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Open Data in Kommunen: Ein Türöffner zu mehr Wirkung

Das Foto zeigt Ton Zijlstra aus NL.
Gutes Beispiel NL - Offene Daten

Letzten Samstag/Sonntag gab es ein spannendes Barcamp in Wuppertal. Offene Kommunen.NRW hatte geladen – interessante Veranstaltung, vielfältige Sessions, gute Dynamik und es gab einiges zu lernen. Zum Beispiel von Ton Zijlstra, Change Consultant bei thegreenland.eu

Ton hat ein Projekt vorgestellt, in dem neun Kommunen der niederländischen Provinz Noord-Holland das Thema Open Data gemeinsam vorangebracht haben. Die Provinz ist sehr heterogen. Amsterdam gehört genauso dazu wie auch viele sehr kleine Gemeinden. Mitgearbeitet über einen Zeitraum von einem Jahr haben zwei Kleinstädte und sieben Gemeinden. Die Mitarbeiter der Kommunalverwaltungen sind für ihr herausforderndes Projekt regelmäßig zusammengekommen. Die Provinzverwaltung von Noord-Holland war Schirmherr. Sie hat den mitarbeitenden Kommunen vor allem das Vertrauen gegeben, dass sie auch in ihrer Rolle etwas für die Region erreichen können.

Am Anfang stand wie immer die Frage nach dem möglichen Impact – die Ausgangsfragen eines Open Data Projekts sind dabei immer gleich:

  • Wo wollen wir Einfluss nehmen?
  • Welche Daten brauchen wir dazu?
  • Was verändert sich, wenn wir die Daten haben?

Vorgehen

Noch vor Beginn des Projekts stand eine sog. Dateninventur. Es waren 200.000 Datensätze auf Provinzebene vorhanden, die gesichtet und bewertet wurden. Dabei ging es in einem ersten Schritt auch um die „low hanging fruits“: Daten, die sofort veröffentlicht werden konnten. Zudem wurden vor Projektstart viele Interviews geführt mit Akteuren aus der Kommune. So wurden im Ergebnis Ziele formuliert, denen zufolge

  • Open Data ein normales Instrument für die Verwaltung wird,
  • neue Stakeholder identifiziert werden und
  • die offenen Daten auch tatsächlich in wichtigen Themenfeldern genutzt werden.

Der nachfolgende Prozess ließ sich in drei Phasen unterteilen und kurz umreißen:

Phase 1: Interne Phase

  • Wer in der Verwaltung ist am Thema Open Data interessiert? Hier werden unabhängig von Hierarchien interne Change-Agents ausfindig gemacht, die motiviert sind, eine Veränderung in Richtung offene Daten herbeizuführen. Diese Change-Agents sind besonders wichtig, andernfalls melden sich zur Projektarbeit häufig nur Bedenkenträger.
  • Es wurde recherchiert: Welche Ziele hat die Verwaltung? Welche Ziele sind fixiert?
  • Zu welchen Zielen gibt es Datensätze? In der Regel gibt es in den Verwaltungen Daten über das, was die Verwaltung weiß. Es sind nur wenige Daten darüber vorhanden, was die Verwaltung tut.

Phase 2: Identifikation von Datensätzen

  • Es ist regelmäßig schwer, von Zielen und Themen zu Datensätzen zu kommen. Deshalb wurden Workshops veranstaltet und viele Gespräche geführt, um im Sinne von Data Awareness das Bewusstsein für Daten zu erhöhen.
  • In der Folge wurden Daten recherchiert und ihre mögliche Veröffentlichung diskutiert.
  • Nach Identifikation von Daten wurde mit den Mitarbeitern intensiv reflektiert, welche Folgen eine Veröffentlichung von Daten haben könnte. So wurden den Mitarbeitern Sorgen genommen und zudem mögliche Eskalationspfade entwickelt
  • Anschließend erfolgte eine Veröffentlichung der Daten. Nicht alle Kommunen haben auch die gefundenen Datensätze veröffentlicht. Einigkeit bestand bei den kommunalen Finanzdaten. Sie wurden im Sinne von Transparenz von allen gemeinsam publiziert.

Phase 3: Externe Beteiligte ausfindig machen

  • Im Fokus der Veröffentlichung stand das Finden neuer Gesprächspartner und Stakeholder für die Belange und Themen der Kommune. So wurden Akteure für die Daten durch Events, Zeitung, Internet etc. interessiert. Jeder, der kam und sich interessierte oder einbringen wollte, wurde „gleich behandelt“ – es gab kaum etablierte Bürger-Behörde-Kommunikation. So wurden mit allen, die sich gemeldet haben, Gespräche geführt. Die Bandbreite der interessierten Personen war sehr groß.
  • Bürger wurden auch nach Datenwünschen gefragt. Sie brachten konkrete Ideen ein, welche Daten gewünscht sind und was man damit machen könnte. Viele neue Kontakte zwischen Kommune und Bürgern sind so entstanden.

Learnings und Ergebnisse

Es braucht viel Zeit, die beschriebenen Prozesse rund um Open Data zu etablieren. Viele Ängste und Sorgen rund um offene Daten müssen ernst genommen und intensiv bearbeitet werden. Deshalb sind die ersten Schritte in Richtung Offenheit die zeitintensivsten, um das Wollen durch passgenaue Prozesse ins Reale zu ermöglichen. Danach wird es einfacher. Die offenen Daten sind ein wichtiger Baustein im Dreiklang: Strategie, Stakeholder, Open Data.

Im Ergebnis des Projekts ist Open Data in den beteiligten Gemeinden Teil der Managementstruktur und normaler Bestandteil der Arbeit geworden. Durch die beschriebene Herangehensweise wurden neue Stakeholder identifiziert und eingebunden. Kommunikationsformen haben sich verändert, neue Ideen wurden geboren. Fünf der neuen Gemeinden machen weiter.

Open Data – Nutzen noch wenig erkannt 

Meine Einschätzung: Open Data ist zunehmend ein wichtiger Bestandteil von Wirkungsstrategien – zunächst ein wichtiger Ausgangspunkt von Strategieentwicklung und Zielerreichung. Daneben erhöhen offene Daten und der bewusste Umgang mit ihnen aber auch die Wirkung kommunalen Handelns. Open Data etabliert eine neue Fragenkultur. So werden neue Akteure eingebunden und Ideen und Wissen besser in das kommunale Handeln eingebunden.

Das Potenzial von Open Data in deutschen Kommunen ist noch überwiegend wenig bis gar nicht genutzt. Aber es wäre sinnvoll investierte Zeit. Open Data ist ein Türöffner für mehr Wirkung kommunalen Handelns.

Über den Autor

Senior Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Er leitet das Projekt Wegweiser Kommune und beschäftigt sich mit Themen rund um den demografischen Wandel. Seine Schwerpunkte sind Alterung,...

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