Glückwunsch, Klimakommune!

„Klein aber oho“ könnte man sagen. Aber klein ist die Gemeinde Saerbeck im Münsterland allenfalls hinsichtlich ihrer Einwohnerzahl. Rund 7.300 Menschen leben in der Klimakommune, die Öko-Strom im Überschuss erzeugt, während Deutschland sich fast überall schwertut, auf erneuerbare Energien umzustellen.

Saerbeck: Strom für die Gemeinde selbst gemacht

Für ihre Leistungen wurde Saerbeck bereits so oft ausgezeichnet, dass es im Rathaus bald eine zweite Vitrine braucht. Und nun kam am vergangenen Wochenende noch ein weiterer – sehr renommierter – Preis hinzu. „Deutschlands nachhaltigste Gemeinde 2019“ darf sich Saerbeck nun nennen. Damit hat sich die Klimakommune in ihrer Größenklasse durchgesetzt gegen die engsten Bewerber Bad Berleburg und Eltville am Rhein.

Dabei ist Saerbeck nicht nur gut fürs Klima, sondern weitet ihr Engagement in Sachen Klima- und Ressourcenschutz kontinuierlich auf andere Themen wie umweltfreundliche Mobilität oder Bildung für nachhaltige Entwicklung aus. Immer mit dabei: Die Bürgerinnen und Bürger. Auch finanziell profitieren sie von der „Saerbecker Energiewende“ – durch die Gründung einer Energiegenossenschaft, die Renditen von bis zu 9,5 Prozent abwirft.

Früher Munitionsdepot, heute Bioenergiepark

Ausgehend von der Vision, die kommunale Energieversorgung gänzlich ohne fossile Energieträger zu gestalten, geht die Gemeinde seit 2009 unbeirrt ihren ambitionierten Weg. Aus Vergangenheit wird Zukunft gemacht. Leuchtturmprojekt ist die Konversion eines ehemaligen Munitionsdepots zum Bioenergiepark. Und der ist zu Recht der ganze Stolz des Ortes. Auf dem 90 ha großen Gelände wird nun Energie aus Wind, Sonne und Biomasse erzeugt. Wo die Bundeswehr einst Munition und Waffen lagerte, stehen heute Windräder. Sonnenkollektoren verkleiden 74 Bunker. Auch im Saerbecker Ortsbild spiegelt sich das Bekenntnis zu regenerativen Energien wider: Mehr als 400 Photovoltaik-Anlagen finden sich auf den Dächern privater und kommunaler Gebäude. Das Ergebnis: Die Gemeinde produziert fünfmal so viel Strom wie sie selber verbraucht. Kein Problem – überzähliger Strom wird beispielsweise an die Stadtwerke Osnabrück verkauft.

Die Energiewende wird weitervermittelt

Während andernorts Zehntausende für Projekte rund um „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ ausgegeben werden, wird in Saerbeck die Energiewende nicht nur gelebt, sondern weitervermittelt. Am außerschulischen Lernstandort „Saerbecker Energiewelten“ können sich Schüler mit regenerativer Energieerzeugung auseinandersetzen und die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Technologien vor Ort erleben. Eine Kooperation mit dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik ergänzt diese Aktivitäten.

Zur Nachahmung empfohlen

Durch die intensive Zusammenarbeit mit Partnern u.a. in Japan und den USA in Form von Schulpartnerschaften, regelmäßigen Besuchen und einer effektiven Netzwerkarbeit wird das zukunftsweisende Modell einer lokalen Energiewende praxisnah vermittelt und motiviert zur Nachahmung.

So hat die Klimakommune Saerbeck völlig zu Recht internationale Strahlkraft und inspiriert Gleichgesinnte auf der ganzen Welt für den Klimaschutz und die Energiewende. „Energiewende selbstgemacht!“ eben.



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