v.l.: Miriam Marnich (DSTGB), Kirsten Witte, Claudia Walther
@ Kai Uwe Oesterhelweg

Wie können Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden? Wie kann eine Integration auch im ländlichen Raum erfolgreich umgesetzt werden? Wie kann es gelingen, dass Flüchtlinge möglichst schnell die deutsche Sprache erlernen und so Teilhabe an der Gesellschaft erhalten?

Diese und andere Fragen wurden auf der Fachkonferenz „Integration in Städten und Gemeinden – Handlungsoptionen und Praxisbeispiele“ am 13. Juni in Bielefeld diskutiert. Die Veranstaltung wurde von dem Deutschen Städte- und Gemeindebund, dem Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen sowie der Bertelsmann Stiftung durchgeführt. Über 200 Experten aus verschiedenen Kommunen, Netzwerken und Organisationen tauschten sich über die vielfältigen Integrationsfragen aus mit denen Kommunen in den kommenden Jahrzehnten konfrontiert sein werden. Zu Beginn machte Dr. Kirsten Witte, Bertelsmann Stiftung, Leiterin des Programms „Lebenswerte Kommune“, deutlich, dass weltweit 65 Mio Menschen auf der Flucht sind, davon über 1 Mio Menschen in Europa und schließlich in Deutschland ankommen. Also überregional betrachtet ein relativ kleiner Teil der Gesamtzahl – für Deutschland dennoch eine Herausforderung, die vor allem die Kommunen bewältigen müssen und auch wollen. Längst haben die Kommunen und ihre unzähligen Ehrenamtlichen Strukturen geschaffen, um die Unterbringung zu meistern und sich den Fragen der Integration zuzuwenden. Sie müssen sich gut aufstellen, um künftig vorbereitet zu sein, denn niemand kann den Zuzug von Flüchtlingen prognostizieren.

Arbeitsmarktintegration und Strukturwandel

Im großem Plenum erläuterte Herr Scheele aus der Sicht der Bundesagentur für Arbeit die Herausforderungen bei der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Dabei betonte er die besondere Rolle der Kommunen in denen sich die Flüchtlingssituation „materialisiert“. Ein Großteil der Flüchtlinge sei zwar jung, aber motiviert die deutsche Sprache zu erlernen und so gesellschaftliche Teilhabe in allen Bereichen zu erhalten. Herr Dr. Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund hielt fest, dass die Flüchtlingsintegration nur langfristig erreicht werden könne und dass Kommunen die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern und dem Bund benötigen. Anschließend berichtete Dr. Junk, der Oberbürgermeister von Goslar, über seine Stadt, die auf mannigfaltige Weise vom Strukturwandel betroffen ist. Dort gäbe es einen Abwanderungstrend, der im Wechselspiel mit der Abnahme von Arbeitsstellen, dem Entstehen von Leerstand und mit der Überalterung der Bevölkerung verbunden ist. Die sogenannte Flüchtlingskrise sehe er als eine Chance, insbesondere für kleine und mittelgroße Städte, die die Flüchtlingszuwanderung nicht überfordere. Mit Flüchtlingen bekämen solche Städte junge arbeitswillige Menschen, die den Strukturwandel abschwächen und die Abwärtsspirale durchbrechen könnten. Klar bedürfe es dafür Zeit und finanzielle Mittel – jedoch investiere man in Menschen.

Unterbringung vs. Wohnungsnot

Nach dem Input in großer Runde, konnten die Besucher an fünf verschiedenen Fachforen zu unterschiedlichen Themen teilnehmen. Dort wurde unter anderem die Integration in den Arbeitsmarkt, in das Bildungssystem und im ländlichen Raum ausführlicher diskutiert. Auch Fragestellungen zum Ehrenamt wurden behandelt.

Ich habe ein Fachforum besucht, in dem die Unterbringung von Flüchtlingen im städtischen Raum besprochen wurde. Das Problem: Der städtische Raum ist endlich. In vielen großen Kommunen gibt es einen akuten Wohnungsmangel. Dieser wurde durch den niedrigen Leitzins zusätzlich verstärkt, weil Anleger nun begehrte Immobilien aufkaufen. Durch die Flüchtlinge gibt es nun einen weiteren Andrang auf den begrenzten Wohnraum. Stadtplanungsämter versuchen mit unterschiedlichen Maßnahmen dieser Problematik zu begegnen. In dem Fachforum tauschten sich die kommunalen Vertreter über unterschiedliche Herangehensweisen und Lösungsmöglichkeiten aus. Anmietung von Verwaltungsgebäuden, Nutzung des städtischen Leerstandes oder die Nachverdichtung sind nur einige solcher Maßnahmen. Dabei gilt es auf vieles zu achten. Zum Beispiel darauf, dass die Flüchtlinge sich über den städtischen Raum gleichmäßig verteilen, um die Segregation vorzubeugen, dass die Unterbringungen später dem sozialen Wohnungsbau geöffnet werden können, das integrativ wirkende nachbarschaftliche Strukturen vorhanden sind und dass es einen permanenten Dialog zwischen den Bürgern und der kommunalen Verwaltung gibt, denn sonst drohen Akzeptanzprobleme!

Obwohl der Zustrom von Flüchtlingen momentan abgeebbt und die Problematik der Unterbringung aus den Medien verschwunden ist, ist diese Herausforderung nach wie vor eine komplexe und schwierige Aufgabe für die Kommunen. Sie wird sie noch lange beschäftigen. Nur wenn die Kommunen sich austauschen, vernetzen und kooperieren, kann meiner Meinung nach diese Herausforderung am besten gemeistert werden. Die Fachkonferenz: Integration in Städten und Gemeinden bot dazu eine gute Möglichkeit.

Über den Autor

Praktikant im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Er studierte an der Universität Bielefeld Soziologie und Erziehungswissenschaften. Dort beschäftigte er sich im Schwerpunkt mit Themen der Stadtforschung sowie der Konflikt-...

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