Altersarmut – steigendes Interesse kommunaler Akteure?

Bald fließen mehr als 100 Milliarden Euro in die Rente, die Rentenrücklagen werden sinken und der Beitragssatz zur Rentenversicherung wird mittelfristig steigen.  Damit ist der Zuschuss des Bundes zur Rentenversicherung der mit Abstand größte Posten im Bundeshaushalt. Verbunden ist damit für Arbeitnehmer*innen und die jüngere Generation eine sehr hohe Belastung. Unsere Sozialpolitiker sind nicht zu beneiden und deshalb sind kommunale Antworten zur Linderung der Altersarmut zunehmend wichtiger!

Auch im nächsten Jahr wird die Rente wieder deutlich erhöht und trotzdem gerät das Thema Altersarmut wieder stärker in den Fokus: Die auch letzte Woche wieder in den Medien berichtete Benachteiligung der Frauen bei der Rente, die stark angestiegene Nachfrage älterer Menschen an den Tafelangeboten und die Altersarmutsprognosen der Bertelsmann Stiftung  haben maßgeblich dazu beigetragen.

Webinar zum Thema Altersarmut

Letzte Woche habe ich erstmals im Rahmen eines Webinars der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros über das Thema Altersarmut referiert. 25 Akteure aus verschiedenen Kommunen nahmen an diesem Webinar teil und ich war sehr überrascht über die hohe Resonanz, denn Armut – und besonders Altersarmut – schien mir  bislang in den meisten Kommunen kein priorisiertes Thema zu sein. In unseren seniorenpolitischen Workshops spielte dieses Thema auch nie eine große Rolle.

Interessanterweise stammte keiner der Teilnehmenden aus den östlichen Bundesländern und wenn man die Grundsicherungsquoten betrachtet, dann liegen die Grundsicherungsquoten im Alter in den östlichen Bundesländern auch – noch – deutlich unter den Quoten der westlichen Bundesländer.

Dies wird sich aber schon kurzfristig ändern, denn in den östlichen Bundesländern hatten ein großer Teil der Rentner und vor allem der künftigen Neurentner unterbrochene Erwerbsbiografien und auch ein unterdurchschnittliches Einkommen. Insofern sollte das Interesse an kommunalen Ideen vor allem in den östlichen Bundesländern deutlich steigen.

Kommunale Daten über Altersarmut

Auf großes Interesse stießen die Daten unseres Wegweisers, um das Thema Altersarmut auf die Agenda zu setzen. Hier finden sich u. a. kommunale Daten zu

  • Grundsicherung im Alter
  • Erwerbstätigkeitsquoten von Frauen oder Älteren
  • Arbeitsplatzentwicklung
  • Einpersonenhaushalte
  • Kaufkraft
  • Niedriges Haushaltseinkommen
  • Anteil ausländischer Mitbürger
  • Anteil Geringqualifizierter
  • Beteiligung von Arbeitslosen an Weiterbildungsmaßnahmen
  • Kitaplätze

Alle diese Indikatoren haben einen Bezug zum Thema Armut und sind neben dem Agendasetting wichtig, um aktuelle und künftige Herausforderungen zu skizzieren und anschließend (z. B. in Workshops) Ziele und Maßnahmen zu erarbeiten.

Unterschiede zwischen den Sozialräumen

Diese Daten müssen durch sozialräumliche Daten ergänzt werden, wie das z. B. in der Kommune Hinte bei Emden vorbildlich passiert, denn in den Sozialräumen, Quartieren und Dörfern bestehen meist unterschiedliche Herausforderungen, die individuelle Lösungen benötigen.

Kommunale Ideen zur Linderung von Altersarmut können durch folgende Schritte erarbeitet werden:

  1. Analyse der aktuellen und künftigen Betroffenheit möglichst nach Quartieren durch repräsentative Befragung
  2. Kommunale Vernetzungspartner identifizieren, die verlässlich mitarbeiten und auch Fachkompetenz und Einfluss haben
  3. Kommunale Vernetzungspartner erarbeiten aufgrund der unter 1. erhobenen Daten in einem Workshop Herausforderungen und Ideen
  4. Workshopinhalte bilden Gerüst für ein kommunales Konzept
  5. Jährliche Armutskonferenzen evaluieren Ziele und Maßnahmen des kommunalen Konzeptes

Verschämte Armut durch Befragungen verdeutlichen

Deutlich wurde im Webinar zudem, dass verschämte Armut in den Kommunen ein großes Problem ist und die amtlichen Grundsicherungsquoten – auch unseres Wegweisers – nicht das tatsächliche Ausmaß von Altersarmut wiedergeben. Auch hier sind repräsentative Befragungen und Auswertungen nach Sozialräumen eine wichtige Maßnahme, um aktuelle und vor allem künftigen Armutslagen zu erfassen.

Antje Best von der Stadt Karlsruhe zeigte, wie die Stadt Karlsruhe die kommunalen Möglichkeiten nutzt, um die Auswirkungen von Altersarmut zu reduzieren. Das Webinar wurden von den Teilnehmenden sehr gut (siehe oben im Foto) beurteilt und durch eine lebhafte Diskussion begleitet.

 

 

 

 

 



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