dauer. Daher werden kommunale Akteure nicht ausreichend sensibilisiert, das Thema wird auch von zukunftsorientierten Akteuren nicht priorisiert und es werden keine kommunalen Strategien erarbeitet.

Bis 2025 kommt es daher immer wieder zu Auswirkungen, die in Richtung des L-Szenarios führen.

 

U-Szenario: Langanhaltende Krise bis 2025

Dieses Szenario beschreibt für die nächsten Jahre eine dauerhafte Krise, die erst langfristig zu einer dauerhaften Erholung führt. Daher treten die unter dem L-Szenario beschriebenen Negativwirkungen bis 2025 dauerhaft auf, weil kommunale Akteure aufgrund massiver Finanzprobleme das Thema nur nachrangig priorisierten und auch hier werden keine kommunalen Strategien erarbeitet.

 

Zukunftsorientierte Akteure gestalten ein positives Zukunftsszenario ihrer Kommune

Wir wissen nicht, in welche Richtung wir uns in den nächsten Jahren entwickeln. Aber auch hier gilt: Jede Region und Kommune hat andere Herausforderungen und muss eigene Lösungswege suchen. Ob wir ein negatives oder positives Szenario erleben, hängt auch von uns ab, denn Zukunft ist auch gestaltbar.

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