Ganz Deutschland feierte den Sieg der Deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball – Weltmeisterschaft in Brasilien. Doch jetzt kehrt wieder Alltag ein, der Jubel verhallt. Vereine sind auf Zulauf von Kindern und Jugendlichen angewiesen. Aber Deutschland wird weniger – gerade der ländliche Raum verliert immer mehr Einwohner. Wie wirkt sich das auf den Vereinssport aus?

Jeden Mittwoch stehe ich am Seitenrand des Sportplatzes unseres örtlichen Fußballvereins und schaue meinen beiden Jungs beim Training zu. Im Moment möchten sie werden wie Mats Hummels und Manuel Neuer. Und mit dem Sieg der Fußball – Weltmeisterschaft wird der Hype um den Fußball dazu führen, das mehr Kinder Fußball im Verein spielen wollen.

Vereinssport im ländlichen Raum – Wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche

Unser Dorfverein zählt 700 Mitglieder, schon jetzt spielen 300 davon in der Jugendabteilung Fußball. Das ist ein guter Schnitt. Gerade in ländlichen Regionen, wo das Freizeitangebot eingeschränkt ist, sind Sportvereine wichtige Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche. In jedem Dorf gibt es mindestens einen Fußballverein. Hier trifft man sich, hier werden Freundschaften geschlossen, hier findet ein großer Teil des Dorflebens statt.

Demographischer Wandel im ländlichen Raum – Immer weniger Kinder

Aber gerade ländliche Regionen sind auch stark vom demographischen Wandel betroffen. Immer mehr Menschen wandern in die Städte ab, weil dort die Möglichkeiten vielfältiger sind. Das heißt auch, immer weniger Kinder werden auf dem Land geboren. Im Jahr 2030 wird der Anteil der 6-9-Jährigen Kinder in meiner Kommune um mehr als 20 % zurück gehen – Tendenz steigend.

Das Aus für den Vereinssport?

Wenn also immer weniger Kinder da sind, um das Angebot der Vereine zu nutzen, wie lange können sich die Dorfvereine dann noch halten? Der Bevölkerungsrückgang wird dazu führen, dass sich gerade kleine Vereine gegenseitig die Kinder „wegnehmen“ müssen, um weiter bestehen zu können.

Bedeutet der Bevölkerungsrückgang, das Vereine im ländlichen Raum aufgelöst werden müssen?

 

Foto: Valeska Achenbach

Über den Autor

Betreut das Portal „Wegweiser-Kommune.de“ der Bertelsmann Stiftung und ist stets auf der Suche nach guten Praxisbeispielen für den Wegweiser und verfolgt die Frage: „Wie kann man Ideen zur Gestaltung des...

10 Kommentare

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  • Antonia Kittel

    05.08.2014
    # 01

    Hallo Frau Weeke,
    ihr Beitrag hat mich zu einem Blogpost über das Thema Zukunft der Sportvereine inspiriert und ich möchte noch ein paar Aspekte hinzu fügen. http://foerderbandnachhaltigkeit.wordpress.com/2014/08/05/ende-der-sportvereine/

    MfG, Antonia Kittel

  • Anke Knopp

    05.08.2014 Anke Knopp
    # 02

    Interessant, dass diese Frage doch so vielschichtig ist. Wir haben auch einen sehr aufschlussreichen Kommentar von Hans. J. Schiebener auf facebook bekommen, der hier auch sehr gute weitreichende Anregungen formuliert hat.

  • Antonia Kittel

    05.08.2014
    # 03

    Gibts einen link zu dem Kommentar? Kann ihn nicht finden…

  • Vanessa Weeke

    05.08.2014 Vanessa Weeke
    # 04

    Hallo Frau Kittel,
    vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag. Ihr Aspekt Flexibilisierung holt mich am meisten ab, darüber habe ich bisher noch nicht nachgedacht. Wir fordern immer Mobilisierung, sind uns aber über die Folgen im persönlichen Leben oft nicht klar. Den Punkt nehme ich gerne mit in die Runde. Wäre noch einen neuen Blogpost wert. Gerne können wir weiter netzwerken, wenn Sie mögen.

  • Antonia Kittel

    05.08.2014
    # 05

    Danke für den Link und ihre Antwort. Da sind tatsächlich noch einige Aspekte, über die es genauer nachzudenken gilt. Ich bin gespannt auf zukünftige Blogposts zu dem Thema und denke über einen etwas allgemeineren Blogbeitrag außerhalb des Sports nach. Vielleicht haben Kunst-/Kultur-/Musikvereine und andere bereits innovative Konzepte gefunden um mit den modernen Herausforderungen umzugehen? Ich werde dem nachgehen…

  • Wolfgang Wähnke

    08.09.2014
    # 06

    Neben dem demografischen Wandel gibt es aber eine weitere Ursache für die rückläufigen Zulauf von Kindern und Jugendlichen auf dem Land. Als ich in den Sechzigern und Siebzigern in einem kleinen Dorf im Rheinland mit weniger als 2.000 Einwohnern Fußball spielte, waren Fußball, Schützenverein und Messdiener die einzigen Angebote. Wir konnten locker mit dem 1 FC Köln oder Bayer Leverkusen mithalten, weil nur der Fußballverein eine wirkliche attraktive dörfliche Alternative bot. Inzwischen gibt es aber eine solche Flut von Alternativen, die Kinder und Jugendliche dank Internet jederzeit nutzen kann und die überhaupt keine Verbindlichkeit erfordern. Dies dürfte deren aktuellen Bedürfnissen deutlich eher entsprechen. Interessant wäre mal eine Sportstudie bei Jugendlichen.

  • juergen roemer

    27.01.2015
    # 07

    „Bedeutet der Bevölkerungsrückgang, das Vereine im ländlichen Raum aufgelöst werden müssen?“ Warum Futur? Das ist bereits jetzt überall Realität. Wieviel das mit dem demografischen Wandel zu tun hat, sei dahingestellt. Da stecken auch ganz andere Dinge dahinter wie zunehmende Individualisierung mit einhergehenden Bindungsabneigungen, Dominanz elektronischer Medien, geänderte und flexibilisierte Arbeitswelt und vieles andere mehr. Und noch ein Gesichtspunkt, bezogen auf die gesamtgesellschaftliche Herkulesaufgabe Inklusion: Viele der Spielgemeinschaften zwischen Dörfern bestehen nicht, weil es zu wenige Mitspieler gibt, sondern weil wegen des Ehrgeizes der Vereinsführungen nur noch die vermeintlich „Besten“ spielen dürfen. Würden ALLE Kinder eines Dorfes mitgenommen, also auch die körperlich oder kognitiv behinderten, die übergewichtigen, die langsamen: Dann könnten auch Teams gefüllt werden. Und wie immer gilt beim demografischen Wandel auf dem Land: Nicht jammern, machen!

  • Stefan Reichenbach

    22.10.2016
    # 08

    Hallo!

    Das Problem besteht auch in meiner Heimatstadt. Wir haben mehrere kleine Vereine, die sich beide sehr bemühen, Kinder als neue Mitglieder zu bekommen. Gleichzeitig setzen sie aber auch darauf die schon etwas älteren Mitglieder im Verein zu halten. Wir profitieren jedoch momentan sehr von unserem Neubauviertel, durch das junge Famlien in unsere Kleinstadt ziehen.

    Bei kleineren Turnieren, sei es Handball oder Fußball, nutzen die Vereine die Chance auf sich aufmerksam zu machen. Das geht natürlich am einfachsten durch Sponsoring, z.B könnte man als Siegprämie für ein Kinderturnier neue Taschen ansetzen. Der Sportshop in der nächstgrößeren Stadt hat sich da freundlicherweise bereit erklärt Trainings Sporttaschen günstig zur Verfügung zu stellen (https://www.sportshop-hainburg.de/TeamSport-+und+Freizeit+Artikel/Sporttaschen/ z.B hat viele Teamsportangebote, die Vereine nutzen sollten! Das gilt auch für die meisten anderen Shops) . Wenn man als Verein an solche Sportshops herantritt, sind die meisten auch sehr Kompromissbereit was die Verhandlungen angeht. Ich denke das müssen alle Vereine tun, egal wie groß das Dorf ist, und wie viele Kinder darin leben. Es geht ja auch um die Nachbargemeinden, von denen möglicherweise auch öfter mal Kinder kommen um bei anderen Spielen zuzuschauen.

    Wenn die potenziellen Mitglieder merken, der Verein bemüht sich um mich (seien es nun Erwachsene oder Kinder), sind sie dem Verein gegenüber viel loyaler. Ich finde das ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt!
    MfG

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