Viele Hände stützen sich auf einen Tisch. Auf dem Tisch liegt Papier und zahlreiche Post-its und Stifte

Es riecht noch nach Holz und Farbe. An den Fenstern klebt der Staub der Bauarbeiten. Vor drei Wochen haben einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freiburger Stadtverwaltung ein neues Gebäude bezogen. Es ist ein großer Rundbau mit Solarpaneelen an der Fassade. Innen gibt es verglaste Büroräume und viel freie Flächen mit zahlreichen Sitzgelegenheiten, in knalligem orange gehalten. Das Gebäude versprüht den Eindruck, dass hier eine Verwaltung wirklich neue Wege gehen möchte.

Blick ins neue Freiburger Rauthaus. Viele Sitzgelegenheiten, in orange gehalten
Im neuen Freiburger Rathaus

Neues ausprobieren wollte man in Freiburg bereits im Jahre 2014, als das Thema Open Data auch in Deutschland an Fahrt aufnahm. Die Freiburger preschten jedoch nicht direkt mit einem eigenen Open-Data-Portal und der Veröffentlichung von Datensätzen hervor. Unser Gesprächspartner im modernen Freiburger „Amt“, Ivan Aćimović, erzählt uns vom Freiburger Plan, Open Data als das Endprodukt eines modernen Datenmanagements zu sehen. Es sollten erstmal die Voraussetzungen in der Verwaltung geschaffen werden, so dass das eigentliche Veröffentlichen der Datensätze in der Folge zeit- und ressourcensparend erfolgen kann. Außerdem war der Zeitpunkt günstig, denn das Datenmanagement der Verwaltung sollte zu jener Zeit neu gestaltet werden.

Open Data wurde in Freiburg von Beginn an als eine Querschnittsaufgabe der Verwaltung gesehen. Vertreter vieler unterschiedlicher Fachbereiche haben in Arbeitsgruppen interdisziplinär zusammengearbeitet, um dem Ziel einer transparenteren Verwaltung näher zu kommen. Aus Sicht von Ivan Aćimović geht der Wert von Open Data daher auch weit über den rein sichtbaren Aspekt, die veröffentlichten Datensätze, hinaus. Open Data sorgt für einen Kulturwandel in der Verwaltung. Plötzlich wird vielen klar: Daten müssen vor den Bürgerinnen und Bürgern nicht wie ein Schatz gehütet werden und die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen schafft einen Mehrwert.

„Man muss einen schlauen Ansatz wählen und schauen, dass man die Leute nicht ärgert und provoziert“ (Ivan Aćimović)

 

Das Freiburger Open-Data-Portal hat einen beachtlichen Umfang, mit vielen Hundert Datensätzen. Hinter den Kulissen des Portals wird daran gearbeitet, dieses Potenzial auch durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu nutzen. Im gesamten Open-Government- und Open-Data-Prozess wurde darauf geachtet, dass sie ausreichend geschult werden. Ich entdecke auf einem großen Präsentationsbildschirm sogar ein Modul: „Datenauswertung und Storytelling“. Die einzelnen Fachbereiche werden darin geschult, auf Basis ihrer eigenen Daten spannende Inhalte zu veröffentlichen. Klar ist laut Ivan Aćimović aber auch: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung und natürlich auch die lokale Politik dürfen nicht überfordert werden: „Man muss einen schlauen Ansatz wählen und schauen, dass man die Leute nicht ärgert und provoziert“. Dann sei Vieles möglich, so Aćimović.
Foto mit Mario Wiedemann, Ivan Acimovic und Louis Fuhrmann (von links nach rechts)
Foto mit Mario Wiedemann, Ivan Aćimović und Louis Fuhrmann (von links nach rechts)

Open Data hat stets eine Doppelwirkung: nach innen und nach außen. Die internen Veränderungen in der Verwaltung sind in Freiburg bereits erkennbar. Nach außen sichtbarstes Zeichen der Open-Data-Aktivitäten sind die Freiburger Hackathons. Die erste Ausgabe 2015 stand noch ganz im Zeichen des neuen Open-Data-Portals. Letztes Jahr stand der Hackathon unter dem Motto „Newcomer: Digitale Lösungen für Neuankömmlinge“. Dieses Jahr drehte sich in der dritten Ausgabe alles um Energieffizienz (Rund 12.000 Menschen aus Freiburg und der Region waren 2016 in der Umwelt- und Solarwirtschaft beschäftigt).

Freiburger Hackathons als Plattform für Vernetzung

Nach unserem Treffen mit Ivan Aćimović treffe ich noch zwei pakistanische Informatik-Studenten, die gemeinsam mit Kommilitonen bei den vergangenen beiden Hackathons Preise gewonnen haben. Das Team von Steepminds befasst sich mit maschinellem Lernen. Ihre Gewinner-Anwendung Homie soll die Standby-Funktionen von Elektro-Geräten smarter machen. Die Abschaltung soll sich nach dem individuellen Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer richten und z.B. Geräte endgültig abschalten wenn auf Basis von vorherigem Nutzungsverhalten davon auszugehen ist, dass das Gerät zu einer bestimmten Zeit nicht mehr gebraucht wird. Die Studenten wollen mit Homie und weiteren Produktideen ein Startup gründen. Die Stadt Freiburg steht mit Steepminds und weiteren früheren Teilnehmerteams der Hackathons in Kontakt, um ihnen mit Rat und Netzwerken zur Seite zu stehen. Das Ziel der Hackathons ist somit nicht eine Reihe fertiger Anwendungen, sondern die Vernetzung relevanter Akteure. Die Hackathons bieten dafür eine gute Plattform.

Die Stationen meiner #OpenDataReise sind zahlreich und es ist unmöglich, sich alle Informationen einzuprägen. In Bonn sind mir die zahlreichen Open-Data-Aktivitäten der Stadt und der Zivilgesellschaft in Erinnerung geblieben. Darum habe ich die Reise unter „Bonn ist das Stadtlabor für Open Data“ verbucht. In Ulm sticht das „Verschwörhaus“ heraus. Daher habe ich die Reise unter „Jede Stadt braucht ein Verschwörhaus wie in Ulm“ zusammengefasst. Und Freiburg? Hier hat mich die Systematik, mit der die Freiburger das Thema Open Data angegangen sind, beeindruckt. Eine Stabsstelle wurde in der Verwaltung geschaffen und das gesamte Datenmanagement wurde mit dem Fernziel „Open Data“ neu justiert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung werden mitgenommen, indem sie geschult werden und sich gegenseitig vernetzen. Ein Blick nach Freiburg wird sich für Open-Data-Interessierte sicher auch in Zukunft lohnen.

Dieser Beitrag ist der 3. Teil einer #OpenDataReise die mich in fünf Städte führen wird, die seit einiger Zeit Erfahrungen mit Open Data sammeln konnten. Die vierte Station Jena werde ich nach meiner Elternzeit ab Mitte Oktober ansteuern. Als letzte Station folgt noch Lüneburg.

 

Lesen Sie auch:
Foto: Ulrich Wechselberger/pixabay.com, CC0

Über den Autor

Project Manager im Programm LebensWerte Kommune der Bertelsmann Stiftung. Nach einem Studium der Politischen Wissenschaft, Neueren Geschichte und Medienwissenschaft, hat Mario Wiedemann über mehrere Jahre hinweg freiberuflich als Berater für...

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Bitte füllen Sie alle Felder aus: