Von einem See Blick auf zwei alte Häsuer. Eines davon ist umgeben von Baugerüsten.
Meierhof in Bielefeld-Heepen. Foto: Philipp Neumann

Aus unserer Projekterfahrung und hier vor allem aus unseren Workshops für Kommunen haben wir gelernt, dass generationenübergreifende Projekte von den kommunalen Akteuren gern gewählt, aber nicht immer nachhaltig umzusetzen sind. Realisiert werden dann meist kurzfristig angelegte Projekte wie „Jung hilft Alt“ (z. B. Computer- oder Handynachhilfe) oder „Alt hilft Jung“ (z. B. Hausaufgabenbetreuung oder Nachhilfe), die sicherlich sehr sinnvoll sind, aber oft nicht nachhaltig wirken, weil ihr Gelingen oft nur von einzelnen Menschen abhängt.

Ein wirklich gutes Beispiel nachhaltiger Wirkung ist die Renovierung des Meierhofes durch die Bielefelder Naturfreunde in Bielefeld-Heepen, wo drei Generationen gemeinsam ein sehr nachhaltiges Projekt realisierten. Nach zweijähriger gemeinsamer Planungs- und Umsetzungszeit konnte kürzlich der Meierhof eingeweiht werden.

Generationenübergreifende Aktionen haben bei den Naturfreunden eine lange Tradition und dies war offensichtlich ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Bei der aufwändigen Renovierung des Meierhofes wurde von Jugendlichen bis zu Hochaltrigen gemeinsam gearbeitet. Jeder leistete das, was er kann. Wenn körperlich schwere Arbeit nicht möglich war, dann hat z. B. eine über 80-jährige Frau mit fast 100 Kuchen für das leibliche Wohl der Aktiven gesorgt.

Jugendliche oder Angehörige anderer Berufe können dort miterleben, unter welchen Bedingungen Handwerker arbeiten, etwas gemeinsam zu schaffen oder einfach nur Gespräche über die unterschiedlichsten Themen führen. Jugendliche schaffen dort außerschulisch ein handwerkliches Produkt, das einen echten Mehrwert für sie und andere hat. Sie lernen reales wirtschaftliches Handeln, wie z. B. Geldbeschaffung, Bewerten von Handwerksleistung, Rechtsprobleme zu bewältigen, eine Nutzerordnung zu erarbeiten, steuerliche Fragen zu klären, aber auch eine Ausdauer zu entwickeln. Sie lernen auch den Unterschied zwischen ehrenamtlicher und bezahlter Arbeit, denn in unserer Gesellschaft dominiert der ökonomische Aspekt im Vergleich zum Gemeinwohl.

Generationenübergreifende Erfahrungen sind ein Gewinn

Aber auch für Ältere ist es wichtig zu erfahren, wie die Jugend „tickt“. Unser intergeneratives Meinungsbild wird von den Medien geprägt und häufig nicht von der Realität, da wir ja gar nicht mehr eigenständig erleben, wie die Lebenswelten anderer Generationen aussehen.

Gemeinsam wurden u. a. Räume entrümpelt, morsches Holz entfernt, Fachwerke mit Bruchsteinen ausgemauert, alte Fenster entfernt, neue Fensterrahmen geölt, Sand geschaufelt, Ausschachtungen für Abflussrohre oder die Boulderhalle erstellt (diese scheint eine besondere Attraktion zu sein. Meine Kollegin erzählte von der Begeisterung ihrer Tochter bei ihren ersten Versuchen). Natürlich wäre das ohne die ehrenamtliche Arbeit eines Architekten oder einiger Handwerker nie möglich gewesen, aber die generationenübergreifende Zusammenarbeit war ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Dies alles führte zu vielen Spenden und einer Großspende der NRW-Stiftung, die in einer Festrede durch ein Vorstandsmitglied besonders die außerordentliche Nachhaltigkeit dieses Projektes betonte. Auch abseits der Renovierungsarbeiten finden viele generationenübergreifende Aktionen statt. Dies sind u. a. Wanderungen und Ausflüge, Diskussions- und Informationsveranstaltungen, Kinder – und Jugendarbeit, regelmäßige Veranstaltungen für Senioren, Aktionen im Umweltschutz oder Sportveranstaltungen, wie z. B. Kanusport, Wintersport oder Bergsteigen.

Erfolgsfaktoren sind, neben dem gemeinsamen Interesse, die Verlässlichkeit und auch die „persönliche Chemie“ aller Beteiligten. Dies sollten Akteure bei der Planung von Projekten immer berücksichtigen.

Über den Autor

Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ für kommunale Workshops zu den Themen Demografie, Seniorenpolitik und Integration.

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