Das Foto zeigt eine Hauszeile mit vielerlei Nutzung.
Demographie und Stadtentwicklung

In Diskussionen rund um den demographischen Wandel wird diese Frage sehr oft gestellt – von Verantwortlichen in der Verwaltung, von Politikern, aber vor allem auch von Bürgerinnen und Bürgern. Die Antworten darauf sind so vielfältig wie die demographischen Entwicklungen in den Kommunen.

Städte, in denen Menschen gerne leben, werden zwangsläufig sehr verschieden aussehen. Für die einen sind ein attraktiver Arbeitsplatz und vielfältige kulturelle Angebote wichtig, für die anderen bezahlbarer Wohnraum und eine gute Kita. Und natürlich spielt auch das Alter eine Rolle: Für junge Familien stehen andere Ansprüche an eine gute Lebensumwelt im Vordergrund als für ältere, weniger mobile Menschen.

Zudem werden Diskussionen darüber häufig vor dem Hintergrund schwieriger Ausgangslagen geführt. So gerne ich über meine „ideale“ Stadt nachdenken und reden würde, sind die Diskussionen in meinem Arbeitsalltag doch eher davon bestimmt, was vor dem Hintergrund schwindender Ressourcen überhaupt noch möglich ist. Viele Gespräche im Kontext unserer letzten Veröffentlichung im Juli zur Bevölkerungsentwicklung bis 2030 wurden unter dem Druck rückläufiger Bevölkerungszahlen insbesondere in den ländlichen, strukturschwachen Räumen, dem Wegbrechen grundlegender Infrastruktur oder von Verschuldung und Haushaltssicherung geführt – so entstehen nicht unbedingt die besten Lösungen.

 

Demographische Mythen

Auf der Suche nach Strategien, Städte und Gemeinden trotz schwieriger Vorzeichen attraktiv zu gestalten, wird dabei leider allzu häufig auf solche zurückgegriffen, die wenig erfolgversprechend sind. Mit ein paar dieser „demographischen Mythen“ haben wir uns nun intensiver auseinandergesetzt und untersucht, welche Einflussgrößen überhaupt gesteuert werden können, wie sie wirken. Die Faktor Familie GmbH hat dazu mit Hilfe der Wegweiser-Daten – regionalisiert – gezielt Wirkungszusammenhänge zu grundlegenden soziodemografischen Entwicklungen und ihren Einflussgrößen vor Ort zusammengetragen. Dabei haben wir verschiedene Fragen empirisch überprüft: Geht es wirklich um immer mehr Neubaugebiete oder Kitaplätze? Wie stark wirken sich Geburtenzahlen, wie Wanderungsbewegungen auf die Einwohnerzahlen in unseren Städten und Gemeinden aus?

Die untersuchten Wirkungszusammenhänge sind komplex, einige der Ergebnisse überraschend. So zeigen unsere Analysen beispielsweise, dass in vielen Regionen die Potenziale der Familienwanderung an ihre Grenzen gekommen sind. Mit der Ausweisung subventionierter Neubaugebiete die Ansiedlung „neuer“ Familien zu befördern, funktioniert bei weitem nicht in allen Regionen und ist nur punktuell erfolgversprechend. Denn auch wenn sich ein Neubaugebiet gut vermarkten lässt, entstehen oft an anderer Stelle Leerstände: in eigenen, unattraktiveren Stadtteilen oder im Nachbarort. Häufig werden auch die Folgekosten einer Planung auf der grünen Wiese nicht richtig eingeschätzt, ganz abgesehen von einer zunehmenden Zersiedelung der Landschaft. Zudem spricht die Demographie eine deutliche Sprache: Die sogenannten Elternjahrgänge (Personen im Alter von 24 bis 37 Jahren) sind nach wie vor rückläufig. Bis 2030 wird die Zahl der Frauen in dieser Altersgruppe bundesweit um fast 10 Prozent sinken. Positive Umlandeffekte, wie sie für München oder Berlin und das jeweilige Umland gelten, können nicht verallgemeinert werden. Demographische Entwicklungen sind komplex und vor allem heterogen, zudem findet Bevölkerungswachstum in vielen Kernstädten vor allem aufgrund von Bildungswanderungen statt, die nur selten auf das Umland ausstrahlen.

Die Möglichkeiten, individualisierte biografische Entscheidungen zu beeinflussen, werden in der Politik häufig überschätzt – was für eine zukunftsorientierte kommunale Planung von Nachteil ist. Dass grundsätzliche Lebensentscheidungen nach wie vor sehr persönlich und nach ganz unterschiedlichen Kriterien getroffen werden, ist für unsere Gesellschaft, unser Gemeinwesen dagegen ein klarer Vorteil

Über den Autor

Senior Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Sie hat Germanistik, Soziologie und Berufs- und Wirtschaftspädagogik studiert. Petra Klug beschäftigt sich mit den Themen rund um den demographischen...

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