Dass ich nahezu ausschließlich digital arbeite, war so eigentlich nicht geplant. Es hat sich, wie vieles im Leben, einfach so ergeben. Nun hat es sich ebenfalls so ergeben, dass ich mit meiner kleinen Familie auf dem Land wohne. Also, so richtig ländlich. Unser Dörfchen Hohenstein gehört zwar verwaltungstechnisch zur Kleinstadt Bönnigheim, aber es gibt in unserem „Stadtteil“ nur vielleicht 600 Einwohner, 100 Häuser, 10 Straßen – und nicht mal einen Bäcker oder eine andere Einkaufsgelegenheit.

Das Landleben macht meine Arbeit nicht immer einfach, im Gegenteil, gerade was Berufe angeht, die wenig traditionell sind, wirft einem so ein Leben auf dem Dorf doch ab und an Steine in den Weg. Und je digitaler man arbeitet, desto schwieriger wird es im ländlichen Bereich. Doch was genau könnten die Gemeinden denn tun, um auch die jüngeren Generationen, die immer seltener in traditionellen Berufen arbeiten, davon abzuhalten, ihr Glück in der Stadt zu suchen?

 

Das A & O: Gutes, schnelles Internet

Schnelles Internet ist das A & O: Irgendwie logisch, denn guten, schnellen und verlässlichen Internetzugang zu haben ist Grundvoraussetzung für viele der Tätigkeiten, die wir Digital Natives Arbeit nennen. Gerade vor etwa 2 Jahren wurde hier im Dörfchen das Internet ausgebaut und nun surfen wir endlich auch mit bis zu 50 Mbit/s. Für die Arbeit ist es eine absolute Erleichterung, denn zuvor musste ich tatsächlich häufig warten, bis sich Seiten aufgebaut haben oder Daten hoch- bzw. runtergeladen waren. Unser baden-württembergischer Innenminister Thomas Strobl setzt sich sehr für einen weiteren Ausbau der Netzgeschwindigkeit auch in ländlichen Gebieten ein. Nur so bleiben kleinere Gemeinden auch für digitale Arbeiter in Zukunft attraktiv.

 

Ein leidiges Thema: Der Handyempfang

Viele Digital Natives sind nicht nur mit ihren Laptops im Netz, sondern wollen auch mit ihren Smartphones mobil gut erreichbar sein und schnellen Zugang zu Informationen haben. Dazu ist guter Handyempfang notwendig. Gerade in ländlicheren Gebieten ist das Handynetz aber häufig noch spärlich ausgebaut. Hier in unserem Dörfchen habe ich – egal mit welchem Anbieter – gerade mal eine Datenverbindung mit EDGE-Geschwindigkeit und nur sehr schwachen Handyempfang. Das ist gerade bei geschäftlichen Telefonaten oft frustrierend, denn mein Handy ist auch mein geschäftliches Kommunikationsmittel. Wenn ich dann den Gesprächspartner nur abgehackt hören kann, ist das für beide Seiten unbefriedigend. Schlimmer jedoch war es vor kurzem, als wir Urlaub in Hessen gemacht haben. Wir waren an zwei verschiedenen Orten, beide sehr ländlich gelegen, und es gab an beiden Orten KEINEN Handyempfang. Dass diese Gemeinden für junge Menschen und erst recht für Menschen mit nicht-traditionellen Jobs absolut unattraktiv sind, liegt auf der Hand.

 

Wenig beachtet: Möglichkeiten der Vernetzung

Ich nehme an, ich bin hier im Dorf bzw. in dem Städtchen, zu dem wir gehören, nicht der einzige Mensch, dessen Arbeit zunehmend oder bereits ausschließlich digital und im Internet stattfindet. Was mir hier auf dem Land fehlt, ist eine Vernetzung mit anderen Digital Natives. Ganz weit oben auf meiner Wunschliste steht ein kleines CoWorking-Angebot, auch und gerade außerhalb der Städte, in denen CoWorking-Spaces ja scheinbar nur so aus dem Boden schießen. Ich denke, so etwas könnte sich auch auf dem Land durchsetzen und würde die Zusammenarbeit der digitalen Selbstständigen dort fördern. Dafür könnte sich auch die jeweilige Gemeinde starkmachen, denn das trägt natürlich immens zur Attraktivität des Standortes bei. Es gibt hier in jeder Gemeinde einen Selbstständigenverein. Ich als digitaler Freiberufler fühle mich dort aber häufig zu wenig oder gar nicht mit meinen Interessen vertreten. Und während es in den Städten in vielen Cafés zumindest für Gäste freies WLAN gibt, bleibt hier auf dem Land häufig nur die Arbeit einsam zu Hause – oder ein Besuch im Café ohne Arbeit. Schade, denn auch andere gesellige Orte mit Zugang zu Digitalistan würden die Vernetzung fördern. Oder ich muss in die nächstgrößere Stadt fahren und dort im CoWorking-Space oder im Café arbeiten…

 

Ein absoluter Wunschtraum: Freies WLAN

Vor einer Weile war ich ein paar Tage beruflich in Mailand. In meiner Unterkunft gab es natürlich Zugang zum Internet und der Handyempfang war bestens, obwohl ich ein gutes Stück außerhalb geschlafen habe. Was mich aber am meisten beeindruckt hat: Es gibt an vielen Orten der Stadt freies WLAN. Ich hätte mich mit Blick auf den Mailänder Dom auf eine Bank setzen und tatsächlich sinnvoll arbeiten können dank einer Stunde kostenfreiem Highspeed-Internetzugang täglich. Es gibt mehr als 650 Hotspots an vielen öffentlichen Plätzen. Ja, klar, das ist Mailand und nicht mein Dörfchen hier, aber solch ein Angebot in kleineren Städten oder sogar in ländlichen Gebieten: , Ddas wäre ein Wunschtraum für viele von uns Digital Natives.

 

Mein Fazit: Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an

Vieles hat sich an der Situation für digitale Arbeiter im ländlichen Bereich in den letzten Jahren verbessert. Es bleibt dennoch ausreichend zu tun, um kleine Gemeinden auch in Zukunft für junge Menschen interessant zu machen. Einiges davon können wir nicht selbst beeinflussen, z.B. wann das Internet ausgebaut wird und wie schnell es dann sein wird. Ein paar Dinge allerdings können wir Digital Natives auf dem Land tatsächlich bewegen und wenn die Gemeinden keinen CoWorking-Space anbieten, dann treffen wir uns eben über Twitter und Facebook und initiieren selbst eine Möglichkeit der Vernetzung. Es liegt auch an uns, was getan wird und ob etwas getan wird. Packen wir es also an.

 

Über den Autor

Bianka Bensch ist Freie Journalistin und Autorin. Anfang 2017 erscheint ihr Buch „Livestreaming mit Periscope“ im mitp-Verlag. Sie hat zuvor im Bereich Social Media gearbeitet und bildet als Fernlehrerin Social...

2 Kommentare

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  • teekay

    02.01.2017
    # 01

    Mehr eine Frage als ein Kommentar: Muss man bei Vernetzung nicht auch Auto hinzufuegen, oder ist die ländliche Infrastruktur auch gut mit Bus, Bahn oder Fahrrad erreichbar? Ich finde das persönlich keine Kleinigkeit wenn ich zur Vernetzung usw. auf ein Auto angewiesen bin-sowohl ökologisch als auch ökonomisch.

    • Bianka Bensch

      13.01.2017

      Im Prinzip schon, ja. Für mich steht das aber nicht so sehr im Vordergrund meiner Wunschliste. Das Auto brauch ich eh, allein schon wegen der Kinder und zum Einkaufen, nicht so sehr wegen des digitalen Arbeitens. ÖPNV wäre ein Thema für sich, was das Leben auf dem Land betrifft – aber wie gesagt, nicht speziell zum digitalen Arbeiten gehörend, sondern eben grundsätzlich. Ebenso wie z.B. Kinderbetreuung, die hier auf dem Land auch eher dürftig ist.

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