Deutschlandkarte

Heute feiern wir den Tag der Deutschen Einheit. Inzwischen ist die offizielle Wiedervereinigung Deutschlands bereits 24 Jahre her. Doch was eint (und trennt) uns eigentlich aus demographischer Sicht? Im Wegweiser Kommune gibt es nicht nur aktuelle Daten für alle deutschen Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern, sondern auch eine Vorausberechnung für das Jahr 2030.

 

Demographischer Wandel: nur ein ostdeutsches Phänomen?

Viele Menschen, die die Wörter „Schrumpfung“, „Geburtenrückgang“ oder „Alterung“ hören, denken sofort an ländliche Gegenden in Ostdeutschland. Doch diese Phänomene beschränken sich längst nicht nur auf die neuen Bundesländer. Der demographische Wandel ist ein Thema, das alle Bundesländer, im Osten und Westen, in irgendeiner Form betrifft.

2030 werden ca. 3,7 Prozent weniger Menschen in Deutschland leben als 2009. Das hört sich zunächst einmal gar nicht so gravierend an, bedeutet aber, dass Deutschland dann ca. 3 Millionen weniger Einwohner haben wird. Dies wird Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche haben und zukünftig wird niemand mehr die Augen vor dem demographischen Wandel verschließen können. Doch in welchen Bereichen wird er Ost- und Westdeutschland gleichermaßen betreffen, und in welchen wird es – inzwischen 40 Jahre nach der Wende – deutliche Unterschiede geben?

 

Wir werden weniger, aber nicht überall

Hamburg, Bremen, Berlin und Bayern werden die einzigen Bundesländer sein, in denen es zu einem Bevölkerungswachstum kommen wird. Schon jetzt ist es dort teilweise schwierig, eine Wohnung zu bekommen. Die größten Bevölkerungsverluste wird es in den ostdeutschen Flächenländern (ausgenommen ist durch die Nähe zum wachsenden Berlin lediglich Brandenburg mit einem moderaten Rückgang) und im Saarland geben. Am stärksten betroffen wird Sachsen-Anhalt mit einer Schrumpfung von knapp 20 Prozent sein.

Doch es lohnt sich, sich die Entwicklungen kleinflächiger anzuschauen. So wird z. B. das Bundesland Sachsen bis 2030 über 10 Prozent seiner Einwohner verlieren, aber die Einwohnerzahl der Stadt Leipzig (im Moment wegen seiner Beliebtheit oftmals spaßig „Hypezig“ genannt) wird um fast 9 Prozent steigen. Insgesamt werden es vor allem die großen Städte sein, die an Einwohnern gewinnen. Und während NRW insgesamt nur von moderater Schrumpfung betroffen sein wird, wird die Bevölkerung im Landkreis Unna um fast 16 Prozent sinken. Natürlich interessiert mich auch, wie es in der Gegend aussehen wird, in der ich gerade lebe. Während meine aktuelle Wahlheimat Bielefeld nur ein bisschen schrumpfen wird, sieht es in vielen kleinen Gemeinden in Ostwestfalen-Lippe schon heute ganz anders aus. Der Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Gebieten hat sogar schon ein Fernsehteam angelockt (Beitrag WDR).

 

Weniger junge Menschen – und dadurch auch weniger Eltern

Was die Zahl der Kinder bis zum Grundschulalter angeht, wird der Osten die stärkeren Verluste einstecken müssen. Doch in der Altersgruppe der 10 – 15-Jährigen und 16 – 18-Jährigen ist es plötzlich Ostdeutschland, das die Nase vorn haben wird. In diesen Altersgruppen wird die Schrumpfung in Westdeutschland stärker ausfallen, in Brandenburg und Sachsen wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen in dieser Altersgruppe sogar wachsen.

Ein ganz anderes Bild jedoch zeichnet sich bei den jungen Erwachsenen von 19 – 24-Jährigen. In dieser Altersgruppe ist eine starke Abnahme für alle Bundesländer zu erwarten, ganz besonders jedoch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. In Ostdeutschland wird es außerdem deutlich weniger Menschen im typischen Familiengründungsalter (23 bis 36 Jahre) geben als in Westdeutschland.

Dass wir in einer alternden Gesellschaft leben, haben dann wieder Ost und West gemeinsam. Bei den Rentnern ab 65 Jahren werden alle Bundesländer Zuwächse verzeichnen. Allerdings wird das Medianalter (Median = der Wert, der eine Verteilung in zwei Hälften teilt) im Osten deutlich höher sein als im Westen.

 

West- und Ostdeutschland: vielschichtiger als gedacht

Es gibt also zahlreiche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der demographischen Entwicklung und es ist schwierig, ein pauschales Urteil über „den Westen“ oder „den Osten“ zu fällen. Auch bei der Zuordnung der einzelnen Städte und Gemeinden zu bestimmten Demographietypen (s. Wegweiser Kommune/Demographietypen) zeigt sich kein einheitliches Bild. Die demographische Entwicklung in Deutschland ist zu vielgestaltig, um sich in den Kategorien „Ost“ und „West“ abhandeln zu lassen.

Ich selbst unterteile Deutschland im Kopf auch nur noch selten in zwei Hälften. Das liegt sicher auch daran, dass ich bei der Wiedervereinigung erst acht Jahre alt war. So dürfte es vielen jüngeren Menschen gehen. Trotzdem erinnere mich noch daran, wie aufgeregt ich war, als ich das erste Mal mit meinen Eltern die nicht mehr vorhandene ostdeutsche Grenze überquert habe …

 

Und bei Ihnen? – Ein Klick in die Zukunft

Wie die demographische Situation in Ihrer Kommune aussieht, können Sie sich hier in unserem Wegweiser detailliert anschauen und sie mit anderen Kommunen aus Ost und West vergleichen und schon heute einen Blick in die Zukunft werfen. Welche Veränderungen wird es bis zum Jahr 2030 in Ihrer Kommune geben?

 

Über den Autor

Praktikantin im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung Sie hat eine Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen und an der Universität Bielefeld einen Master of Arts in Soziologie erworben. Im Studium hat...

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