Das Wissenschaftsjahr 2015 steht unter dem Motto „Zukunftsstadt“. Dazu tourt auch dieses Jahr das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft durch Deutschland. Mit an Bord ist neben vielen anderen Exponaten zum Thema „Stadt“ die interaktive Fotokabine des Wegweiser Kommune. Dazu haben wir immer schon mal gebloggt. 

 In diesen Tagen liegt das Binnenschiff in Hamm vor Anker. Die Stadt Hamm und das Wissenschaftsjahr hatten aus dem Anlass zum „Dialog an Deck“ eingeladen. Das Thema lag nahe „Smart City – Wie lebt es sich in der vernetzten Stadt?“ 

Als Referenten eingeladen waren Prof. Harald Mathis (Fraunhofer-Anwendungszentrum SYMILA), Michael Lobeck (Geographisches Institut der Uni Bonn) und ich. Die Wissenschaftsjournalistin Monika Seynsche hat moderiert: Zukunftsfähige Städte sind heute „smart“. Was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff? Das waren ihre Anfangsfragen.

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Durch intelligente Vernetzung sollen unsere Städte nicht nur effizienter, sondern auch lebenswerter werden. Für mich schaffen die „Labels“ SmartCity und SmartCountry in der Umsetzung überhaupt erst Räume, um Veränderungen voranzutreiben und einen kulturellen Wandel hin zu einer digitalen Gesellschaft zu gestalten. Dies ist auch notwendig, wenn die Kommunen die große Herausforderung des demographischen Wandels meistern wollen. Die neue Informations- und Kommunikationstechnologie unterstütze diesen Prozess. Grundsätzlich sind smarte Städte und Regionen vor allem aber bestimmt vom Willen zu sozialer Inklusion. Dazu bedienen sie sich vielfältiger Strategien – ein besonders wichtiger Hebel liege in der Nutzung der Digitalisierung.

Welche Technologien existieren bereits, welche Chancen ergeben sich daraus für die Zukunft?

Prof. Mathis verwies darauf, man dürfe nicht nur in Technik denken, sondern müsse die Granularität der Stadtquartiere kennen, um Szenarien und Lösungsansätze passgenau entwickeln zu können. Auch für ihn steht in den Kommunen ein Szenario-Ansatz im Vordergrund. Deren Umsetzung könnte mit Hilfe der immer vielfältiger und leistungsfähiger werdenden digitalen Möglichkeiten erfolgen.

Michael Lobeck verweist auf die kürzlich durch ihn begleitete Studie zur Digitalisierung der Städte in Deutschland. Er griff den Faden auf und erklärte, dass Veränderungen immer dann schnell greifen, wenn individuelle Interessen berührt sind und so aus einer Betroffenheit auch ein Antrieb zur Konkretisierung und Umsetzung erfolgt. Er brachte dazu ein Beispiel aus der Telemedizin, das sehr aufschlussreich ist: Diese werde seine Erfahrung derzeit gerade nicht durch die Ärzteschaft als Ganzes weiter getrieben, sondern vor allem durch die Ärztinnen, die hier eine Möglichkeit sehen, ihren Beruf trotz Familienphase ausüben zu können. 

Da ich natürlich immer durch die Brille der Demographie schaue, war mir in der Diskussion wichtig, dass z.B. ältere Menschen und Pflegebedürftige mit Hilfe der Digitalisierung in einer intelligenten Wohnumgebung, die sich den situationsspezifischen Bedürfnissen anpasst, länger selbstbestimmt in ihren eigenen Wohnformen autonom leben können. Diesen Ansatz muss man meiner Ansicht nach im Wechselspiel zwischen zwischenmenschlicher und technischer Unterstützung weiter denken, damit Pflege in Kommunen überhaupt leistbar bleiben kann.

Gut war, dass auch das Publikum mit einbezogen wurde, viele Fragen betrafen hier vor allem die Stadtentwicklung. In Kürze wird zum Dialog an Deck auch ein Video online gehen. 

 Wer sich übrigens noch auf den Weg zur MS Wissenschaft machen möchte, die gerade in der Region NRW tourt, findet den Tourenplan der MS Wissenschaft hier

Über den Autor

Senior Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Er leitet das Projekt Wegweiser Kommune und beschäftigt sich mit Themen rund um den demografischen Wandel. Seine Schwerpunkte sind Alterung,...

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