Zentren der Wissensgesellschaft – so lautet die Bezeichnung des zweiten Demographietyps, um den es heute gehen soll. Metropolen wie Berlin, Hamburg, Köln oder München zählen dazu – was nicht sehr überraschend ist. Aber auch kleinere Universitätsstädte wie Tübingen oder Konstanz sind diesem Typ zugeordnet. Welche Gemeinsamkeiten in der demographischen, sozialen oder wirtschaftlichen Entwicklung verbinden diese Kommunen? Und welche Herausforderungen, Potenziale und konkrete Handlungsansätze lassen sich daraus für die weitere individuelle Stadtentwicklung ableiten?

Die Unterschiede zum bereits vorgestellten Typ 1 „Stabile ländliche Städte und Gemeinden“ bestehen nicht nur in der Größe der Kommunen. Beim Vergleich der neun Indikatoren, die der Typisierung zu Grunde liegen, wird dies deutlich: Besonders bei den Hochqualifizierten, den 65- bis 79-Jährigen, der Einwohnerdichte oder den Ein-Personen-Haushalten unterscheiden sich die beiden Typen gravierend.

Typ 2: Zentren der Wissensgesellschaft

Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung (in Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern) leben in den 51 Städten und Gemeinden dieses Typs – das sind etwa 14,7 Millionen Menschen. Damit ist Typ 2 der zahlenmäßig kleinste, jedoch der bevölkerungsreichste aller Typen. 24 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern, darunter die vier Metropolen Berlin, Hamburg, München und Köln zählen dazu. Unter den weiteren 27 Kommunen sind viele Universitätsstädte wie Konstanz, Tübingen, Heidelberg, Erlangen, Göttingen und Jena sowie eine Reihe kleiner Kommunen im Umland der großen Zentren.

Die Kommunen sind geographisch breit über Deutschland verteilt, der Süden und der Westen sind aber deutlich stärker vertreten als der Norden und Osten – eine Folge des wirtschaftlichen Gefälles in Deutschland. Im Süden sind zudem häufig nicht nur die großen Zentren vertreten, sondern ganze Wirtschaftsregionen, also auch kleinere Städte und Gemeinden im Umland der Zentren. Allein elf dieser kleinen Kommunen liegen in der Metropolregion München, vier im Taunus bei Frankfurt am Main. Zusammenfassend können die Kommunen dieses Typs so charakterisiert werden:

  • Großstädte und kleinere Kommunen in ihrem Umland sowie Universitätsstädte
  • Zentren hoch qualifizierter Arbeit
  • sehr starkes Bevölkerungswachstum durch hohe Wanderungsgewinne
  • hohe Einkommen und hohe Steuereinnahmen
  • soziodemographisch heterogen

Viele Gemeinsamkeiten – aber auch Unterschiede

Unterschiede bei den Kommunen dieses Typs zeigen sich besonders bei den Wanderungsmustern: Diese sehen bei den Großstädten sowie Universitätsstädten zwangsläufig deutlich anders aus als bei den Umlandgemeinden. Vor allem in den Universitätsstädten beruhen die Wanderungsgewinne vor allem auf dem Zuzug junger Menschen, bei der Familienwanderung haben sie bestenfalls eine ausgeglichene, meist sogar eine negative Bilanz. In den kleineren Städten überwiegt dagegen die Zuwanderung von Familien und Erwerbstätiger über 25 Jahre.

Die Städte und Gemeinden des Typs 2 sind die Wachstumspole Deutschlands. Sie haben in den letzten Jahren viele neue Einwohner gewonnen, durch die starke Zuwanderung junger Menschen bleibt ihre Bevölkerung relativ jung, ihre Wirtschaft ist international konkurrenzfähig und wächst dynamisch. Das Einwohnerwachstum bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich. Und auch diese Kommunen müssen sich darauf einstellen, dass die Zahl und der Anteil älterer Menschen wachsen.

Natürlich unterscheiden sich die Anforderungen an kommunales Handeln und auch die Handlungsspielräume für die großen Städte und für die kleineren Kommunen. Allen gemeinsam aber ist, dass die folgenden Themen eine hohe Priorität haben:

  • Strategie zur Gestaltung des demographischen Wandels entwickeln
  • Wohnungsangebot vergrößern
  • Siedlungsstrukturen nachhaltig entwickeln
  • Standortqualität erhalten und ausbauen
  • Wohn- und Lebensqualität sichern
  • Migranten integrieren
  • Bürgergesellschaft stärken
  • Kooperationskultur ausbauen

Smart Cities

Die Wissenszentren sind in einer hervorragenden Position, um eine nachhaltige Entwicklung durch den intensiven Einsatz vernetzter Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) voranzutreiben. Der Ausbaustandard der notwendigen technischen Infrastrukturen – Breitband und mobiles Internet – ist gut bzw. die Nachfrage der Nutzer so groß, dass sich eine schnelle Anpassung an erforderliche technische Standards für die Anbieter wirtschaftlich lohnt. Und es gibt in den Städten viele private Nutzer, Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die eine schnelle Einführung vieler digitaler Anwendungen fordern. Die Städte sollten daher den Ausbau zu einer intelligent vernetzten Stadt – Smart City – vorantreiben. Mobilität, Energie und Umwelt, Verwaltungsmodernisierung, Bildung und der Ausbau von freiem WLAN sind nur einige der dazu wichtigen Handlungsfelder.

Weitergehende Analysen auf Basis unterschiedlicher Daten, verschiedene Grafiken, eine Karte zur Verteilung der Kommunen dieses Typs 2 sowie eine Priorisierung der Handlungsfelder und Hinweise zu möglichen Ansätzen und Strategien finden Sie im Wegweiser Kommune.

Welchem Typ ist Ihre Kommune zugeordnet? Wir freuen uns über Feedback.

Über den Autor

Senior Project Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Petra Klug hat Germanistik, Soziologie, Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit studiert. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte sind: Demografischer Wandel und Digitalisierung, Smart...

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