Verschiedene Mitarbeiter mit einem Globus in ihren Händen

Heute erinnert der Weltflüchtlingstag an das Schicksal von Millionen von Flüchtlingen, die weltweit unterwegs sind.

Der Weltflüchtlingstag ist den Flüchtlingen, Asylsuchenden, Vertriebenen, Staatenlosen und Rückkehrern auf der ganzen Welt gewidmet, um ihre Hoffnungen und Sehnsüchte nach einem besseren Leben zu würdigen. Weltflüchtlingstag – das klingt, als sei die Problematik weit weg und nur durch ferne Regierungen zu ändern – für uns Menschen vor Ort scheint das keine Aufgabe zu sein. Ein Gefühl der Ohnmacht stellt sich schnell ein.

Doch die Schicksale der Flüchtlinge sind auch bei uns mittlerweile ganz hautnah erfahrbar. In praktisch jeder Kommune zeigen sie sich. Flüchtlinge, das Thema und die Schicksale der Menschen, das geht uns alle an.

Die Kommunen sind dabei vor besondere Herausforderungen gestellt, sie müssen die Menschen aufnehmen, Wohnraum schaffen, die Versorgung sicherstellen, Kleidung stellen, die Schicksale der Menschen auffangen, die Bedarfe besonders von Kindern im Blick behalten und schließlich für eine Perspektive in den nächsten Wochen, Monaten und in der Zukunft sorgen. Das geht nicht immer ohne Konflikte, das geht nicht ohne Hilfe.

Mich beeindruckt an der Stelle das hohe Engagement der zahlreichen Helfer in den Kommunen, die hier mit anpacken. Nicht nur allein mit dem Willen der „Gutmenschen“, sondern mit konkreten Angeboten, wie Sprach- und Kulturlotsen oder mit Sachspenden in Form von Kleidung und Spielsachen oder Möbeln.

Andererseits entzünden sich aber auch Konflikte, offene Ablehnung und Rassismus werden formuliert, Einheimische wehren sich gegen den Zuzug der Menschen mit fremden Kulturen. Hier ist immer wieder auch die Kommunalpolitik gefordert, auch die Verwaltungen in den Kommunen sowie Initiativen, die einheimischen Menschen in den Gemeinden mitzunehmen. Oftmals werden die politischen Entscheidungen nicht transparent gemacht, die Menschen vor Ort nicht mitgenommen. Ein öffentlicher Diskurs fehlt. Das führt nicht selten zu aufgestautem Hass und offener Aktion gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Hinter der vorgehaltenen Hand werden ganz offen rassistische Parolen ausgesprochen, von denen man glaubte, sie würden in Deutschland nie wieder formuliert werden. Dem kann man nur mit Information und mit der Einladung zum Gespräch begegnen, was leider immer noch viel zu selten stattfindet. Diese Ablehnung findet sich nicht nur in Dresden und weiteren Großstädten, sie ist überall.

Beeindruckend sind da die Zeichen der Solidarität wie gerade die in Köln, wo die Glocken des Kölner Doms 23.000 mal anklangen, ein Ton für jeden Migranten, der auf der Flucht umgekommen ist. Beeindruckend und unüberhörbar. Eine Mahnung an alle, eine Erinnerung.

Was tun in den Kommunen, ist da oft die Frage?

Ein erster guter Schritt ist etwa das Projekt „Xenos, Arbeitsmarktliche Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge“ seit Anfang 2014 als „Early Intervention“. Dies wurde vom Bundesamt für Integration und Flüchtlinge (BAMF), der Bundesagentur für Arbeit und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) aufgesetzt und wird in einigen Pilotkommunen umgesetzt:

Asylbewerber werden schon bald nach ihrer Ankunft ganz gezielt begleitet und von der Bundesagentur für Arbeit gefördert, so dass die Zeit bis zur Entscheidung über einen Asylantrag genutzt wird, um die Menschen hier zu integrieren.

Ziele sind dabei, die Potenziale von Flüchtlingen für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft stärker zu berücksichtigen und sie frühzeitig – also schon während der laufenden Asylverfahren – in Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration einzubeziehen.

Es gibt dazu bereits eine Begleitforschung, die das Projekt evaluiert hat. Stärken und Schwächen sind hier sehr gut nachzulesen. Eine empfehlenswerte Lektüre für kommunale Entscheider. Gerade an solch einem Weltflüchtlingstag besonders lesenswert.

 

 

 

 

Über den Autor

Bis Oktober 2016 war sie Projektmanagerin im Programm „LebensWerte Kommune“ in der Bertelsmann Stiftung und schrieb im Blog rund um die Themen zu Digitalisierung, Industrie 4.0, Kommunalpolitik im weitesten Sinne,...

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