Kommunale Seniorenpolitik – Stolpersteine und Erfolgsfaktoren

Seniorenpolitik hat aktuell nicht in allen Kommunen die höchste Priorität, obwohl gerade in „Coronazeiten“ Themen wie Gesundheit, Pflege, Einsamkeit oder das Miteinander der Generationen  nochmals deutlich bewusster geworden sind.

In jeder Kommune werden künftig deutlich mehr Ältere leben und daher müssen kommunale Akteure Konzepte für eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik entwickeln.

 

Mögliche Stolpersteine?

Aus der Erfahrung unserer kommunalen Workshops gibt es vielfältige „Stolpersteine“, die in den Kommunen unterschiedlich ausgeprägt sind. Wichtig ist ein guter Start und gerade hier kann es hapern.

  1. Niedrige Priorität auf der Ebene der Entscheidenden

Oft wird das Thema von kommunal Entscheidenden angeordnet, obwohl diese selbst wenig interessiert sind und auch nur begrenzt Ressourcen zur Verfügung stellen. Nehmen diese Entscheidenden dann auch nicht an wichtigen Terminen teil und delegieren zu wenig Verantwortung an die operative Ebene, kann der Start schwierig sein.

Der operativen Ebene obliegt es dann, wichtige kommunale Akteure zur Mitarbeit zu motivieren. Dies ist dann angesichts der – meist bekannten – niedrigen Priorität in der Entscheidungsebene ein schwieriges Unterfangen.

 

  1. Begrenzte fachliche oder methodische Ressourcen der operativen Ebene

Weitere „Stolpersteine“ können begrenzte fachliche oder methodische Erfahrungen der operativen Ebene mit diesem Querschnittsthema sein,  wenn deren berufliche Erfahrungen aus anderen beruflichen Bereichen stammen.

Dies kann die Zusammenarbeit mit anderen kommunalen Akteuren erheblich erschweren, da diese in ihren Arbeitsgebieten meist über umfangreiche Erfahrungen verfügen.

 

  1. Die falschen kommunalen Akteure

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit „abkommandierten“ kommunalen Akteuren, die wenig Interesse, wenig Zuverlässigkeit oder wenig Einfluss auf Entscheidungen haben, kann ebenfalls ein wichtiger „Stolperstein“ sein.

Workshops, Arbeitskreise oder Diskussionen mit solchen Akteuren sind dann für alle Beteiligten frustrierend.

 

  1. Start mit den falschen Themen

Einflussreiche Akteure setzen „ihre“ Themen durch, die von anderen Akteuren möglicherweise als nicht so wichtig und dringend angesehen werden. Dies kann diese Akteure demotivieren und erschwert die wichtige Akzeptanz in der Bevölkerung und Öffentlichkeitsarbeit.

 

Wie kann ich diese „Stolpersteine umgehen“?

Im Projektmanagement ist ein guter Start von großer Bedeutung, um alle beteiligten Personen und Institutionen zu motivieren. Hier nur einige Möglichkeiten, um mögliche „Stolpersteine zu umgehen“.

 

  1. Stolperstein: Niedrige Priorität auf der Ebene der Entscheidenden

Argumentieren Sie Daten basiert! Die Palette möglicher Daten reicht von Daten (z. B. zeigt unser Wegweiser, dass jede Kommune altert), die hohe Wahlbeteiligung Älterer (Senioren entscheiden die Wahlen) oder auch Daten basierte Szenarien. Machen Sie deutlich, dass gute Argumente mehr als eine höhere Hierarchie zählen und dies soll auch andere kommunale Akteure überzeugen.

 

2. Stolperstein: Begrenzte fachliche oder methodische Ressourcen der operativen Ebene

Eine gute kommunale Vernetzung kann dieses Manko zumindest reduzieren und auch externe Unterstützung ist gerade in der Startphase eine wirkungsvolle Hilfe.

 

  1. Stolperstein: Die falschen kommunalen Akteure

Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Bei der Auswahl der Vernetzungspartner ist darauf zu achten, dass diese kompetent, interessiert, zuverlässig, kommunikationsstark und möglichst einflussreich sind und dadurch Einfluss auf Entscheidungen haben.

Ein Auftaktworkshop mit ausgewählten Akteuren kann ein entscheidender Projektstart sein.

 

  1. Stolperstein: Start mit den falschen Themen

Eigentlich gibt es kaum falsche Themen und die meisten Themen wirken sich auf andere wichtige Themenfelder aus. Machen Sie deutlich, dass auch zunächst niedrig priorisierte Themen bearbeitet werden.

Wichtig kann hier eine möglichst umfangreiche Beteiligung älterer Menschen und wichtiger Akteure sein, um die Akzeptanz von Zielen und Maßnahmen zu erhöhen.

 

Welche Erfolgsfaktoren kann ich nutzen?

Zu unseren früheren Workshops haben wir so genannte Nachhaltigkeitsevaluationen durchgeführt und verschiedene Erfolgsfaktoren abgefragt. Dabei zeigte sich, dass alle Erfolgsfaktoren eine mehr oder weniger große Bedeutung hatten.

 

Am höchsten wurden die Beteiligung und Wertschätzung der Menschen priorisiert und eine gute Beteiligung kann durch eine Befragung älterer Menschen gestartet werden.

Die Ergebnisse können dann sehr gut für die Diskussion in Arbeitsgruppen oder Workshops genutzt werden. Dies dient dann gleichzeitig der Vernetzung und Sensibilisierung von Akteuren, wodurch die am zweit- und dritthöchsten priorisierten Erfolgsfaktoren genutzt werden.

Der viertwichtigste Erfolgsfaktor „Parteiübergreifender Konsens“ kann im Rahmen einer Daten basierten Präsentationen in einer Ratssitzung erzielt werden.

Aber auch die anderen hochpriorisierten Erfolgsfaktoren (siehe Abbildung) dürfen nicht vergessen werden und können durch diese Vorgehensweise genutzt werden.



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