Das Bild zeigt einen Rechner von hinten mit allen Kabeln, die notwendig sind.

Wir haben immer wieder sehr spannende Gesprächspartner in der Stiftung. Dieser Tage hat uns Willi Kaczorowski besucht, er ist nicht nur Ex-Vorsitzender des eGovernment Arbeitskreises des Bitkom sowie Mitglied im Innovatorsclub, ein kommunalpolitischer Inkubator des DStGB, sondern auch Buchautor. Er hat das Werk „die smarte Stadt“ verfasst und damit vielen Kommunen in Deutschland einen entscheidenden Impuls zur digitalen Weiterentwicklung gegeben. 

Kommunale Aufgabe 

„Die digitale Daseinsvorsorge“ ist ganz klar eine kommunale Aufgabe, resümiert Willi Kaczorowski im Gespräch und in der Frage, wie Städte smart werden können. Eine Grundvoraussetzung, um den Anschluss in den Kommunen und Regionen nicht zu verlieren sei ein Zugang zum schnellen Internet. Damit ist insbesondere die Breitbandversorgung angesprochen. Da sieht er noch viele Baustellen. Eine transparente kommunale Datenlage könnte zudem helfen, Städte künftig intelligent zu steuern. Mit den Daten aus dem Wegweiser Kommune haben wir ein umfangreiches Material.

Eine Stadt, die digitale Einflüsse positiv für die öffentliche Daseinsvorsorge und Verwaltung nutzt, neue Möglichkeiten findet, mit Hilfe der Digitalisierung Potenziale für Bürger, Vereine und Wirtschaft mobilisiert, ist »smart«, sagt Kaczorowski und ist damit attraktiv für Jüngere und Ältere, Nachwuchskräfte, Unternehmen und Familien.

„Kein Netz“ 

Seinen Einstieg ins Thema findet er schnell und humorvoll: Auf der Anreise von Berlin nach Gütersloh habe er alle Standards der Mobilversorgung durchlebt, vom freien WLAN bis „gar kein Netz“ musste er sich auf die örtlichen Gegebenheiten neben den Gleisen einstellen. Das ist vielen Reisenden, die auf dieser Strecke im Zug arbeiten wollen wohl ebenfalls bekannt. „Die geringste Netzverbindung hatte ich in Brackwede“, sagte Kaczorowski und muss selbst schmunzeln.

Smart City ist positiv besetzt

Das Thema Smart City sei einer Studie des VDE zufolge 84 Prozent der Bundesbürger nicht geläufig, so Kaczorowski. Wohl erkennen aber 64 Prozent die Potenziale einer solchen smarten Stadt. Das sei ein deutlicher Beleg dafür, wie positiv das Thema besetzt ist. „Die Zukunftsfähigkeit einer solchen kommunalen und digitalen Infrastruktur als Chance in Zeiten des demographischen Wandels und dem Wunsch nach mehr Beteiligung ist den Menschen bewusst“. Diesen positiven Trend könnten Politiker, insbesondere Bürgermeister und gewählte Volksvertreter aufgreifen und das Tempo für die Digitalisierung in ihren Städten erhöhen.

Eine schnelle Internetanbindung sei die Grundvoraussetzung für Städte und Regionen, wenn sie künftig an den Möglichkeiten des Internet teilhaben wollen. Die Menschen organisieren ihren Alltag zunehmend digital, das gilt für neue Formen der Arbeit bis hin zu neuen Formen der Mobilität. Leider stehe dieser schnelle Zugang eben noch nicht allen flächendeckend zur Verfügung.

Herausforderungen sind vielfältig 

Die Schwerpunkte aus seinem Buch streift er kurz, erklärt, dass die Infrastruktur der Städte künftig mit intelligenter Technik ausgerüstet sein müssten, um den Anforderungen zu genügen, wenn es etwa um Energiesparen gehe oder um das Aufladen von E-Bikes auf smarten Straßen, die diese wieder aufladen. Auch Fragen der Pflege würden künftig durch Digitales erleichtert, so dass ältere Menschen länger autonom in ihren Wohnungen bleiben können.

Deutschland sei bereits deutlich abgeschlagen, wenn es um Digitalisierung geht. Kaczorowski wirft einen Blick über den Tellerrand, er war gerade Gast auf der SmartCityExpo in Barcelona. Dort sei deutlich geworden, wie sehr Digitalisierung in den Städten zu einem Standort- und Wettbewerbsvorteil geworden sei. Im Vergleich zu den Städten in Asien und im Mittleren Osten und auch in Amerika sind nur wenige Städte in Deutschland auf dem Weg smart zu werden.

Immer mehr Informationen und Daten stehen zur Verfügung, und es existieren bereits intelligente Systeme, die Informationen verarbeiten und verbreiten können. Kommunen müssten Räume schaffen für die kreative Klasse, es bedürfe an Menschen, die vorliegende Daten auch anaylsieren könnten, um sie kommunal zu nutzen und in Wertschöpfung umzusetzen. Es fehle jedoch ein übergeordnetes System, das alle diese Daten für die verschiedenen Handlungsbereiche sinnvoll aufbereitet und vernetzt. Dies ist als ein politisch-strategisches Umbauprogramm eine große Aufgabe für die Kommunen.

Kaczorowski hatte aber nicht nur die smarten Städte im Blick. Er wirkte auch mit an der Ausgestaltung digitaler Strategien für den ländlichen Raum, also SmartCountries, an der ich auch mitgewirkt habe.

Viele digitale Impulse werden die kommunale Landschaft künftig sehr schnell verändern. Das Tempo an Veränderungen wird das früherer Jahre deutlich in den Schatten stellen, ist sich Willi Kaczorowski sicher.

Foto: Anke Knopp

Über den Autor

Bis Oktober 2016 war sie Projektmanagerin im Programm „LebensWerte Kommune“ in der Bertelsmann Stiftung und schrieb im Blog rund um die Themen zu Digitalisierung, Industrie 4.0, Kommunalpolitik im weitesten Sinne,...

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