25 Jahre Pflegeversicherung – ein wachsendes kommunales Querschnittsthema

Heute vor 25 Jahren wurde die Pflegeversicherung im Bundestag verabschiedet und Pflege ist mehr denn je auch ein kommunales Thema, da die Versorgung hier gewährleistet sein muss. Pflegebedürftigkeit war seinerzeit mit einem sehr hohen Verarmungsrisiko verbunden. Inzwischen geht es dabei nicht mehr nur um Armut, sondern um ambulante und stationäre Pflegemöglichkeiten in den Kommunen, die sich aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels immer schwieriger gestalten. Der Pflegenotstand wird damit in vielen Kommunen immer wahrscheinlicher

 

Immer noch Kommunen ohne Pflegestrategie

Immer noch sind in vielen Kommunen keine oder zu wenig Vorkehrungen getroffen worden, um im Pflegefall z. B. mit niedrigschwelligen Hilfen für die Betroffenen zu realisieren. Dabei bieten sich gerade in den Kommunen sehr viele Möglichkeiten. Dies können Nachbarschaftsprojekte, ehrenamtliche Tätigkeiten, Wohnprojekte oder im Vorfeld von Pflege kommunale Gesundheitsförderungsprojekte sein. Die unterschiedlichen Projektmöglichkeiten deuten die kommunalen Vernetzungsnotwendigkeiten an, denn es handelt sich hier um ein klassisches Querschnittsthema.

 

Eine gute Strategie beginnt mit einer Analyse und Vernetzung

Am Start einer kommunalen Pflegestrategie sollte immer eine Analyse erfolgen. Informationen finden sich in unserem Wegweiser. Hier können auf Landkreisebene oder für kreisfreie Städte eine Vielzahl von Pflegedaten bis zu Pflegeprognosen auf Knopfdruck ermittelt werden. Darüber hinaus bietet der Wegweiser z. B. Altersstrukturprognosen, um den künftigen Fachkräftemangel oder den Anteil von Einpersonenhaushalten mit einem möglicherweise geringen Pflegepotenzial einschätzen zu können. Diese Daten sind mit Stadtteil- oder Quartiersdaten zu ergänzen, da die Angebote und der Bedarf meist sehr unterschiedlich ausfällt.

Ein weiterer früher Schritt ist die kommunale Vernetzung mit so genannten kommunalen Stakeholdern. Dies kann durch einen Vernetzungsworkshop entstehen, zu dem Akteure aus den Bereichen Pflege, Wohnen, Engagement, Gesundheit, Hospiz – und Palliativversorgung oder Mobilität eingeladen werden.

Dieser Workshop dient der ersten Vernetzung und einer möglichst datengestützten Sensibilisierung der Akteure. Außerdem können hier weitere Vernetzungspartner – zum Beispiel, um ausländische Fachkräfte anzuwerben – diskutiert werden. Hier ist darauf zu achten, dass Akteure nicht nur fachlich kompetent sind, sondern auch verlässlich mitarbeiten können und einen kommunalen Einfluss auf die Verbesserung der Situation für Pflegende und Pflegebedürftige haben.

 

Ein Blick in die Zukunft

  • Die kommunale Pflegeproblematik wird sich verschärfen
  • Pflege und Pflegeversicherung werden teurer und die Gesellschaft wird sich darauf einstellen
  • Immer mehr Menschen sind kinderlos und bilden soziale Netzwerke, die ihnen niedrigschwellige Hilfe bieten. Generationengerechtes Wohnen  kann hier eine Lösung sein
  • Ehrenamtliches und nachbarschaftliches Engagement wird familiäre und professionelle Pflege zunehmend unterstützen
  • Der Bedarf an zusätzlichen Pflegekräften wird stärker durch ausländische Pflegekräfte gedeckt
  • Unternehmen erkennen im steigenden Wettbewerb um Fachkräfte die Vorteile einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Zukunftsorientierte Akteure in Kommunen erkennen die enorme Bedeutung dieses Themas und setzten es auch auf die kommunalpolitische Agenda


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