Gedanken zur Willkommenskultur

Inzwischen kann es niemand mehr ignorieren: Der Herbst ist da. Die Blätter der Bäume haben sich bereits bunt verfärbt und sind vielfach schon gefallen, es ist draußen deutlich kühler und ungemütlicher geworden, letzte Woche wurde die Zeit umgestellt und schon seit September gucken wir beim Einkaufen in Kürbisfratzen und Geistergesichter. Die Halloweendekoration hat schon vor Wochen die Supermarktregale erobert und gehört wie selbstverständlich ins jahreszeitlich geprägte Sortiment. In meiner Kindheit war das noch anders. Da war Halloween noch deutlich unbekannter und hatte keinerlei Bedeutung für mich, während es wohl heute kaum ein deutsches Kind gibt, das Halloween nicht kennt.

 

Menschen, Güter und Ideen sind in ständiger Bewegung

Dieses Fest ist in den 1990ern aus den USA zu uns gekommen, doch eigentlich stammt es aus Irland und wurde von irischen Einwanderern auch in der Neuen Welt bekannt gemacht. Auf dem Weg zurück nach Europa hat es sich deutlich verändert und wird heute als amerikanisch wahrgenommen.

Ähnlich wie mit Halloween ist es mit vielen anderen Ideen: Sie verlassen ihren Ursprungsort, zirkulieren rund um den Erdball und kommen in veränderter Form zurück. Im Zeitalter der Globalisierung sind Menschen, Güter und Ideen in ständiger Bewegung. Nichts bleibt, wie es ist. Gebräuche, Moden und Trends ändern sich ständig, Altes wird verwandelt und Neues entsteht. Und nicht immer sind es Einwanderer, die kulturelle Elemente in eine andere Gesellschaft bringen. Im Falle von Halloween waren es findige Unternehmer, die dafür sorgten, dass auch bei uns Gruselmasken und Plastikspinnen reißenden Absatz finden.

Doch ganz egal, ob man Halloween nun mag oder nicht und wie es nach Deutschland gekommen ist: Unser Alltag ist geprägt von Menschen aus der ganzen Welt, doch vielen ist Fremdes zunächst einmal suspekt, obwohl die Beeinflussung durch fremde Kulturen seit jeher zur menschlichen Geschichte gehört.

 

Deutschland wird internationaler

In Deutschland wird es zukünftig immer häufiger vorkommen, dass die Alteingesessenen mit Menschen mit Migrationshintergrund und ihren mitgebrachten kulturellen Bräuchen in Kontakt kommen. Dies liegt unter anderem am demographischen Wandel. Wir Bewohner Deutschlands werden nämlich nicht nur weniger und älter, sondern auch bunter. Bunter bedeutet in diesem Fall: internationaler. Und vermutlich werden wir bald froh darüber sein.

Noch wird in Medien und Fachkreisen heiß darüber diskutiert, inwiefern in Deutschland in einigen Branchen bereits ein Fachkräftemangel herrscht. Wenn allerdings die Baby Boomer in Rente gehen, werden viele Arbeitsplätze frei, denen aufgrund der seit Jahrzehnten niedrigen Geburtenrate nicht genügend Berufsanfänger gegenüberstehen, und spätestens dann wird der Fachkräftemangel Realität sein. Und schon heute profitiert Deutschland von Einwanderung, obwohl nicht nur Halloweengeister, sondern auch das Schreckgespenst der Armutszuwanderung momentan fleißig durch Köpfe und Medien spuken. Dabei sind die nach Deutschland Einwandernden oftmals besser qualifiziert als Einheimische. (siehe Blogbeitrag „Migranten sind höher gebildet als Einheimische“)

 

Etablierung einer Willkommenskultur

Damit das Miteinander der verschiedenen Kulturen gut funktioniert und Zugereiste sich schneller in Deutschland einleben können, wird vielerorts bereits an einer sogenannten Willkommenskultur gearbeitet, um Deutschland für ausländische Fachkräfte attraktiver zu machen – oftmals inspiriert durch internationale Beispiele. Hier im Wegweiser Kommune haben wir bereits einige gute Projekte gesammelt. Kennen Sie ebenfalls solche Projekte? Lassen Sie es uns wissen!

 

Mich beschäftigt bis dahin erst einmal eine etwas banalere Frage: Ob wohl heute in der Kantine Kürbissuppe aufgetischt wird?

Über den Autor

Praktikantin im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung Sie hat eine Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen und an der Universität Bielefeld einen Master of Arts in Soziologie erworben. Im Studium hat...

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