Das Bild zeigt eine leere Werkhalle mit weißen Wänden, hier sitzt einsam ein Mensch mit einem Laptop auf den Knien auf einem Hocker sitzend, mit dem Rücken zum Fotografen.
Digitalisierung angekommen

Die 10. Initiative des Collaboratory widmet sich dem Thema „Smart Country – digitale Strategien für den ländlichen Raum“. 30 Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten in der zweiten Arbeitsrunde erste Ergebnisse. Zu Gast war die Gruppe am 12.8. in den Räumen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes in Berlin. Ich arbeite in der Arbeitsgruppe „Politik und Verwaltung“ mit.

Zentral ist die Frage: „Wie kann der digitale Brückenschlag in die ländlichen Regionen, in kleinere und mittlere Städte gelingen?“ Angesichts des demographischen Wandels, der Wanderungsbewegungen in die Städte und damit der Schrumpfung gerade ländlicher Kommunen besteht Handlungsbedarf.

Franz-Reinhard Habbel, Pressesprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes und Blogger mit dem Habbel-Blog sowie Mitglied im Colab „Smartcountry“ hat mir ein Kurzstatement zur Digitalisierung in Kommunen in Deutschland gegeben:

 

#Lösungen vor Ort

In der Diskussion erklärt Habbel deutlich: Die Verantwortung in den Kommunen, Städten und Gemeinden wächst, weil sie die Schlüsselstellung innehaben, wenn es um die Lösungen für die Herausforderungen wie Demographischer Wandel, Integration, Klimawandel, Energie, Bildung, Gesundheit und Mobilität geht. Lösungen entstehen vor Ort. Er spricht sogar von einem “Jahrhundert der Kommunen”. Diese Einschätzung teile ich deutlich. Dieser Bedeutungszuwachs in Verbindung mit den Möglichkeiten von Smart Cities oder SmartCountries macht neugierig darauf, wie diese Prozesse künftig gestaltet werden können.

 

#Potenzialentdeckung
Doch um diese Verantwortung wahrzunehmen seien die Modelle der Collaboration und der Kooperation in Verwaltung und Politik noch nicht ausreichend bekannt, geschweige denn verankert. Sharing-Modelle sind noch zu wenig am Verwaltungsprozess orientiert. Der wichtigste Punkt für mich war die Einschätzung, dass es dabei nicht auf die Einheitlichkeit ankommen werde, einer Zentriertheit, sondern auf die große Chance der Differenzierung, die unterschiedliche Potenziale entfalten lasse. Diese Potenzialentdeckung der Kommunen stehe erst am Anfang. Es geht schlicht und einfach darum, diese Chancen zu entdecken und Raum zu geben, diese weiter zu entwickeln.

 

#Neustart

Ein zweiter Punkt in der Diskussion sorgte für Reibung, ist aber auch meine Position: Verwaltung und Politik stehen vor einem Neustart, wie Habbel es formuliert – vom “Vater Staat zum Bürgerstaat”. Dieser Ansatz gehe weit über die einfache Verbesserung von Verwaltungsabläufen und der (kostengünstigen) Optimierung von Prozessen hinaus. Es geht darum, Transparenz, Offenheit und Partizipation als gesamtgesellschaftliche Veränderungen auch in den Rathäusern zu etablieren. Er spricht von verändertem “Mindset”, ich spreche von “Haltung”. Ein weiter Weg, der nicht ohne Widerstand und Beharrungskräfte von vielen Beteiligten zu beschreiten ist. Hierarchien werden gesprengt, Führung in Frage gestellt werden, Arbeitsformen werden neu etabliert (alles auch in der Politik), das Netzwerken wird zentral – und das Teilen. Die Reibung stellte sich ein bei all denen, die bereits lange für diesen Wandel eintreten, aber auch die Baustellen dazu real kennen.

Habbel beschreibt dies “Bürgerwissen, Bürgerdienstleistungen und Bürgerkapital auf der einen Seite ergänzen sich mit neuen Berufsfeldern von morgen wie Potenzialentdecker, Wandelgestalter und Beziehungsmanager auf der anderen Seite”. So formuliert er es auch im Gastbeitrag in Willi Kaczorowskis Buch „Die smarte Stadt“. 

 

#Algorithmen ?

Im Verlauf der Diskussion kam das Thema auch auf die Einführung von Algorithmen, die künftig auch in den Stadtverwaltungen eingesetzt werden könnten. Sie werden einfache Abläufe ersetzen, Stellen werden wegfallen. Ein Aufschrei, wenn dabei über Stellen nachgedacht wird. Andererseits wird diskutiert, dass die Verwaltungen schon ganz bald ein handfestes Problem bewältigen müssen, wie viele andere auch: Nachwuchskräfte finden. Verwaltungsarbeit wird sich ändern, schon allein, weil die “alte Garde” verrentet wird. Mich bringt das zu der Frage, ob und wie eigentlich in den Städten über dieses Thema nachgedacht wird: Nachwuchskräfte, Pensionszahlungen – und natürlich auch über den Einsatz von Algorithmen – allerdings nicht in der Siloversion, sondern in der Betrachtung das ein Fakt mit dem anderen zusammenhängt.

In der weiteren Diskussion über den Brückenschlag der digitalen Ansätze auch in den ländlichen Raum oder in kleine und mittlere Städte setzt Habbel, setzt die Arbeitsgruppe “Politik und Verwaltung” auf Vernetzung der Akteure. An dem Punkt arbeiten wir weiter. Spannend ist das vor dem Hintergrund, dass bestehende Systeme bereits stark in Änderung befindlich sind und Veränderungsprozesse gestaltet werden können. Wie, das ist eine gute Frage.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden Ansätze dazu zeigen.

Foto: Anke Knopp

Dieser Blogpost findet sich auch in meinem Blog Blickpunkt.

Über den Autor

Bis Oktober 2016 war sie Projektmanagerin im Programm „LebensWerte Kommune“ in der Bertelsmann Stiftung und schrieb im Blog rund um die Themen zu Digitalisierung, Industrie 4.0, Kommunalpolitik im weitesten Sinne,...

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