Vor Kurzem habe ich einen Vortrag zum Thema Altersarmut in Olsberg gehalten. Eingeladen hatte mich eine Ü 60-Gruppe, die in der Kolpingfamilie organisiert ist. Ich habe diese Einladung gern angenommen und in der Diskussion mit den engagierten Teilnehmern gute Anregungen für das Thema mitgenommen.

  • Olsberg ist eine Gemeinde im Hochsauerlandkreis mit einer stark schrumpfenden Bevölkerung.
  • Bis 2030 ist mit einem Bevölkerungsrückgang von -15,3% zu rechnen.
  • Zum Vergleich: in Gesamt NRW sind es nur -2,7%.

Leerstand ist Zeichen

Dass Olsberg von Schrumpfung betroffen ist, sehe ich schnell an den vielen leer stehenden Ladenlokalen. Auch die Diskussionsteilnehmer berichten von vielen leerstehenden Einfamilienhäusern und von Häusern, die nur noch von einer älteren Person bewohnt werden. Hinzu kommt: Die meisten Kinder und Enkel der älteren Menschen bleiben nicht in Olsberg und Umgebung. Sie sind meist nach der Schule weggezogen, um in größeren Städten zu studieren oder ihre Ausbildung zu machen. Diese Situation führt zu einer Unterversorgung in vielen Bereichen, aber vor allem zu einem gravierenden gesellschaftlichen Problem: zur Isolation der älteren Menschen. Soziale Kontakte fehlen, die gesundheitliche Versorgung ist gefährdet, kulturelle Angebote werden wegen der hohen Kosten oder der langen Fahrtwege nicht wahrgenommen.

Verdeckte Armut

Konzepte und Zahlen zur Altersarmut sind in meinem Vortrag zentrale Punkte. Im Fokus der Diskussion mit den Teilnehmern standen mögliche Lösungen auf kommunaler Ebene. Zwar ist die Anzahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter beziehen in Olsberg noch nicht besonders hoch (2% der über 65 jährigen). Aber man geht von einer hohen Zahl von Menschen aus, die „verdeckt arm“ sind: Viele Menschen beantragen die Grundsicherung nicht, obwohl sie eigentlich ein Anrecht darauf hätten. Hinzu kommt, dass es Altersarme dort schwer haben, wo gesellschaftliche Infrastruktur und Institutionen schrumpfungsbedingt zurückgebaut werden oder aufgegeben werden. Beispiel finden sich in Schulen, Arztpraxen, Krankenhäusern und im ÖPNV.

 

Eigene Ideen entwickeln 

Die Olsberger hatten viele gute Ideen, wie die Kommune und die Zivilgesellschaft mit Altersarmut kommunal umgehen bzw. Altersarmut verhindern könnte:

  • Von einer Verbesserung der Bildungs- und Ausbildungssituation in Olsberg,
  • einer verbesserten lokalen Familienpolitik um auch junge Familien im Ort zu halten über
  • Mehrgenerationenhäuser und
  • ehrenamtliches Engagement für sozial benachteiligte Ältere Menschen

Mitgenommen habe ich vor allem, dass Altersarmut ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und geeignete Strategien nicht nur auf die Gruppe der älteren Menschen ausgerichtet sein sollten. Eine gute lokale Bildungs-, Wirtschafts-, Gesundheits- und Sozialpolitik kann Altersarmut verhindern bzw. ihre Folgen reduzieren. Kommunen können hier aktiv die Bedingungen vor Ort gestalten und vorausschauend planen und handeln.

Mehr zur Altersarmut findet sich in meinem vorherigen Post. Gute Beispiele zur Gestaltung des demographischen Wandels finden sich hier.

 

 

Über den Autor

Senior Project Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ in der Bertelsmann Stiftung. Anja Langness hat Erziehungs- und Gesundheitswissenschaften studiert und als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld gearbeitet. Sie leitet das...

1 Kommentar

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  • Gerhard Kieseheuer

    28.06.2017
    # 01

    Guten Tag Frau Langness. ich schreibe ihnen diese Mail als Bundesvorsitzender der Direktversicherungsgeschädigten e.V. und komme zufällig auch aus Olsberg.Ich kämpf gegen die immer größer werdende Altersarmut, gerade besonders bei Frauen.
    Habe Sie Interesse an einen Kontakt? Ich würde mich sehr freuen.

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