Deutliche Rentenerhöhungen, aber Corona tangiert Altersarmut

Wer vor kurzem noch die hohen Rentenerhöhungen kritisiert und Altersarmut als deutlich sinkendes Risiko gesehen hat, muss umdenken. Die Weltwirtschaft befindet sich im Abschwung und die stark rückläufigen Aktienkurse fahren Achterbahn. Dies hat Auswirkungen auf die private Altersvorsorge, aber auch auf die gesetzliche Rente, obwohl die gesetzliche Rente aufgrund der Rentengarantieklausel nicht gekürzt werden darf. Klar sind aber die Auswirkungen auf die künftige Altersarmut, wenngleich Kinder und Jugendliche ungleich häufiger von Armut betroffen sind.

Die Coronakrise hat schon jetzt massive Auswirkungen für Arme, denn viele Hilfsangebote für Bedürftige werden aktuell nicht oder nur reduziert durchgeführt. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen auf die Armutsquoten sind aktuell aber noch nicht absehbar.

 

Künftig kaum Erhöhungen bei der gesetzlichen und privaten Rente

Erhöhungen der gesetzlichen Rente sind ab 2021 aufgrund steigender Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit sowie geringer Lohnentwicklungen kaum zu erwarten. Verstärken kann sich dieser Effekt, wenn private Altersvorsorge in Aktien kurz vor der Auszahlung stehen und die betreffenden Kurse eingebrochen sind.

Aber auch die eher sicheren Anlagen wie Tages- oder Festgeld haben kaum Rendite erzielt und übertreffen schon seit Jahren kaum die Inflationsrate. Zudem erwarten Experten auch mittelfristig kaum Zinssteigerungen. Ob die Einlagensicherung für diese Bankeinlagen im Falle der Pleite mehrerer Banken auch künftig gilt, ist abzuwarten.

 

Risiken der betrieblichen Altersvorsorge, fondsgestützten Lebensversicherungen oder Riester-Verträgen

Diese Anlageformen bieten in der Regel eine Beitrags- oder Zinsgarantie und Anleger sollen mindestens die eingezahlten Beträge erhalten. Hier gibt es aber zumindest theoretische Risiken, wenn die betriebliche Altersvorsorge allein vom Unternehmen finanziert wird und diese anstehende Auszahlungen nicht mehr leisten können. Dieses Risiko wird aber von Experten aufgrund der Garantien und Vorschriften in Deutschland noch als gering eingeschätzt.

Problematischer sind fondsgestützte Lebensversicherungen, die in Kürze ausgezahlt werden sollen, denn diese können vom Abschwung der Aktienkurse massiv betroffen sein. Hier drohen bei kurzfristiger Auszahlung große Verluste und daher sind Auszahlungen oder Laufzeitverlängerungen individuell genau zu prüfen.

Auch die schrumpfende Renditen von Direktversicherungen gefährden die Finanzplanung von Rentnern.

 

Was können Kommunen tun, um die Auswirkungen von Altersarmut zu mildern?

Allgemein bekannt ist, dass die wichtigsten Stellschrauben zur Vermeidung von Altersarmut neben den individuellen Möglichkeiten auf der Bundesebene liegen. Gleichwohl gibt es eine Reihe von kommunalen Möglichkeiten die Auswirkungen der Altersarmut zu reduzieren beziehungsweise langfristig Altersarmut zu reduzieren oder sogar zu vermeiden.

Hierzu gab es in der Vergangenheit bereits einige Blogbeiträge, die Sie hier finden.

 

Kommunale Daten über Altersarmut

Hilfreich sind die Daten unseres Wegweisers, um einen ersten Überblick zur kommunalen Problematik zu gewinnen. Hier finden sich u. a. kommunale Daten zu

  • Grundsicherung im Alter
  • Erwerbstätigkeitsquoten von Frauen oder Älteren
  • Arbeitsplatzentwicklung
  • Einpersonenhaushalte
  • Kaufkraft
  • Niedriges Haushaltseinkommen
  • Anteil ausländischer Mitbürger
  • Anteil Geringqualifizierter
  • Beteiligung von Arbeitslosen an Weiterbildungsmaßnahmen
  • Kitaplätze

Alle diese Indikatoren haben einen Bezug zum Thema Armut und sind neben dem Agendasetting wichtig, um aktuelle und künftige Herausforderungen zu skizzieren und anschließend (z. B. in Workshops) Ziele und Maßnahmen zu erarbeiten.

 

Ausblick

Altersarmut wird deutlich steigen und es bleibt abzuwarten, was die Rentenkommission der Bundesregierung in den nächsten Tagen berichten wird.

Auch auf kommunaler Ebene müssen Ideen erarbeitet werden, um die Auswirkungen der Altersarmut zu reduzieren, denn in den Kommunen entscheidet sich die Lebensqualität aller Menschen und nicht zuletzt tangiert Armut auch die Finanzen der Kommunen, wie z. B. Grundsicherung im Alter oder Hilfe zur Pflege.

Foto: anaterate / Pixabay – Pixabay

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