Das Bild zeigt ein Werbebanner mit der Aufschrift "Alles für die Schule" in den Farben rot und gelb vor einem blauen Himmel mit ein paar weißen Wölkchen.

Dieser Tage wird es ernst für hunderttausende Kinder: Sie werden eingeschult und erleben ihre ersten Schultage als I-Dötze. Doch neben den ersten aufregenden Schulerfahrungen für Kinder und Eltern werden auch viele Kommunen merken, dass sich ihre Schullandschaft gerade deutlich verändert: Die Zahl der Einschulungen ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit der Jahrtausendwende aufgrund des demographischen Wandels um 15 Prozent gesunken. Wie können sich Kommunen auf diesen Trend einstellen? Was passiert eigentlich hinter den Kulissen, während sich die I-Männchen mit ihren Schultüten auf dem Schulhof sammeln?

Die Kommunen sind vom demographischen Wandel sehr unterschiedlich betroffen: Kommunen wachsen, Kommunen schrumpfen. In beiden Fällen entsteht akuter Handlungsbedarf, was die künftige Gestaltung der kommunalen Schullandschaft angeht. Auch die Kommunen, die weder wachsen noch schrumpfen, müssen sich Fragen stellen. Es geht um nicht weniger als etwa die Frage, wie ausdifferenziert das Schulsystem überhaupt noch sein kann, wie sich die Bildungslandschaft künftig entwickeln wird, wann und ob Schulen geschlossen werden, wie Schule sich verändert. Der Trend hin zur „Lieblingsschule“ Gymnasium ist ungebrochen. Der Trend dahin, dass Eltern ihren Kindern die Möglichkeit so lange wie möglich offen halten wollen, möglichst alle Abschlüsse zu machen, setzt sich fort. Für Grundschulen wünschen sich Eltern vor allem kurze Wege für kurze Beine.  Das alles stellt die kommunalen Akteure vor großen Handlungsbedarf und ist zugleich eine große Verantwortung für die Entscheider.

Differenzierte Datenlage 

Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft. Ein Satz, den man schon so oft gehört hat, der sich aber mit jeder Generation deutlicher bewahrheitet. Dabei geht es in der kommunalen Bildungspolitik schon längst nicht mehr um das alleinige Entscheiden über Schulgebäude. Bildungspolitik ist mehr und viel komplexer, auch das eine Binsenweisheit. Hilfreich für eine bildungspolitische Steuerung ist eine differenzierte Datenlage – wie sieht die Situation konkret in meiner Stadt aus? Gut, wenn diese Datenlage vorliegt, und zwar rechtzeitig. Meine Erfahrung ist, dass Politiker im Bildungsausschuss zunächst danach fragen müssen, in wenigen Fällen liegen die Daten ungefragt vor. Spannend sind etwa die Anmeldezahlen, welche Schule muss ablehnen, welche Schule braucht besondere Unterstützung? Wo sind besonders große Klassen? Daten alleine sind schon gut zu wissen, aber ohne Kontext sagen sie wenig aus. Und spätestens wenn Eltern zu Eltern mit schulpflichtigen Kindern werden, interessieren sie sich auch dafür. Viele Kommunen erleben gerade heftige Diskussionen, wenn eine Schule geschlossen werden muss – oft kommt das „ganz plötzlich“. Die Bevölkerung und vor allem die Eltern stellen dann Fragen, auf die sie eine konkrete Antwort fordern. Politik ist in der Pflicht, Erklärungen zu liefern.

Bildungsberichte

Beeindruckend ist es, wenn Kommunen einen Bildungsbericht erstellen. Hier finden sich gebündelte Grundlagen in eben dem notwendigen Kontext: welche kommunalen Rahmenbedingungen gibt es, also Bevölkerungsanzahl, Situation der Kommune, wirtschaftliche Infrastruktur, Risikolebenslagen, Migrationszahlen etc.  Weitere Daten zu Angeboten zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung, Übergänge, Schulabschlüsse, Transparenz, Qualität, Abschlüsse etc. sind notwendig. Es gibt unzählige Kriterien, die zu einer kommunale Bestandsaufnahme gehören und eine sinnvolle Steuerung ermöglichen. Und die helfen, frühzeitig Weichen zu stellen und Entwicklungen abzusehen.

Wünschenswert ist, dass sich Bildungspolitiker (transparente) Ziele setzen, wie ihre kommunale Bildungslandschaft künftig gestaltet werden kann. Für mich ist diese Überlegung übrigens immer mit einem großen Maß an Bürgerbeteiligung und offenen Abfragen in den Elternkreisen verbunden.  Dazu braucht man Informationen auf beiden Seiten: Politik und Eltern. Besonders anregend ist daher etwa der Bildungsbericht aus Freiburg, der zum dritten Mal eine Bestandsaufnahme vorlegt und hier sehr weitreichende Inhalte produziert hat. Es lohnt sich, hier einen Blick reinzuwerfen. Habe ich übrigens auch gemacht. Und es deckt sich mit meiner Erfahrung, dass viele junge Eltern sehr viel genauer hinschauen, was sich da in ihrer Stadt in Sachen Bildung so tut. Über kurz oder lang werden sie sich zu Wort melden. Bildung kann also viele Facetten haben, nicht nur die, dass Kinder individuell gefördert werden – sondern es kann auch darüber entscheiden, ob Familien in einer Kommune leben wollen. Eine gute Datengrundlage und eine weitsichtige, responsive Steuerung sind daher notwendig. Die 15 Prozent Schrumpfung dürften Ansporn genug sein.

Auch im Wegweiser Kommune haben wir zudem zahlreiche Studien und Handlungsempfehlungen zusammengetragen, die neben den kommunalen Daten zur Bildungspolitik abrufbar sind. Für alle Interessierten.

Foto: Anke Knopp

 

 

 

 

 

Über den Autor

Bis Oktober 2016 war sie Projektmanagerin im Programm „LebensWerte Kommune“ in der Bertelsmann Stiftung und schrieb im Blog rund um die Themen zu Digitalisierung, Industrie 4.0, Kommunalpolitik im weitesten Sinne,...

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