Der Schriftzug zeigt "je suis Charlie" als Ausdruck der Solidarität zum Anschlag auf das Satiremagazin in Paris.

Fassungslos – so lässt der schreckliche Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ gestern in Paris mich und viele Andere zurück. 12 Menschen werden brutal getötet, Journalisten, Karikaturisten und Polizisten. Sie sind sehr mutig für etwas eingetreten, das wir hier für selbstverständlich halten: Die Presse- und Meinungsfreiheit, die Freiheit zu denken und zu schreiben – und zu zeichnen. Wie fragil ein solches Gut jetzt geworden ist, zeigt sich einmal mehr. Die Täter bemühen Allah für ihren Terror, die Inhaftnehmung einer ganzen muslimischen Bevölkerung steht nun zu befürchten.

Die Öffentlichkeit solidarisiert sich: Je suis Charlie. Nous sommes tous Charlie – ich bin Charlie. Wir sind alle Charlie.

Trotz aller Bestürzung ist Raum für Differenzierung erkennbar, die Komplexität der Erklärungen gelingt weitestgehend. Muslime und Religion kann man nicht einfach über einen Kamm scheren.

Wie sieht diese Differenzierung in Deutschland aus? Die Ergebnisse des Religionsmonitors der Kollegen helfen, Ansätze für diese Differenzierung zu finden. Es zeigt sich für mich auch deutlich, dass es sich dabei auch um grundsätzlich kommunale Aufgaben handelt. Unsere Kollegin Yasemin El-Menouar, Islam-Expertin, fordert: „Es müssen mehr Gelegenheiten und Orte gefunden werden, wo sich Muslime und Nicht-Muslime begegnen können – das hilft, zu verstehen, was beide verbindet“.

 

Vorurteile können nur durch den persönlichen Kontakt abgebaut werden, die Islamfeindlichkeit ist bei Personen am größten, die keine Freizeitkontakte zu Muslimen haben, ist also ein Ergebnis der Studie. Aber auch bei einem beträchtlichen Teil der Personen, die Kontakt zu Muslimen haben, bleibt ein Negativbild bestehen. Unsere Kollegin erklärt, dass es einer besonderen Qualität der Kontakte bedarf, um sich positiv auszuwirken. Diese Orte der Begegnung sind in erster Linie vor Ort zu schaffen.

Eine Kommune hat hier die große Aufgabe, ein friedliches und verständnisvolles Miteinader zu gestalten. In vielen Städten ist das gelungen – in vielen nicht, Ghettobildungen in den Stadtquartieren sind etwa eine Folge und auch eine Ursache für ein mangelndes Verständnis und die Unmöglichkeit, ein Wir-Gefühl zu etablieren. Wir leben aber in einer vielfältigen Gesellschaft. Eine andere ist nicht mehr vorstellbar und auch nicht wünschenswert. Daher ist es notwendig, den hohen Wert der Meinungsfreiheit zu behalten – aber auch mehr Energie darauf zu verwenden, den Zusammenhalt der Gesellschaft nicht aus dem Blick zu verlieren. Kommunen sind genau der Ort, diesen Brückenschlag zu meistern. Ein steter Prozess und eine Aufgabe für alle – erst recht nach diesem fürchterlichen Anschlag von gestern. Je suis Charlie – wir sind Charlie.

 

 

 

 

 

Über den Autor

Bis Oktober 2016 war sie Projektmanagerin im Programm „LebensWerte Kommune“ in der Bertelsmann Stiftung und schrieb im Blog rund um die Themen zu Digitalisierung, Industrie 4.0, Kommunalpolitik im weitesten Sinne,...

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