Das Foto zeigt ein Kornfeld, Wiesen und kleine Wälder, es ist vom Auto aus fotografiert.

Gute Vorsätze für das kommende Jahr haben einen großen Nachteil: Sie bleiben oft nur Vorsätze. Das zu vermeiden, lässt sich auf leichte Art erreichen: Man nimmt sich nur wenig oder im Zweifel gar nichts mehr vor. Große, wichtige private und berufliche Themen bleiben so aber auf der Strecke. Nachhaltigkeit ist so ein großes, allumfassendes Thema – in Diskussionen ein oft bemühtes Schlagwort, in der ganz praktischen Arbeit leider noch viel zu selten Realität.

Ein konkretes Beispiel ist die nachhaltige Entwicklung von Siedlungsflächen: In Zeiten des demographischen Wandels ein wichtiges, aber auch komplexes Thema, das ein grundsätzliches Umdenken erfordert.

Mehr oder weniger?

Die Rahmenbedingungen für die Siedlungsflächenentwicklung haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Dazu tragen zum einen demographische Entwicklungen bei, die die bisherigen, auf Wachstum setzenden Entwicklungsmodelle, zumindest in Frage stellen. Die Bevölkerungsentwicklung ist regional sehr heterogen – Wachstum und Schrumpfung liegen oft eng beieinander. In der Folge gibt es keine Patentrezepte: Ein Konzept für die Entwicklung von Gewerbeflächen kann in der einen Region funktionieren und in der anderen nicht, eine Strategie zur Wohnraumentwicklung kann in der Vergangenheit erfolgreich gewesen sein und ist es heute nicht mehr.

Zum anderen nimmt die finanzielle Handlungsfähigkeit vieler Kommunen eher ab als zu. Kosten für die Erweiterung von Siedlungsflächen (und vor allem auch die Folgekosten) können zu einer schweren Hypothek werden. Gestaltungsmöglichkeiten werden so eher begrenzt als erweitert. Viele Städte und Gemeinden müssen daher umdenken und sich mit Strategien für die Steuerung von Nicht-Wachstum auseinandersetzten – wenn sie sich ernsthaft eine nachhaltige Stadtentwicklung zum Ziel gesetzt haben.

Zum Thema Siedlungsflächenentwicklung haben Ruth Rohr-Zänker und Wolfgang Müller (StadtRegion, Büro für Raumanalysen und Beratung, Hannover) Handlungsempfehlungen für den Wegweiser Kommune zusammengestellt – eine gute Grundlage für das Umdenken.

Mehr als 100 Fußballfelder

Es gibt einen weiteren, schwerwiegenden Grund für das Umdenken, für eine Neuausrichtung der Siedlungsflächenpolitik: die ökologischen und ökonomischen Folgen eines ständig zunehmenden Flächenverbrauchs. Bereits 2004 hat sich die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie  eine Reduzierung des Flächenverbrauchs zum Ziel gesetzt: Bis 2020 soll freien Flächen – also unserem Lebensraum Natur – „nur“ noch 30 Hektar pro Tag entzogen werden. Und es sieht nicht so aus, als ob dieses Ziel erreicht werden würde: Allein 2009 bis 2012 wurden täglich durchschnittlich 74 Hektar in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt und damit versiegelt – das entspricht einer Fläche von mehr als 100 Fußballfeldern. Und zugleich gibt es vielerorts mehr Leerstände in den Städten und Dörfern, Baulücken und Brachflächen oder ungenutzte Konversionsflächen – nachhaltige Flächenpolitik sieht anders aus.

Mein Wunsch für 2015: ein bewusster und sparsamer Umgang mit unserer Ressource Natur, eine am tatsächlichen Bedarf ausgerichtete kommunale Planung der Wohn-und Gewerbeflächen sowie die Sicherung und Aufwertung des bestehenden Bestandes. Flächensparen und Innenentwicklung als handlungsleitende Prinzipien für eine nachhaltige Flächenentwicklung – ein zu großes und komplexes Ziel? Ich hoffe nicht.

Das Wegweiser-Team wünscht allen einen guten Start ins neue Jahr und viel Erfolg für die großen und kleinen, die privaten und beruflichen Vorsätze für 2015!

 

Foto: Anke Knopp 2014

 

Über den Autor

Senior Project Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Petra Klug hat Germanistik, Soziologie, Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit studiert. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte sind: Demografischer Wandel und Digitalisierung, Smart...

2 Kommentare

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  • Hartmut Bock

    02.01.2015
    # 01

    Wünsche allein reichen hier nicht aus. Der schonende Umgang mit Ressourcen erfordert einen starken Willen und die fachliche Fähigkeit innerörtliche Entwicklungen zu forcieren. Hier fehlt sehr oft das Knowhow. Deswegen sind die Handlungsempfehlungen ein wichtiger erster Schritt. Reden und Handeln muss endlich übereinstimmen.

  • Petra Klug

    05.01.2015 Petra Klug
    # 02

    Das ist richtig und wir werden weiter am Thema arbeiten. Für dieses Jahr haben wir uns eine Aktualisierung der Demographie-Typisierung im Wegweiser vorgenommen und die Siedlungsflächenentwicklung wird – neben anderen Themen – eine wichtige Rolle spielen.

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