Das Foto zeigt eine seniorengerechtes Telefon, im Vordergrund die Hand einer offensichtlich älteren Person.

Integrierte Versorgung: Wunschtraum?

Integrierte Versorgung für Pflegebedürftige ist möglich – wenn sie regional gestaltet wird

Auf dem Pflegekongress in Berlin habe ich an dem Workshop „Integrierte Versorgung nur ein Wunschtraum?“ teilgenommen. Die Teilnehmer diskutierten wie Kliniken und Ärzte gemeinsam mit anderen Akteuren lokale Hilfsnetzwerke gestalten können.

Interdisziplinäre Netzwerke

Anja Boost und Annett Stahl, vom Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam und Bernd Meißnest, vom LWL-Klinikum Gütersloh und Daheim e.v. in Gütersloh berichteten von ihren Aktivitäten. Ziel ist die bedarfsorientierte Versorgung von Pflegebedürftigen durch interdisziplinäre Netzwerke.

Beide Kliniken arbeiten Hand in Hand mit anderen Kliniken in der Region, mit ambulanten und stationären Versorgungsanbietern in der Region, mit Beratungsstellen, Selbsthilfeorganisationen und Pflegestützpunkten.

Die Teilnehmer des Workshops waren sich schnell einig, wie das gelingen kann:

  • Nur mit Hilfe eines multiprofessionellen Netzwerkes und in enger Abstimmung mit der Kommune ist eine gute Versorgung älterer pflegebedürftiger Menschen möglich.
  • Die Orientierung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen ist zentral.
  • Die Beratung und enge Abstimmung der professionellen Akteure (Mediziner, Psychologen, Sozialdienst, kommunale Koordinatoren etc.) mit den Angehörigen ist dabei von hoher Bedeutung.

Gemeinsam Pflege planen

Die meisten Menschen haben den Wunsch ambulant versorgt zu werden – und dies in ihrem gewohnten Lebensumfeld und in ihrem Quartier. Es gibt schon einige gute Beispiele in deutschen Kreisen und kreisfreien Städte, die aufzeigen, wie ambulante Versorgung z.B. in Hausgemeinschaften organisiert werden kann. „Die Kommunen sollten die Ausgestaltung der Pflegestrukturen nicht dem Markt überlassen sondern aktiv gestalten, moderieren und koordinieren“ fasst Bernd Meißnest, Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie am LWL Klinikum zusammen. Dabei sei ein konsequenter Einbezug der Bürger, ihrer Perspektiven und Wünsche, wichtig. Dies geschieht in Gütersloh über Bürgerbefragungen in den Sozialräumen. Hier ein weiterführender Link dazu, wie das in Gütersloh organisiert wurde.

Neben altersgerechten Wohnformen und Unterstützungsangeboten im Bereich der Pflege sind es vor allem die sozialen Bedingungen, die eine „lebendige Nachbarschaft“ und die Begegnung der Generationen ermöglichen, die Lebensqualität älter werdender Menschen verbessern und einen Verbleib im vertrauten Wohnumfeld unterstützen.

Beispiel Potsdam vernetzt

Im Erst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam sind sogenannte Patientenkoordinatoren in der Onkologie, der Geriatrie und der Inneren Medizin eingesetzt. Sie informieren und beraten die Angehörigen der Pflegebedürftigen und stellen den Kontakt zu den nachversorgenden Einrichtungen her. Die Klinik ist gut vernetzt mit dem Pflegestützpunkt in Potsdam sowie mit dem Netzwerk „Älter werden in Potsdam“.

Ziel dieses Netzwerkes ist es, den Menschen ein selbstbestimmtes und würdevolles Alter(n) zu ermöglichen. Das bedeutet, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen ältere Menschen ihre Kompetenzen einbringen und weiterentwickeln können. Dafür wird die Zusammenarbeit zwischen den Trägern, Anbietern und Einrichtungen für ältere Menschen und deren Angehörigen in sozialen, gesundheitlichen Krisensituationen stetig verbessert. Mit mittlerweile fast 50 Partnern aus den Bereichen Bildung, Seniorenvertretung, ambulante Dienste, stationäre Einrichtungen, Beratungsstellen, Wohnungsunternehmen und Stadtverwaltung ist eine gute Basis für gemeinsame Vorhaben entstanden. Bei regelmäßigen Treffen des Netzwerkes werden u. a. Positionspapiere bzw. Konzepte formuliert sowie neue Angebote und gemeinsame Qualitätsstandards entwickelt.

Details aus den Projekten

Mehr Infos zu den Aktivitäten in Potsdam und Gütersloh finden sich hier:

Potsdam

Gütersloh

 

Foto: Anke Knopp



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