Blick auf einen Eisberg im Halbdunkel. Im Hintergrund scheint der Vollmond.

Blaues Auge für den Klimaschutz

„A 68 Richtung Norden …!“

Nein, das ist keine aktuelle Staumeldung zu Beginn der Sommerferien in NRW. Die Rede ist vielmehr von einem Eisberg gigantischen Ausmaßes, der sich vollständig vom Südpol abgelöst und nun auf den Weg gemacht hat.

„A 68“ – so wird er aller Voraussicht nach offiziell benannt werden – ist rund eine Billion Tonnen schwer, 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometern breit. Eine Fläche ungefähr doppelt so groß wie das Saarland oder siebenmal so groß wie Berlin. Er ist damit einer der größten Eiskolosse, den Wissenschaftler in den vergangenen drei Jahrzehnten registriert haben.

Dabei ist es erst einmal nichts Besonderes, wenn Eisberge „kalben“, wie es im Fachjargon heißt. Es ist ein ganz natürlicher Prozess, der sich im konkreten Fall seit Anfang des Jahres angekündigt hat. Und eine konkrete Gefahr geht von dem 6.000 Quadratkilometer großen Eisberg zunächst einmal nicht aus. Unmittelbar zumindest nicht.

Der Meeresspiegel steigt

Aber der Abbruch löst eine ungekannte Dynamik aus und neue Eismassen könnten nachrutschen. Klimaforscher sind sich deshalb weitgehend einig, dass dieses gewaltige Naturereignis ein Warnschuss für die Menschheit sein könnte. Denn Fakt ist, dass die Antarktis langsam aber sicher insgesamt abzuschmelzen scheint. Und niemand hat damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde. Anlass genug also zu großer Sorge. Umso mehr, weil Forscher erwarten, dass der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um bis zu 1,50 Meter steigen könnte.

Zur Beruhigung jedoch kann angeführt werden: Der nun abgebrochene Eisriese wird den Meeresspiegel kaum verändern, weil er ja zuvor bereits auf dem Wasser geschwommen ist. Und in zwei bis drei Jahren wird er eh geschmolzen sein. Kein Grund also, in blinden Aktionismus zu verfallen. Nur nachdenklich kann man schon werden. Denn nehmen wir einmal an, Ende 2019 ist A 68 tatsächlich von den Satellitenbildern verschwunden. Dann sind es nur noch genau elf Jahre, die wir Zeit haben, die anspruchsvollen Globalen Entwicklungsziele der Agenda 2030 (SDGs) zu erreichen. Rein rechnerisch rund 4.000 Tage. Und das ist nicht die Welt, wenn es darum geht, genau diese zu retten!

„Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt!“

Hören wir also auf Laotse und fangen wir lieber heute als morgen damit an, uns ernsthaft Gedanken über Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu machen. Im Großen wie im Kleinen. Jeder für sich und vor seiner eigenen Tür. Und in den Kommunen, die sich in zunehmender Zahl zum Klimaschutz, innovativen Mobilitätskonzepten oder zum Prinzip der Kreislaufwirtschaft bekennen.

Tübingen macht blau“, um nur ein Beispiel zu nennen, ist das Motto der städtischen Klimaschutzkampagne, die Oberbürgermeister Boris Palmer einst ins Leben rief. Bereits im Frühjahr 2008, lang bevor SDG Nummer 13 formuliert wurde. Der Slogan wurde längst zu einem geflügelten Wort in der baden-württembergischen Universitätsstadt. So machen mittlerweile über 10.000 Ökostrom-Kunden der Stadtwerke Tübingen blau. Oder immer mehr Menschen, die das Auto teilen oder den Bus benutzen. Im November 2015 hat der Tübinger Gemeinderat die Fortsetzung von „Tübingen macht blau“ beschlossen. Nun ist es ambitioniertes Ziel, die energiebedingten co2-Emissionen pro Kopf in Tübingen bis 2022 um 25 Prozent gegenüber dem Wert von 2014 zu reduzieren.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Kommunen und Nachhaltigkeit – Kurs halten auch ohne die USA



Kommentar verfassen