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Bertelsmann Stiftung

Von weniger, älter, bunter zu klüger, länger, inklusiver

Das Bild zeigt eine Schulklasse und einen Stuhlkreis mit Schülern. Ein Mädchen mit Rastalocken hebt die Hand und meldet sich zu Wort.
Bildung und Demografischer Wandel

Demografischer Wandel und Bildung – Zusammenhänge 

Die aus dem demografischen Wandel resulierenden Anforderungen für den Bereich der (vor)schulischen bis zur beruflichen Bildung sind vielschichtig. Ich habe das in einem Beitrag zusammen mit dem Stiftungskollegen Ulrich Kober in den Blick genommen:
Der demografische Wandel wird die Zusammensetzung der Bevölkerung massiv verändern und damit das Zusammenleben in den Kommunen. Unabhängig davon, ob die Gemeinde oder Region wächst oder schrumpft – die Bevölkerungsanteile nach Altersgruppen werden sich verändern. Mit den Daten des Wegweisers Kommune zur Bevölkerungsentwicklung bis 2030 lassen sich Entwicklungstrends für verschiedene Altersgruppen
mit Blick auf Bildungsinstitutionen für die Ebene der Kommunen (ab 5.000 Einwohner), Landkreise und Bundesländer analysieren. Viele Kommunen sind für die Folgen der demografischen Entwicklungen sensibilisiert.
Gerade im Bereich der Bildung, in dem sich die Städte, Kreise und Gemeinden in den letzten Jahren verstärkt engagieren, sind neue Ideen und Strategien für den Umgang mit dem demografischen Wandel gefragt.

Mögliche Ansätze dazu sind:

Das Bild zeigt eine Grafik zur Altersstruktur
Bevölkerungsentwicklung nach Altersgruppen

 

Klüger machen

Individuelle Förderung muss zum Grundprinzip der Bildung werden. Das ist nicht nur demografische Notwendigkeit, sondern auch ein Gebot der Chancengerechtigkeit.Das impliziert den weiteren Ausbau
qualitativ hochwertiger Bildungsangebote im frühkindlichen Bereich. Es gilt, im Schulbereich eine individuell fördernde Lernkultur zu verankern und die Ganztagsschulen als den geeigneten Rahmen für individuelle Förderung auszubauen. Die Anzahl von „Risikoschülern“ ist zu hoch, die etwa nur über basale Lese- und rudimentäre Mathematikkompetenzen verfügen. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ist deutlich zu verringern. Die Jugendlichen müssen bei ihrer beruflichen Orientierung frühzeitig unterstützt und beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung individuell begleitet werden. Eine individuelle Begleitung während der Ausbildung kann Ausbildungssabbrüche verhindern.

Länger lernen

Betriebe stehen vor der Herausforderung einer immer älter werdenden Arbeitnehmerschaft, letztere müssen sich auf längeres Arbeiten einstellen. Das impliziert den Ausbau betrieblicher Weiterbildung und die Entwicklung altersspezifischer Fortbildungen, Arbeitsplätze und Arbeitszeitmodelle. Informelles Lernen ist in die Arbeitszeit zu integrieren und neue Konzepte für lebenslanges Lernen sollten entwickelt werden.

Inklusiver werden

Die Vielfalt in den Klassenzimmern nimmt zu, weil in schrumpfenden Regionen nur eine Bildungsinfrastruktur für heterogen zusammengesetzte Gruppen gesichert werden kann. Die Heterogenität der Schülerschaften wird verstärkt durch die Zuwanderung, auf die Deutschland angewiesen ist. Vor allem Bildungsinstitutionen müssen „inklusiver“ und „responsiver“ für Familien und Kinder werden, deren Muttersprache nicht Deutsch ist – durch die Förderung von Deutsch als Zweitsprache sowie der Mehrsprachigkeit. Dieser Bildungsdreiklang „klüger machen“, „länger lernen“, „inklusiver werden“ braucht Ressourcen. Kinder in einer alternden Gesellschaft brauchen eine starke Lobby. Ressourcen müssen erhalten bleiben. Das gilt besonders für die „demografische Rendite“: durch den Rückgang der jüngeren Bevölkerung könnten Mittel „frei“ werden, die am besten in Bildungsinstitutionen für Kinder und Jugendliche verbleiben, um die individuelle Förderung zu verstärken. Insgesamt wird es für die Kommunen keinen „one-fits-all“-Ansatz geben. Bildungsverantwortliche
sollten Trends wie die Reurbanisierung berücksichtigen und die spezifische Situation vor Ort genau analysieren.

Schrumpfende Kommunen

Die Sicherung wohnortnaher Bildungsangebote ist zentral. Die Tagespflege etwa wird an Bedeutung zunehmen, wenn Kindergärten schließen. Schulen sind vor Ort zu halten, wenn sie integrativer und inklusiver gestaltet werden und alle Bildungsabschlüsse ermöglichen können. Dazu wird die bisher dominierende äußere Differenzierung in verschiedene Schulformen verstärkt durch innere Differenzierung in integrativeren Schulformen abgelöst werden müssen. Kommunen können flexible Regelungen mit dem Land treffen, um Schullandschaften trotz geringer Schülerzahl zu erhalten.

Wachsende Kommunen

Eine Herausforderung ist der Ausbau der frühkindlichen Bildungsangebote sowie deren Qualitätsverbesserung. Mehr Plätze in Tagespflege und Kitas werden benötigt. Zuwanderung konzentriert sich meist auf wachsende Metropolen. Deshalb gilt es, die Schulen beim Umgang mit der wachsenden Vielfalt durch den Ausbau der individuellen Förderung und der Ganztagsschulen stärker zu unterstützen. Bildungseinrichtungen sollten besser miteinander vernetzt werden, um die Übergänge in der Bildungsbiographie zu begleiten. Wie die Kommune mit dieser großen Herausforderung und Heterogenität in den Entwicklungen umgehen, wird von Fall zu Fall sehr von den Rahmenbedingungen abhängen. Spezifisches Datenmaterial ist vorhanden, jetzt kommt es auf die Umsetzung der Erkenntnisse an.

Über den Autor

Senior Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Sie hat Germanistik, Soziologie und Berufs- und Wirtschaftspädagogik studiert. Petra Klug beschäftigt sich mit den Themen rund um den demographischen...

1 Kommentar

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  • Johannes B.

    13.03.2017
    # 01

    Hallo,

    heute kommt man gar nicht mehr umhin, sich ständig auf dem neuesten Stand zu halten. Das Wissen, das man einmal in der Ausbildung gelernt hat, änder sich so rasend schnell. Deswegen ist es wichtig, ständig Angebote für Weiterbildung durch den Arbeitgeber in Anspruch zu nehmen oder selbst nach geeigneten Fortbildungen Ausschau zu halten. Bei mir war es nach der Ausbildung so, dass ich aufgrund meiner guten Noten von meinem Arbeitgeber die Möglichkeit bekommen habe, den Meisterbrief in Elektrotechnik bei der Meisterschule http://www.fain.de/ zu machen. Ein Teil der Kosten wurden mir damals auch bezahlt. Hab dann noch ein paar Jahre in der Unternehmen als Chef eines vierköpfigen Teams gearbeitet und mich dann selbständig gemacht.

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