Das Bild zeigt eine Tür mit vielen Flaggen von Nationen rund um den Erdball.
Copyright Anke Knopp

Wie sieht es mit der Willkommenskultur in Deutschland aus? Einige Antworten darauf haben die Kollegen aus dem Team „Einwanderung und Vielfalt“ heute darauf gegeben. Es ist die zweite Studie dieser Art, so ergibt sich auch ein Vergleich in der Entwicklung. An der ersten Studie 2012 war ich beteiligt und wir waren überrascht, wie pragmatisch der Umgang miteinander im Alltagsleben gespiegelt wurde und wie positiv die Einstellungen schon damals waren.

In der aktuellen Umfrage ist ein zentrales Ergebnis: „Heute glauben mehr Menschen in Deutschland als noch vor drei Jahren, dass Einwanderer bei uns willkommen sind – sowohl in der Bevölkerung als auch bei den staatlichen Stellen.“ Das überrascht wieder und freut um so mehr, denn die zuwanderungskritischen Demonstrationen in Dresden und viele aufflackernde rassistische Aktionen hatten anderes befürchten lassen.

Weitere zentrale Aussagen sind:

  • Gestiegen sind nicht nur Range der Willkommenskultur, sondern auch die Erwartungen an Einwanderer. Darin zeigt sich, dass die Menschen in Deutschland an ihre Migranten letztlich dieselben Ansprüche stellen wie an Einheimische.
  • Begegnung(en) auf Augenhöhe ist gewünscht, nicht gegenseitige Abschottung.
  • Nicht nur an Migranten werden höhere Ansprüche gestellt. Auch Staat und Gesellschaft müssen nach Überzeugung einer Mehrheit in der Bevölkerung mehr tun, um das Land für Einwanderer attraktiv zu machen.
  • Zudem sind die meisten der Ansicht, Migranten sollen im öffentlichen Leben mehr vertreten sein, insbesondere in der Politik und den Ämtern, aber auch in den Kindergärten und Schulen als Erzieher und Lehrer.

Doch bleibt auch noch ein Zwiespalt in der Bevölkerung im Blick auf Migration. In der Studie heißt es „Viele Menschen im Land befürchten nach wie vor, dass Einwanderer die Sozialsysteme belasten oder Konflikte mit Einheimischen auslösen. Solche Ängste werden nur entkräftet, wenn es gelingt, die Bildungs- und Arbeitsmarktintegration der bereits im Land in zweiter und dritter Generation lebenden Einwandererfamilien im Sinne nachholender Integration zu verbessern. Auch eine verbesserte Steuerung der Einwanderung zugunsten ausländischer Fachkräfte kann eine Rolle spielen.“

Nun ist die Frage der Willkommenskultur eine, die die gesamte Gesellschaft berührt, es ist keine statische Frage allein von Gesetzen oder Verordnungen. Vor allem findet die Begegnung mit der Vielfalt vor Ort statt, im direkten Lebensumfeld der Menschen. Hier gilt es, diese Orte der Begegnungen zu schaffen und zu leben. Die uralte „Kontaktthese“ besagt ja, dass dort, wo Vielfalt bereits Normalität ist, die Fremdenfeindlichkeit weniger greift als in Regionen, wo Vielfalt weniger verankert ist. Im Zusammenhang mit den Pegida-Demos ist dieser Fakt immer wieder belegt worden.

Teil der Gesellschaft 

Was ich sehr schwierig einschätze, ist die Diskussion der „Nützlichkeit“ von Einwanderung. Schwierig deshalb, weil es grundsätzlich nicht darum geht, dass Menschen irgendwie nützlich sein müssen. Im Zentrum steht, dass die Menschen, die hierher kommen die Chance haben, ein Teil der Gesellschaft zu sein, ein Teil des Ganzen zu sein und so auch wirken zu können.

Ein Aspekt allerdings ist dann doch sehr „nützlich“: Ohne Zuwanderung würde Deutschland weiter schrumpfen und altern. Das ist aber noch nicht ganz so im Bewusstsein verankert: In der Studie gibt jeder Vierte noch an, Deutschland werde in den nächsten Jahrzehnten ohne Zuwanderung gar nicht oder kaum schrumpfen. Das Statistische Bundesamt beschreibt dagegen bis 2060 ohne Einwanderer einen Bevölkerungsrückgang um über 20 Millionen Menschen.

Alterung und Schrumpfung 

Wie die Alterung und Schrumpfung in Ihrer Kommune in Zahlen und in der Prognose aussieht, zeigt sich in unserem Indikatorenset des  Wegweiser-Kommune Portals. Nicht jede Kommune oder Region schrumpft, es gibt auch wachsende Regionen und Städte. Nur ist es gut zu wissen, wo Schrumpfung besteht, wo Wachstum stattfindet. Zwei Herausforderungen, denen man sich stellen muss – beides hat auch mit Einwanderung zu tun. Wie jetzt den Brückenschlag zurück zur Willkommenskultur schlagen: die Frage ist auch wieder vor Ort zu klären – wie ist jede Stadt, Gemeinde, Region hier aufgestellt? Das kann der Wegweiser nicht beantworten, aber Sie sicher.

Die Kurzfassung der Ergebnisse gibt es hier. 

Eine Grafik zur Studie kann man hier finden.

 

 

Über den Autor

Bis Oktober 2016 war sie Projektmanagerin im Programm „LebensWerte Kommune“ in der Bertelsmann Stiftung und schrieb im Blog rund um die Themen zu Digitalisierung, Industrie 4.0, Kommunalpolitik im weitesten Sinne,...

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