Das Foto zeigt eine Stadtkulisse im Hintergrund, im Vordergrund eine grüne Wiese auf der ein einzelner Mensch spazierengeht. Der Himmel ist blaugrau.
@ Valeska Achenbach

Bevölkerung insgesamt 

Ein Teil der Kommunen gewinnt Einwohner, ein Teil verliert Einwohner. So wird die Bevölkerungszahl für Deutschland insgesamt relativ konstant bleiben. Sie geht nur leicht von 80,50 Millionen auf 79,97 Millionen im Zeitverlauf 2012 bis 2030 zurück, schrumpft also um -0,7 Prozent.

Flächenländer 

In den 13 Flächenländern sieht das schon nicht mehr so einheitlich aus: Die Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung bewegen sich hier zwischen +3,5 Prozent in Bayern und -13,6 Prozent in Sachsen-Anhalt. In Bayern würde das etwa bedeuten, das Land wächst um ein Drittel der heutigen Einwohnerschaft von der Stadt München.

Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg haben von den Bundesländern die höchsten relativen Gewinne zu verzeichnen: mit +10,3 Prozent bzw. +7,5 Prozent. In Bremen steigt die Einwohnerzahl jedoch nur um +1 Prozent.

Kreise und Gemeinden – große Spannbreiten 

Auf Kreisebene sind es der Kreis Mansfeld-Südharz, die kreisfreie Stadt Suhl und der Kreis Altenburger Land die mit relativen Bevölkerungsrückgängen von über -20 Prozent besonders spürbar Bevölkerung verlieren. Die kreisfreien Städte Frankfurt am Main (mit +14,2 Prozent), München (mit +14,1 Prozent) und Leipzig (mit +13,9 Prozent) wachsen dagegen besonders stark.

Auf Ebene der Gemeinden gibt es noch deutlich größere Unterschiede. So schrumpfen Hoyerswerda aus dem Kreis Bautzen, Bitterfeld-Wolfen aus dem Kreis Anhalt-Bitterfeld, Gräfenhainichen aus dem Kreis Wittenberg und Roßleben aus dem Kyffhäuserkreis mit über 26 Prozent am stärksten. Die beachtlichsten Zuwächse gibt es in den Gemeinden Unterföhring (mit +39,8 Prozent) sowie Feldkirchen (mit +31,1 Prozent), beide aus dem Landkreis München und in der Gemeinde Ilvesheim (mit +29,5 Prozent) aus dem Rhein-Neckar-Kreis.

Diese enorme Spannbreite auf kleinräumiger Ebene verdeutlichen den Handlungsdruck, unter dem viele Kommunen stehen. Dennoch sind die Handlungserfordernisse und Anpassungsbedarfe nicht in allen Kommunen gleich: Die „eine“ Lösung gibt es dabei nicht. Manche Kommunen wachsen und müssen beispielsweise neuen Wohnraum schaffen, neue Kitas und Schulen bauen. Andere schrumpfen und müssen dagegen Schulen und Kitas schließen oder den Leerstand in den Innenstädten bekämpfen. Eben deshalb gilt es für jede Kommune an sich, die eigene Situation zu realisieren und entsprechend darauf zu reagieren.

Städtischer und ländlicher Raum 

Groß sind auch die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Schon in den der Berechnung zugrunde liegenden Jahren (2009 bis 2012) finden sich deutliche Unterschiede. Die meisten großen Städte und ihr Umfeld wuchsen, während viele ländliche Regionen im gleichen Zeitraum schrumpften. Dieser Trend setzt sich in der Vorausberechnung fort.

Auf einer Rangliste auf Kreisebene der relativen Bevölkerungsentwicklung bis 2030 finden sich auf den ersten 30 Plätzen mit den höchsten Zuwächsen 17 kreisfreie Städte und 13 Landkreise. Zwölf dieser Landkreise finden sich in Oberbayern also um den Raum München herum. Salopp könnte man hier also von einem „Speckgürtel“ rund um die Landeshauptstadt sprechen. Ein weiterer Landkreis auf der Liste liegt in der Nähe von Frankfurt am Main (Groß-Gerau), ist also auch wieder einer Metropolregion zuzuordnen. Diese Landkreise profitieren vom Wachstum der großen Städte in ihrer Nachbarschaft.

Hiermit hatten wir gerade die Kommunen im Blick, die sich also mit den Herausforderungen des Wachstums beschäftigen müssen. Wie gesehen, gibt es aber auch die, die sich in Zukunft mit den Folgen der Schrumpfung vertraut machen müssten: Zu den dreißig Kreisen und kreisfreien Städten mit dem höchsten relativen Bevölkerungsrückgang gehören nur zwei kreisfreie Städte und dementsprechend 28 Kreise.

Tendenz: Wer schon groß ist, wächst auch

Insgesamt gibt es in Deutschland 295 Kreise und 107 kreisfreie Städte (einschließlich Berlin und Hamburg). Nähmen wir alle kreisfreien Städte zusammen und auch alle (Land-)Kreise, ergäbe sich folgendes Bild:

Bei den kreisfreien Städten liegt der nach Bevölkerungszahl gewichtete Durchschnitt der relativen Entwicklung bis 2030 bei 4,7 Prozent, bei den Kreisen bei -2,5 Prozent. Bei Einteilung der Gemeinden und Städte in Größenklassen zeigt sich, je höher die Größenklasse ist, desto positiver zeigt sich die relative Bevölkerungsentwicklung. Tendenziell gilt also: Je mehr Einwohner schon da sind, desto mehr Wachstum ist auch zu erwarten. Oder andersherum: Schrumpfung ist hier kein Thema.

Eingeflossen in die Bevölkerungsvorausberechnung sind sowohl die seit 2009 deutlich gestiegenen Zuwanderungen aus dem Ausland, wie auch die Ergebnisse des Zensus. Genauere Angaben zur Methodik finden Sie hier.

Unsere Pressemitteilung dazu sowie die einzelnen Ergebnisse der Länder mit Tabellen und Karten finden sich hier.

Über den Autor

Project Managerin im Programm „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung. Studienschwerpunkte ihres Soziologiestudiums waren neben der Demografie, die Wissenschafts- und Technologiepolitik und die Sozialstrukturanalyse. Schon vor ihrer Arbeit in der Bertelsmann...

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