@ Valeska Achenbach

Wo liegen die demographischen Chancen für Kommunen  – und wie können wir sie nutzen?

Oft wird über die demographischen Chancen gesprochen und kommunale Akteure reagieren häufig mit Unverständnis. Aber es gibt sie und das Projekt „Engagierte Stadt“ will diese Chancen nutzen. Es wird gemeinsam von fünf Stiftungen, einem Unternehmen und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend getragen.

Lokale Engagementstrukturen stärken

Das Programm verfolgt das Ziel, lokale Engagementstrukturen zu stärken und stellt hierfür interessante Förderungsmöglichkeiten zur Verfügung, die von zivilgesellschaftlichen, gemeinnützigen Organisationen beantragt werden konnten. Aus 272 Bewerbungen wurden 55 für eine erste Konzept-Phase ausgesucht und im September stehen die endgültigen Teilnehmer fest. Bis dahin formulieren die 55 ihre Projekte aus. Eine Liste dazu findet sich hier. 

Erfahungen aus Demographie-Workshops

Aus unseren Erfahrungen mit den kommunalen Demographieworkshops wissen wir, dass finanzielle Anreize ein wichtiger Erfolgsfaktor sind, um demogaphiesensible Maßnahmen zu realisieren. Es gibt aber auch weitere Erfolgsfaktoren, die wir in unseren Evaluationen ein bis zwei Jahre nach den Workshops erfahren haben:

  • Vernetzung der Akteure
  • Strategische Vorgehensweise
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Ressourcen bereitstellen
  • Parteiübergreifender Konsens
  • Gute Datenbasis
  • Orientierung an Chancen
  • Orientierung an erfolgreichen Beispielen
  • Externe Begleitung nutzen
  • Interkommunale Kooperation nutzen

Höchste Priorität hatten hier demnach die Vernetzung der Akteure und die Bürgerbeteiligung – und genau diese Punkte spielen auch bei „Engagierte Stadt“ eine wichtige Rolle.

Natürlich gibt es weitere Erfolgsfaktoren wie der parteiübergreifende Konsens, dass eine demographiesensible Kommunalpolitik überhaupt realisiert werden soll. Hilfreich ist aber auch eine strategische Vorgehensweise. In unseren Workshops diskutierten die Akteure die kommunenspezifischen Herausforderungen aufgrund einer Datenbasis, wie sie z. B. in unserem Wegweiser zu finden sind. Anschließend werden Ziele sowie Konzepte und Maßnahmen priorisiert und in einem Maßnahmenplan fixiert, der den zuständigen politischen Gremien zur Entscheidung vorgelegt werden. Aber auch Öffentlichkeitsarbeit und dass sich auch der „Chef“ zumindest wohlwollend um das Thema kümmert, ist neben den notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen wichtig für das Gelingen.

Ländliche Kommunen berücksichtigen 

Ich bin nun sehr gespannt auf die Wirkungen von „Engagierte Stadt“ in den ausgewählten Kommunen und ob die meiner Meinung nach wichtigste demographische Chance genutzt werden kann und dies auch durch konkrete Daten belegt wird. Einen kleinen aber nicht unwesentlichen Wermutstropfen sehe ich, denn die Förderungsmöglichkeiten sind nur für Kommunen zwischen 10.000 und 100.000 Einwohner vorgesehen. Die demographischen Herausforderungen sind dabei aber im ländlichen Raum deutlich größer. Es wäre hilfreich, wenn kleinere Kommunen ein ähnliches Programm nutzen könnten.

Über den Autor

Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ für kommunale Workshops zu den Themen Demografie, Seniorenpolitik und Integration.

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