Elternkompetenzen stärken! Gerade in Zeiten von Corona eine wichtige Aufgabe kommunaler Familienpolitik

Auffälligkeiten im Kindesalter nehmen zu, quer durch alle sozialen Schichten und Milieus. Woran es liegt, wird gern und häufig diskutiert. An den Eltern? An den Medien? Zu früh in die Kita – oder auch zu spät? Wird an den Schulen (nicht) richtig unterrichtet?

 

Erklärungsansätze gibt es reichlich, doch wie dem Phänomen fundiert näherkommen? Und was kann die Kommune konkret tun?

Der Werkstattbericht „Auffälligkeiten im Kindesalter“ versucht auf Basis einer schriftlichen Elternbefragung und über Interviews, in denen Mütter und Väter über ihre Familiensituation und ihre Kinder berichten, mögliche Zusammenhänge nachzuvollziehen. Kernanliegen war, herauszufinden, wie die Kommune Kindern und Eltern präventive Angebote machen kann, um das Leben miteinander leichter und erfüllender zu gestalten.

 

Familie, Gesundheit, Erziehung: Wie hängt das zusammen?

Kinder gelten in Deutschland als gesünder denn je – gleichzeitig haben sie immer mehr chronische Krankheiten sowie psychische Störungen und Auffälligkeiten. Die bedeutendsten Risikofaktoren für Auffälligkeiten im Kindesalter sind laut unserer Studie die Qualität des Erziehungsverhaltens und des Familienklimas sowie ein niedriger sozioökonomischer Status.

Die Familie ist der Ort, an dem gesundheitsförderndes Verhalten er- und gelebt wird. Sie ist auch der Ort, an dem die intensivsten Beziehungen gelebt werden. Kinder machen hier ihre prägendsten Erfahrungen im Umgang mit Menschen. Sie erleben die Nähe – oder Ferne – ihrer Eltern, und je kleiner sie sind, umso mehr beziehen sie das Verhalten der nächsten Menschen um sie herum auf sich selbst. Daher ist es für ihre Entwicklung enorm wichtig, in welcher Atmosphäre Kinder ihre Eltern und das gemeinsame Familienleben erleben: Zugewandt? Distanziert? Fröhlich? Gestresst? Wie gehen die Eltern miteinander um? Wie viel (ungeteilte) Aufmerksamkeit schenken sie ihrem Kind? Haben Väter und Mütter Zeit, Lust und Kraft, sich mit den schönen und den anstrengenden Dingen auseinanderzusetzen, die das Leben mit Kindern so mit sich bringt?

 

Welche Rolle spielt das Geld?

Der Familienalltag ist natürlich auch von wirtschaftlichen Faktoren geprägt. Wo alles knapp ist, muss jeder Einkauf, jede Freizeitaktivität und jede Fahrkarte genau kalkuliert werden. Ein Fehlkauf hat dann größere Konsequenzen für die Familienkasse als wenn diese gut gefüllt ist. Verluste müssen wieder ausgeglichen werden. Das stresst. Und diese Zeit und Energie fehlen woanders, zum Beispiel beim entspannten Spielen miteinander.

 

Wie können Kommunen unterstützen?

Kurz und bündig: Elternkompetenz stärken!

Haben Kinder aufgrund eines ungünstigen Familienklimas oder Erziehungsverhaltens Aufmerksamkeitsprobleme oder sind hyperaktiv, geraten sie beim Spielen mit Gleichaltrigen schnell in Streit oder schlagen sogar zu – dann kann die Stärkung der Eltern dem entgegenwirken. Angebote, die es Vätern und Müttern ermöglichen, sich ihren Kindern zuzuwenden, und die ihre Sicherheit im Erziehungsverhalten stärken, sind ein guter Weg, um den Kindern zu helfen.

In den Interviews hatten Eltern oft die Vermutung, dass eine Krankheit oder genetische Veranlagung der Grund für das Verhalten ihres Kindes ist. Auf diese Annahme trifft man nicht nur in sozial schwachen Familien. Auch der Druck, Kinder, Karriere und Freizeit unter einen Hut zu bringen, kann bei Kindern auffällige Verhaltensweisen fördern. Eltern, die aufgrund des ganzen Rummels im Familienleben nicht ausreichend in sich selbst ruhen, tragen diese Unsicherheit in den täglichen Umgang mit ihrem Kind – und das wirkt sich entsprechend aus. Der Weg, alle Mütter und Väter zu stützen und in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken, führt also immer in die richtige Richtung.

Für gute kommunale Arbeit ist es darüber hinaus entscheidend, Eltern durch den Dschungel der Angebote zu führen und lange Wartezeiten, insbesondere bei Therapieplätzen, mit alternativen Maßnahmen zu begleiten. Ein Augenmerk sollte darauf liegen, die professionelle Zusammenarbeit von Ärzten und Therapeut*innen mit Sozialarbeitern und Erzieher*innen zu stärken. So können Kinder und Familien in schwierigen Situationen wirksam unterstützt werden.

In Zeiten von Corona ist die Herausforderung, belastete Eltern und ihre Kinder mit Angeboten zu erreichen, besonders groß. Aber die Unterstützung ist gerade jetzt besonders wichtig.

 

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