Das Foto zeigt junge Männer, die in einer Reihe an einem See sitzen, sie sind aber von hinten fotografiert.

Die Zahlen sind ganz frisch: Die neue Bevölkerungsvorausberechnung bis 2030 steht ab jetzt zum Abruf auf dem Wegweiser Kommune zur Verfügung. Für jede Kommune mit mehr als 5.000 Einwohnern können Daten zu den Bereichen Bevölkerungsstruktur, Geburten und Sterbefälle, Wanderungen, Alterung und zu den zehn funktionalen Altersgruppen abgerufen werden.

Basisjahre

Die vorherige Bevölkerungsvorausberechnung wurde auf Grundlage der Jahre 2004 bis 2009 berechnet. Der neuen Berechnung wurden die deutlich aktuelleren Jahre 2008/2009 bis 2012 zugrunde gelegt. Diesen sogenannten „Basisjahren“ kommt besondere Bedeutung zu, da ihre Werte die Trends bei Geburten, Sterbefällen, Fort- und Zuzügen wie auch die Altersstruktur setzen.

Zuzüge, Fortzüge

Die neue Bevölkerungsvorausberechnung berücksichtigt die deutlich gestiegenen Außenwanderungen. Während die letzte Vorausberechnung noch unter dem Vorzeichen von Wanderungsverlusten mit dem Ausland stand, sind in den vergangenen Jahren so hohe Wanderungsgewinne zu verbuchen wie lange nicht mehr. Dies bedeutet: es ziehen mehr Menschen nach Deutschland zu als abwandern. So war der Wanderungssaldo (Zuzüge minus Fortzüge) in den letzten Basisjahren der vorherigen Bevölkerungsvorausberechnung negativ. Im Jahr 2008 lag der Saldo bei -55.743 und im Jahr 2009 bei -12.780. Seitdem ist der Wanderungssaldo Jahr für Jahr deutlich gestiegen – bis zum Jahr 2012 auf 368.945.

Dies ist zum einen durch den deutlichen Anstieg der Zuzüge bedingt, die von 1993 (1.277.408 Zuzüge) an bis 2006 auf einen Tiefststand von 661.855 Zuzügen gefallen waren und seitdem sich fast verdoppelt haben. 2013 waren es 1.226.493 Zuzüge und in unserem letzten Basisjahr 2012 immerhin schon 1.080.936. Zum andern sind die Fortzüge relativ konstant geblieben bei 700.000 Fortzügen +/-100.000. Aus diesem Grund fällt auch die Annahme über zukünftige Zuzüge nach Deutschland erheblich positiver aus als bei der letzten Vorausberechnung.

Des Weiteren wurden kommunenspezifische Korrekturfaktoren, die aus der Abweichung des Zensus 2011 zur bisherigen amtlichen Einwohnerzahl abgeleitet wurden, zur Berechnung herangezogen. Der Zensus 2011 hatte nämlich für 62 Prozent der Gemeinden Einwohnerverluste, für 36 Prozent Einwohnergewinne und für fast zwei Prozent keine sonderlichen Abweichungen zu den bis dahin geltenden Zahlen ergeben. Weitere Hintergrundinformationen zum Zensus können Sie hier finden.

Sterbefallfaktoren

Zudem wurden Sterbefallfaktoren in die Berechnung einbezogen. Bisher wurden für Kreise in „Sterbetafelbezirken“ (zumeist Bundeslandebene oder auch Regierungsbezirksebene) die Annahme getroffen, dass die Lebenserwartung bzw. die Sterbefallwahrscheinlichkeit in allen Kreisen des Bezirks gleich sind. De facto gibt es große Unterschiede, die nun erstmalig durch diese Sterbefallfaktoren abgebildet werden.

Stadtstaaten wachsen

Im Ergebnis ergibt sich für Deutschland von 2012 bis 2030 nur ein geringer Rückgang der Bevölkerung um -0,7 Prozent, das heißt von 80,5 auf 79,97 Millionen Einwohner. Die Spanne der relativen Bevölkerungsentwicklung bei den Flächenländern reicht von +3,5 Prozent in Bayern bis -13,6 Prozent in Sachsen-Anhalt. Die Stadtstaaten wachsen, Berlin um +10,3 Prozent, Hamburg um +7,5 Prozent und Bremen leicht um +1 Prozent.

Neben dem Bereich der Bevölkerungsprognose wurden auch die Wanderungsprofile und die Bevölkerungspyramiden aktualisiert. Wie sich die Bevölkerungszahlen in Ihrer Kommune entwickeln werden, können Sie hier erforschen.

Foto: Anke Knopp

 

Über den Autor

Project Managerin im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Studienschwerpunkte ihres Soziologiestudiums waren neben der Demografie, die Wissenschafts- und Technologiepolitik und die Sozialstrukturanalyse. Schon vor ihrer Arbeit in der Bertelsmann...

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