Eine Frau hält ein Tablet hoch. Im Hintergrund viele Wiesen und Bäume.
Foto: Jan Voth

Die Möglichkeiten und Erleichterungen durch digitale Technik sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Digitale Entwicklungen wie etwa personalisierte Gesundheits- oder Bildungsangebote, Homeoffice oder neue Mobilitätskonzepte bestimmen dabei maßgeblich die Lebensqualität und Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen. Das zeigen die Ergebnisse unserer im Kontext des Reinhard Mohn Preises 2017 veröffentlichten Studien sehr eindrücklich.

Die technischen Voraussetzungen für die Nutzung der digitalen Versprechungen werden immer wichtiger für die Attraktivität von Kommunen und Regionen, sowohl als Wohnort als auch als Standort für Unternehmen. Dies gilt auch für kleine ländliche Kommunen, denen digitale Lösungen dabei helfen können, an Attraktivität für Arbeitgeber und Einwohner zu gewinnen und die die Folgen des demographischen Wandels abmildern könnten.  Gerade die vielen Möglichkeiten unabhängig vom aktuellen Standort zu arbeiten, könnte ländliche Räume wieder attraktiver machen, sofern diese die entsprechenden Rahmenbedingungen bieten.

Klare Zukunftskonzepte – Schnelles Internet reicht nicht

Leistungsfähige Internetanbindungen sind dabei eine Grundvoraussetzung, um die eigene Region fit für die Zukunft zu machen und digitale Optionen für diese zu erschließen. Doch sind sie kein Allheilmittel für die Regionalentwicklung und auch kein Selbstläufer. Die technische Infrastruktur muss natürlich erst einmal vorhanden sein, aber um die Potenziale digitaler und smart vernetzter Angebote optimal für eine Region nutzen zu können, muss eine gute Strategie folgen. Es braucht daher klare Zukunftskonzepte. Für städtisch verdichtete Räume werden bereits seit rund 20 Jahren unter dem Begriff „Smart City“ entsprechende Ansätze diskutiert, wobei sehr unterschiedliche Handlungs- und Lösungsansätze für verschiedene Städte entstanden sind. Ländliche Räume wurden hier lange außen vorgelassen. Eine ähnliche Diskussion entsteht gerade erst. Sie sind nochmal deutlich heterogener strukturiert als städtische Räume, wodurch die bestehenden Strategien und Konzepte nicht ohne weiteres übertragbar sind. Was in einem Kreis oder einer Gemeinde gut funktioniert, muss in der Nachbarregion noch lange nicht funktionieren. Ausgangsbedingungen, Handlungsmöglichkeiten und Bedarfe können von Kommune zu Kommune, von Region zu Region sehr unterschiedlich ausfallen. Eine wirksame Strategie um Deutschland fit für die digitale Zukunft zu machen, muss dies berücksichtigen.

Studie „Smart Country regional gedacht“

Die Studie „Smart Country regional gedacht – Teilräumliche Analysen für digitale Strategien in Deutschland“, die Prof. Thorsten Wiechmann und Dr. Thomas Terfrüchte von der TU Dortmund für uns erstellt haben, setzt bei diesen regionalen Unterschieden an: Anhand statistischer Daten wird untersucht, wie gut die Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland für eine digitale Zukunft gerüstet sind. Damit wird eine wichtige Grundlage für „Smart-Country-Strategien“ gelegt, die den Bedürfnissen vor Ort auch gerecht werden können.

Die Datengrundlage bilden rund 60 Indikatoren, von denen der größte Teil aus dem Wegweiser Kommune stammt. Dabei wurden ganz unterschiedliche Aspekte mit  Einfluss auf das Entwicklungs- und Digitalisierungspotential einer Region betrachtet: Die Liste der Themen reicht von Arbeitsmarkt und Wirtschaft über die Siedlungs- und Sozialstruktur bis zur Lage der kommunalen Haushalte und den verfügbaren sozialen und medizinischen Versorgungsangeboten.

Aus dieser Datenmenge galt es nun konkrete Erkenntnisse zu ziehen: Mit einer Clusteranalyse wurden anhand sich gleichender Merkmale in den Daten die Kreise und kreisfreien Städte mit ähnlicher Ausgangslage identifiziert. Hieraus ergibt sich eine Typologie von insgesamt acht unterschiedlichen Raumtypen, sie reicht von „Landkreise mit großen strukturellen Herausforderungen“ bis hin zu „Prosperierende Zentren mit hervorragenden Zukunftschancen“. Welche Faktoren es sind, die dabei die Entwicklung fördern oder hemmen, das wurde anschließend mit einer Faktorenanalyse genauer herausgearbeitet.

Über die Hälfte der Landkreise besitzt nur geringe Digitalisierungschancen

Im Ergebnis lässt sich nun für jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt in Deutschland ablesen, in welchem Bereich besonderer Handlungsbedarf besteht und wie es um die Digitalisierungschancen bei den aktuellen Ausgangsbedingungen bestellt ist. Es gibt viele Regionen in Deutschland, die aus eigener Kraft in der Lage sind, „smart“ zu werden und die Grundlagen für die Nutzung der Digitalisierung zu schaffen. Andere sind strukturell schwächer entwickelt und in deutlich schwierigeren Ausgangssituationen und der Handlungsdruck ist enorm: Von 402 Kreisen und kreisfreien Städten besitzen 221 eher schlechte Digitalisierungschancen! Diese Regionen benötigen Unterstützung um bei der Digitalisierung nicht den Anschluss zu verlieren und das nicht nur mit Blick auf den Breitbandausbau sondern auch bei der Stärkung der Wirtschaftskraft und die Sicherung der Daseinsvorsorge.

Diese Handlungsfelder sind eng verknüpft und auch hierbei gibt es teilweise wiederum sehr unterschiedliche Handlungsbedarfe in den einzelnen Kommunen und Regionen. So gibt es leider nicht die eine gute Lösung oder Strategie, um eine Region fit für die digitale Zukunft zu machen. Vielmehr werden kleinräumige, regionale Konzepte benötigt, die ganz konkret die Bedingungen vor Ort berücksichtigen und so den spezifischen  Herausforderungen der jeweiligen  Region gerecht werden.

Über den Autor

Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Jan Knipperts studierte Politikwissenschaften mit den Nebenfächern Soziologie und Rechtswissenschaften an der Universität Osnabrück. Nach seinem Studium war er mehrere Jahre...

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Bitte füllen Sie alle Felder aus: