Klappe eines Laptops mit vielen Stickern, zum Beispiel Wikipedia und Firefox.
Foto: Génesis Gabriella/pixabay.com, CC0 Public Domain

Zumeist werden Daten für einen ganz bestimmten Zweck benötigt und auch erstmal nur zu diesem Zweck erhoben und verarbeitet. Daher ist für diejenigen, die die Daten ursprünglich erhoben haben, oft gar nicht abzusehen, was noch mit den Daten gemacht werden kann und welche Informationen zusätzlich in den Daten stecken. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie mit anderen Datensätzen kombiniert werden. Werden solche Datensätze der Allgemeinheit als Open Data bereitgestellt, stehen sie Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Motivationen zur Verfügung. Die Daten können aus neuen Perspektiven gesehen, mit anderen Methoden analysiert und in ganz neue Kontexte gesetzt werden. Es zeigt sich daher oft erst im Nachgang, was eigentlich alles in den Datensätzen steckt und wie vielfältig deren Nutzungsmöglichkeiten sind.

Hackathons als Innovationsquelle

Als Innovationsquellen und Vorreiter bei der Erschließung neuer Nutzungsmöglichkeiten von Daten haben sich Hackathons oder Hackdays etabliert (siehe z.B. der von uns unterstützte Hackday Moers). Bei diesen Veranstaltungen, bei denen Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen und mit unterschiedlichen Fähigkeiten gemeinsam an  Hard- und Softwareprojekten arbeiten, stoßen die offenen Daten auf  innovative und kluge Köpfe. Dabei entstehen häufig außerordentlich hilfreiche Anwendungen und Alltagshelfer. Anschauliche Beispiele für die Nutzung offener Verwaltungsdaten finden sich etwa in der Arbeit der gemeinnützigen Organisation Open Knowledge International. In Deutschland startete der Open Knowledge Foundation Deutschland e.V., als deutscher Zweig der Organisation, 2014 Code for Germany. Das Projekt soll dazu anregen, öffentliche Daten auf einfache und übersichtliche Weise Dritten zugänglich zu machen, wofür sich in „Open Knowledge Labs“ , kurz „OK Labs“, Programmierer, Designer, Journalisten und interessierte Laien zusammentun, um ehrenamtlich aus offenen Daten praktische Anwendungen zu entwickeln.

Häufig lassen sich die großen öffentlichen Datensätze bereits in eine benutzerfreundliche und im Alltag praktikable Form bringen, indem sie visualisiert werden. Viele kommunale Daten werden durch die Übertragung auf einen digitalen Stadtplan plötzlich nachvollziehbar und erfahrbar.

OK Labs produzieren nützliche Anwendungen

Online eine Karte zu haben, die uns zeigt wo Recyclinghöfe oder Parkplätze zu finden sind, kennen wir bereits. Aber die Karten der OK Labs können wesentlich mehr: Eine App des OK Lab Berlin zeigt beispielsweise alle aktuell geplanten Bauvorhaben in Berlin auf einer Karte an und teilt zudem mit, ob eine Bürgerbeteiligung vorgesehen ist. Falls Sie in Hamburg leben, oder es Sie beruflich oder privat dorthin zieht, können Sie per App schnell wichtige Merkmale der einzelnen Wohngegenden herausfinden. Beispielsweise lässt sich dank der Arbeit des OK Labs in Hamburg schnell und einfach anzeigen, wie Kitas und Kinderspielplätze in den einzelnen Stadtteilen verteilt sind. Auf den schön visualisierten Karten lässt sich auch ausmachen, wie alt die Gebäude in den einzelnen Straßenzügen Hamburgs eigentlich sind und wo in der City Bäume stehen. Für andere Städte, so etwa Bonn und Heilbronn, ermöglichen Anwendungen aus den OK Labs bereits ein Tracking des ÖPNV in Echtzeit. Analog zu den Apps der Deutschen Bahn können Sie so auf interaktiven Karten live mitverfolgen, wo sich der gewünschte Bus oder die Straßenbahn gerade befinden.

Komplexe Daten können durch Apps oder Karten grafisch ansprechend und übersichtlich aufbereitet und so verständlich gemacht werden. So finden sich Apps mit interaktiven Visualisierungen von kommunalen Haushalten ebenso wie Karten zum Länderfinanzausgleich, übersichtliche Darstellungen der  Trinkwasser- oder Luftqualität bis auf die Ebene einzelner Straßenzüge oder Karten, die die Häufigkeit von Diebstählen in einzelnen Stadtteilen visualisieren. Die Liste der mit der Offenlegung von Daten verbundenen Möglichkeiten und bereits umgesetzten Apps ließe sich noch ewig fortsetzen. Egal, ob Sie sich für die Angebote auf Weihnachtsmärkten, die schönsten Fahrradrouten, Wege zum Joggen in ihrer näheren Umgebung oder aktuelle Entscheidungen im Stadtrat interessieren: für fast alles gibt es dank immer mehr offener Daten inzwischen eine praktische Anwendung. Und natürlich gibt es auch eine, um zu sehen, wo offene Daten zur Verfügung gestellt werden, aus denen sich wieder viele neue gute Ideen und Projekte entwickeln lassen.

Über den Autor

Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Jan Knipperts studierte Politikwissenschaften mit den Nebenfächern Soziologie und Rechtswissenschaften an der Universität Osnabrück. Nach seinem Studium war er mehrere Jahre...

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