Das Bild zeigt eine Behandlungsliege in einer Arztpraxis, im Hintergrund ein Schrank mit medizinischem Behandlungsmaterial.

Wer kennt das nicht? Im Notfall muss es schnell gehen, dann ist es wichtig, einen Arzt in erreichbarer Nähe zu wissen. Das gilt für Hausärzte ebenso wie für Fachärzte. Doch Ärzte sind nach wie vor ungleich verteilt. Auf dem Land müssen sich auch künftig erheblich mehr Patienten einen Arzt teilen als in den Städten.

Ungleiche Verteilung

Die Kollegen der Bertelsmann Stiftung, die den Faktencheck Gesundheit betreuen, haben gerade eine Studie dazu vorgelegt. Zentrale Botschaft:

„Auf dem Land müssen sich auch künftig erheblich mehr Patienten einen Arzt teilen als in den Städten. An dieser ungleichen und viel kritisierten Verteilung der Ärzte in Deutschland ändert auch das Landärztegesetz wenig, obwohl genau dies vor zwei Jahren erklärtes Ziel des Gesetzgebers war. Zwar könnte sich die Versorgung mit Allgemeinmedizinern in bevölkerungsschwachen Regionen verbessern. Trotzdem erreicht das Landärztegesetz noch nicht einmal in jedem zweiten Landkreis eine bedarfsgerechte Verteilung der Arztsitze. Rückschritte drohen insbesondere bei der Verteilung der Fachärzte, die wohnortnah benötigt werden.

Das 2012 in Kraft getretene Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VStG), kurz Landärztegesetz genannt, sollte dabei helfen, den Ärztemangel in dünn besiedelten Regionen zu bekämpfen. „Gelungen ist das höchstens in Ansätzen. Im Wesentlichen verfehlt das Landärztegesetz sein Ziel“, sagte Dr. Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung. Die neue Bedarfsplanung zur Verteilung der Ärzte, die Teil des Landärztegesetzes ist, löst vor allem bei der Versorgung mit Fachärzten ihr Versprechen nicht ein: Weiterhin praktiziert etwa ein Drittel der Kinder-, Frauen- und Augenärzte in Großstädten, obwohl hier nur ein Viertel der Bevölkerung lebt.

Hier findet sich die Studie zur Ärztedichte mit dem Fokus auf die regionale Verteilung.

Hier finden sich zahlreiche Grafiken nach Facharztrichtung und Regionen.

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-654BE0B0-9FAE853A/bst/xcms_bst_dms_40113__2.jpg

Demografie-Typen

Koppelt man dieses Wissen etwa an unsere Demografie-Typen aus dem Wegweiser Kommune, ergibt sich hier nochmal eine weitere Facette der Gestaltung des demografischen Wandels in den jeweiligen Kommunen.

Die Typisierung zu diesen Demografie-Typen wurde auf der Datengrundlage des Wegweisers Kommune der Datenjahrgänge 2007 und 2008 berechnet. Mit Hilfe einer Faktorenanalyse wurden in einem ersten Schritt charakteristische Ausprägungen ausgewählter sozio-ökonomischer und demographischer Indikatoren analysiert und zu Faktoren aggregiert: „soziodemographischer Status“ und „Urbanität / Wirtschaftsstandort“. Anschliessend wurden mit Hilfe dieser Faktoren und unter Einsatz eines Typisierungsverfahrens (Clusteranalyse) 2.915 der bundesweit 2.926 Kommunen (Gebietsstand 30.6.2009) mit mehr als 5.000 Einwohnern zu insgesamt 9 Demographietypen (Typen) zusammengefasst. Ziel des Verfahrens war es, Kommunen so zu Gruppen zusammenzufügen, dass die Unterschiede zwischen den Kommunen eines Typs möglichst gering sind, die Unterschiede zwischen den Typen aber möglichst groß.

Die Beschreibung der Handlungsansätze für diesen Typ stellt einen Orientierungsrahmen für Kommunen dar. Die entstandene Typisierung soll ein erster Ansatz sein, sie ersetzt nicht die individuelle Betrachtung jeder einzelnen Kommune. Strategien dazu entwickeln die jeweiligen Kommunen selbst.

Foto: Anke Knopp

 

 

 

 

 

Über den Autor

Senior Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Er leitet das Projekt Wegweiser Kommune und beschäftigt sich mit Themen rund um den demografischen Wandel. Seine Schwerpunkte sind Alterung,...

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