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Datenschätze in den Verwaltungen

Aktenschränke in einem Keller
Pexels via pixabay.com, CC0

Die tägliche Arbeit in den Verwaltungen erzeugt enorme Datenmengen. Sie reichen von Einwohnerzahlen über die aktuelle Anzahl an Grippefällen bis hin zu den Wasserwerten der kleinsten Bäche im Gemeindegebiet. Dadurch, dass diese Daten heutzutage digital vorliegen, wird es deutlich vereinfacht (und oftmals überhaupt ermöglicht) sie auch anderen zur Verfügung zu stellen. In diesen Daten liegt ein enormes Potenzial und sie bieten eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten sowohl für Unternehmen, als auch für die Bürgerinnen und Bürger.

Bei vielen Daten ist gar nicht abzusehen oder zu erahnen, wofür diese verwendet werden können. Häufig werden sie vor der Veröffentlichung nur in dem Kontext gesehen, in dem sie erhoben und bisher verarbeitet wurden.  Findige Programmierer schaffen bei jeder neuen Veröffentlichung von Daten schnell sensationelle Anwendungen, die sowohl Verwaltung, als auch Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern zu Gute kommen. Aktuell prominente Beispiele für die Nutzung solcher Daten sind zum Beispiel Routen für Fahrrad- oder Wandertouren, die anhand der besten Luftqualität in der Region geplant werden oder die Berechnung der Attraktivität und Wohnqualität von Stadtteilen, je nach individuellen Schwerpunkten und Lebensinhalten. Die Nachfrage nach Dienstleistungen für die Analyse, Aufbereitung oder Visualisierung der Daten schafft neue Geschäftsmodelle und fördert insbesondere kleine, junge  Unternehmen und bietet viel Raum für Startups.

Open Data in Sachsen

Die Bereitstellung offener  Daten, ihre Verknüpfung, Analyse und Visualisierung lassen so ganz neue Produkte und Dienstleistungen entstehen und können von den Kommunen daher als kostengünstige Standortpolitik und Wirtschaftsförderung gesehen werden. Daten ohne Schutzverpflichtung und eingeschränkte Nutzungszwecke sollen daher online bereitgestellt werden, wie bereits 2013 im Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung  beschlossen wurde.

Innerhalb Deutschlands ist der Freistaat Sachsen ganz weit vorne bei der Umsetzung einer OpenData bzw. OpenGovernment-Stragie. So machte ich mich in der letzten Woche auf den Weg nach Chemnitz, um auf der Veranstaltung „OpenData: Wertschöpfung mit offenen Daten“ direkt aus dem sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und den sächsischen Industrie- und Handelskammern von den Potentialen der Verwaltungsdaten für Wirtschaft und Gesellschaft zu erfahren. Ich wurde nicht enttäuscht. Es war eine sehr informative Veranstaltung, bei der Vertreter aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ihre jeweiligen Perspektiven einbrachten. Direkt aus der Praxis erhielt ich so viele konkrete Beispiele für neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle auf der Basis  offener Verwaltungsdaten und ausführliche Berichte aus Projekten, die diese Daten nutzen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem das Open-Data-Portal der Stadt Chemnitz  durch Bürgermeister Sven Schulze offiziell freigeschaltet. Damit ist Chemnitz nach Leipzig nun die zweite kreisfreie Stadt in Sachsen, die über eine standardisierte Plattform Verwaltungsdaten zur freien Nutzung bereitstellt.

Die Digitalisierung von Altdaten lohnt sich – das Beispiel Bergbau

Besonders ein Projekt fand ich sehr eindrucksvoll, da es sehr gut das Potential von Altdaten der Verwaltungen zeigt: Das Projekt “ROHSA – Rohstoffdaten Sachsens“. Bereits seit einigen Jahren sorgen steigende Rohstoffpreise dafür, dass die Rohstoffvorkommen in Sachsen wieder attraktiv für nationale und internationale Bergbaufirmen werden. Alte Bergbaugebiete neu zu bewerten ist aufwändig und teuer und so stieg die Nachfrage nach den alten Daten aus der Jahrhunderte währenden Bergbautradition der Region. Solche Daten sind reichlich vorhanden, aber über verschiedene Institutionen und Sammlungen verteilt. Die alten Daten wurden noch nicht digitalisiert und sind oft in einem, ihrem Alter entsprechenden, Verfallszustand. Das Projekt ROHSA arbeitet daran, diesen Zustand zu ändern. Es ist ein wahres Mammutprojekt, denn der Bestand umfasst ca. 90.000 Berichte und Gutachten, über 600.000 protokollierte Ergebnisse von Bohrungen und viele weitere Datenbestände die es zu sichten, zu prüfen und zu erfassen gilt. Aber Aufwand und  Mühe lohnen sich, denn das Ergebnis erster stichprobenartiger Nachprüfungen und Analysen mit modernster Technik zeigen: Die Qualität der alten Daten ist hervorragend! Die früheren Generationen  haben sehr gründlich geprüft und Buch geführt. So reichten über 50 Jahre alte Gutachten kürzlich aus, um eine internationale Zertifizierung eines Standortes zu erreichen, wie Katrin Kleeberg vom Sächsischen Oberbergamt hervorhob. Für Investoren also ein wahrer Datenschatz und sicher finden sich auch für diese Daten schnell ungeahnte Verwendungsmöglichkeiten außerhalb des Bergbaus.

Über den Autor

Projekt Manager im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Jan Knipperts studierte Politikwissenschaften mit den Nebenfächern Soziologie und Rechtswissenschaften an der Universität Osnabrück. Nach seinem Studium war er mehrere Jahre...

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