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Viele neue Bürger: Trendwende im ländlichen Raum?

Blick auf eine hügelige Landschaft mit einem Dorf im Tal. Auf den Hügeln stehen windräder. Die Sonne geht unter
Foto: David Mark, pixabay.com, Public Domain

Seitdem die neuesten Daten im Wegweiser Kommune online sind, lässt sich eine vermeintliche Trendwende für viele ländliche Kommunen abzeichnen: Sie weisen stark gestiegene oder gar positive Bildungswanderungssalden auf. Es ziehen also mehr junge Menschen zu als fort.

Zahlen lügen nicht, dennoch empfiehlt es sich genauer hinzusehen beim Anstieg der Bildungswanderer im aktuellen Wegweiser Kommune.

Große Städte, vor allem Unistädte, haben oft hohe Bildungswanderungen zu verzeichnen. Im Wegweiser Kommune geben wir als Bildungswanderung den Indikator des Bildungswanderungssaldos der 18- bis 24-Jährigen aus. Dieser Indikator gibt darüber Auskunft, wie viele Personen der Altersgruppe der 18- bis 24- Jährigen im jeweiligen Jahr mehr in die Kommune zu als daraus fortgezogen sind (bzw. umgekehrt, falls der Saldo negativ ausfällt). Diese Daten werden auch noch über die letzten vier Jahre gemittelt, um Ausreißer zu glätten. Zugrunde liegt die Annahme, dass die 18- bis 24-Jährigen oft für Ausbildungszwecke wandern, beispielsweise aus dem kleinen Dorf um in der großen Stadt zu studieren.

Die Zahl der Zuwanderer nach Deutschland ist stark gestiegen. Im Jahr 2015 sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 495.311 Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland zugewandert. Fortgezogen sind im gleichen Alter 186.121 Personen. Der Saldo (Differenz aus Fortzügen und Zuzügen) betrug demnach 309.190 Personen. Im Vergleich: im Jahr 2014 lag der Saldo dieser Altersgruppe gerade mal bei knapp der Hälfte mit 153.572 Personen und 2008 bei 38.337. Dieser Saldo hat sich somit seit 2008 verachtfacht.

In vielen Fällen bei nun stark gestiegener „Bildungswanderung“ handelt es sich eben nicht um klassische „Bildungswanderer“ also junge Erwachsene, die für ein Studium oder eine Ausbildung in die Kommune kommen, sondern beispielsweise um Flüchtlinge. Viele ländliche Regionen haben somit keine Uni gegründet, sondern die „Bildungswanderung“ wird durch einen stark gestiegenen Wanderungssaldo mit dem Ausland überlagert. Für Planungen der Infrastruktur sollte man dies beachten.

Über den Autor

Hannah Amsbeck, Jahrgang 1985, studierte Soziologie an der Universität Bielefeld und machte dort ihr Diplom 2010. Studienschwerpunkte waren neben der Demografie, die Wissenschafts- und Technologiepolitik und die Sozialstrukturanalyse. Während des...

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