Auf dem Bild sehen wir einen Kasten mit bunden Malstiften mit den Farben grün, orange, rot, blau, gelb, rosa und schwarz als Sinnbild für die Vielfalt in Deutschland und die gelungene Integration

Migranten sind höher gebildet als Einheimische

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung veröffentlich erneut eine Studie zur Lage der Integration in Deutschland: „Neue Potenziale“. Im Kern kommt dabei heraus: die Integration hat sich verbessert, die Integration profitiert vom wirtschaftlichen Aufschwung, der Akademikeranteil unter den neueingewanderten Migranten ist höher als der bei Einheimischen, Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg – nach wie vor. Erfreuliche Nachrichten. Vor allem, weil sich erfolgreiche Integration jeden Tag vor Ort, also in den Kommunen, entscheidet: in der Familie, zwischen Arbeitskollegen, in der Schule, zwischen Nachbarn, in Vereinen. Die Kommunen haben angesichts der zentralen Herausforderungen enorm an Bedeutung gewonnen.  Wenn nun ein positives Ergebnis attestiert wird, ist das auch ein Lob an die Städte und Gemeinden und ihre Lebensgemeinschaften, die Integration „leben“. Der viel zitierte Begriff der Willkommenskultur scheint an Substanz zu gewinnen.

Pragmatismus

Das Indikatorenset der Studie gerät teilweise in die Kritik – Menschen aus der Türkei werden gesondert betrachtet und mit „Regionen“ verglichen, wie etwa „Südeuropäer“ oder auch „Afrika“ – dennoch werden die Zahlen des Mikrozensus 2010 sehr ausführlich analysiert. Im Ergebnis zeigt sich also, dass Deutschland auf dem Weg zu einer modernen Einwanderungsgesellschaft ist. Der Blick auf die Migranten habe sich geändert, die Deutschen seien in der Diskussion deutlicher pragmatischer geworden. (Diesen Pragmatismus hatte 2011 auch schon Prof. Klaus Bade im Gutachten des (SVR) bescheinigt.)  Es ist insbesondere die Wirtschaft, die signalisiert: ohne Zuwanderung droht ein Mangel an Arbeitskräften und Fachkräften. Eine starke Wirtschaft ermöglicht eine gute Integration. Von der niedrigen Arbeitslosigkeit hätten alle profitiert, auch die Gruppe der Migranten.  Erkennbar sei aber auch, dass bundesweit Menschen mit Migrationshintergrund zwei- bis dreimal so häufig arbeitslos seien, wie Einheimische. Dabei werden auch regionale Unterschiede offenkundig, denn in wirtschaftsstarken Bundesländern haben Migranten mehr Erfolg. Der steigende Bedarf an Fachkräften ziehe zudem zunehmend gut qualifizierte Migranten auf den deutschen Arbeitsmarkt, überwiegend kommen diese aus den südeuropäischen EU-Ländern. Erholt sich die Wirtschaft dort, könnten aber viele wieder in ihre Heimatländer zurückwandern. Es gilt also, diese Menschen hier zu halten.

Bildung ist der Schlüssel

Die Ergebnisse im Bildungsbereich zeigen ferner, dasss in Deutschland geborene Kinder von Migranten in allen Gruppen besser abschneiden als ihre direkt zugewanderten Eltern. Die Nachkommen schaffen es jedoch oft nicht, das hohe Bildungsniveau ihrer Eltern zu halten.  Von ihrem Bildungsniveau ähneln den Einheimischen am stärksten die Aussiedler, die zugleich die größte Migrantengruppe sind. Die Einwanderer mit türkischen Wurzeln sind nach wie vor am schlechtesten integriert. Eine Ursache findet sich im niedrigen Bildungsniveau, das Zuwanderer bei ihrer Ankunft hatten und das sich fortsetze. Jeder fünfte aus der Türkei zugewanderte Mann und jede dritte Frau habe keinen Bildungsabschluss. Die Nachkommen haben es daher auf dem Arbeitsmarkt schwer, sie schaffen es kaum, diese Defizite in der Schule aufzuholen. Ähnliche Probleme finden sich bei Einwanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien.  Am besten integriert sind Einwanderer aus den Krisenländern der EU – die Neuzuwanderer der vergangenen Jahre sind überdurchschnittlich gut gebildet. Unterschiedlich zeigt sich die Integration bei den Zuwanderern aus Afrika, dem Fernen und dem Nahen Osten: Von hier kommen überdurchschnittlich viele niedrig- aber auch hochqualifizierte Einwanderer. Kinder aus Fernost sind gut in der Schule – unabhängig vom Bildungsgrad ihrer Eltern.

Was noch zu tun ist

Die Studie listet auch auf „was noch zu tun ist“ – und auch hier wird deutlich, wie stark die Kommunen gefordert sind, in ihren Anstrengungen für eine kommunale Integrationsstrategie nicht nachzulassen:

Ein aufkommendes Thema ist, dass viele der ehemaligen Gastarbeiter nun ins Rentenalter kommen. Kommunale Pflege- und Sozialdienste werden verstärkt gefordert sein, sich auf diese neue Situation einzustellen. Stichworte sind hier insbesondere: Sprachkenntnisse und kulturelle Gewohnheiten bis hin zur Bestattungskultur.

Trotzdem, dass viele hochqualifizierte nach Deutschland kommen, kommen auch wenigqualifizierte Migranten nach Deutschland. Gleich zu Beginn ihrer Ankunft müsse also ein umfangreiches Unterstützungsangebot greifen. Lernen kann man von Kanada, die gerade kommunal sehr gut organisiert sind, wenn es um die ersten Schritte bei der Einwanderung geht.

Ohne Bildung ist eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft nicht möglich. Schon die frühkindliche Förderung und Begleitung muss sich daher auf die Förderung von Kindern mit Migrationsgeschichte konzentrieren. Gut ausgebildete Erzieherinnen und Lehrkräfte sind notwendig. Zahlreiche Kommunen haben dazu gute Strategien aufgelegt, die sich auch im Wegweiser Kommune in den Praxisbeispielen finden.

Elternarbeit ist wichtig, um Kinder mit Migrationshintergrund zu begleiten und zu fördern. So setzen die Forscher der Studie auf eine frühzeitige Einbindung und Unterstützung der Eltern.

Hochqualifizierte Einwanderer sind mobil. Nur wer eine gelebte „Willkommenskultur“ vorfindet, fühlt sich wohl – und bleibt. Es geht also nicht nur um das Binden von Hochqualifizierten auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch darum, diese Menschen langfristig zu Bürgerinnen und Bürgern eines Landes zu machen, die sich im Gemeinwesen engagieren und teilhaben.

Die Studie weist zudem auf die Notwendigkeit des Vorhandenseins von Daten hin, die es noch differenzierter auszuwerten gelte, um die Schwachstellen, aber auch die Erfolge der Integration aufzudecken und gezielter als bisher noch die Zuwanderungs- und Integrationspolitik zu verbessern.

Viele Ergebnisse, die deutlich machen, wie groß auch die Handlungsmöglichkeiten der einzelnen Kommunen sind. Integration findet vor Ort statt. Um sich auf den Weg zu machen, diese Aufgabe zu gestalten, ist es gut, die Daten und Fakten zu kennen. Viele der notwendigen Indikatoren dazu finden sich im Wegweiser, aus dem Grund lese ich die Berlin Studie mit doppeltem Interesse.



Kommentare

  1. / von Richard Zabock

    Endlich kommen mehr positive Stimmen zum Ausdruck. Nach der Sarrazin-Debatte hatte man den Eindruck, Deutschland verliert den Anschluss an zivilisierte Völker… Den Aspekt mit den Kommunen finde ich gut, wo doch sonst immer darüber geredet wird, was die Bundespolitik machen muss, wegen Steuerung von Einwanderung. Als kommunalpolitischer Aktiver gute Anregungen und Wasser auf unsere Integrationsarbeit.

  2. / von Ingo Klar

    Migranten sind sind nicht höher gebildet als die einheimische Bevölkerung in Deutschland ! Entweder versteht Anke Knopp die Zahlenrelationen nicht oder versucht die gegenwärtige Situation ´´schön zu reden ´´. Die Mehrzahl der Migranten kommen ohne qualifizierten Berufs- oder entsprechendem Bildungsabschluss nach Deutschland . Die deutsche Sprache müssen fast alle erst erlernen , hierzu müssen zunächst hier Schulungen in Deutsch als Fremdsprache DaF angeboten werden . Für Deutschland steht es außer Frage Kriegsflüchtlingen wie z.B. Syrien und politisch Verfolgten Zuflucht zu gewähren . Doch kommt die Vielzahl der Migranten nach Deutschland weil sie ihre persönliche Lebenssituation verbessern wollen . Hier erhalten sie Sozialleistungen in vergleichbarer Höhe wie erwerbsunfähige Rentner und Alg. 2 Empfänger die über viele Jahre ihre Beiträge in die Sozialkassen geleistet haben . Wohnraum wird kostenfrei zur Nutzung bereitgestellt , dies führt für die Einheimischen auf dem Wohnungsmarkt zu einem weiteren Preisanstieg . Die Kosten für die schlecht geregelte EU Zuwanderung und die meist illegale Zuwanderung aus Drittländern werden von den einheimischen Bevölkerung getragen weitgehend zu Lasten der mittleren und niedrigen Einkommen .
    Für die Wirtschaft entsteht ein Wachstum der Binnennachfrage die von den Einheimischen bezahlt wird .
    Die Zuwanderungsbehörden sind überfordert und erst nach einer teilweise sehr langen Zeit der Prüfung der Aufenthaltsberechtigung und des Erlernen der deutschen Sprache können Zuwanderer eigenständig Geld zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts verdienen .
    Für die Wirtschaft sind sie als Billiglöhner gefragt und erschweren dadurch auch in bestimmten Arbeitsfeldern die Arbeitsplatzsuche von 2.3 Mio Arbeitslosen .
    Durch die Abwanderung von Fachkräften und Akademikern aus den EU-Staaten und Drittländern wird deren gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung gebremst oder sogar gestoppt .

    1. / von Anke Knopp
      zu

      Danke für den Kommentar. Migration hat viele Ursachen, sicher auch das Ziel, die persönliche Lebenssituation zu verbessern. Das ist legitim. Und Deutschland braucht Zuwanderung. Dass wir ein Einwanderungsland sind, steht nicht mehr in Zweifel. Natürlich stellt diese Vielfalt die Aufnahmegesellschaft vor große Herausforderungen. Die aufgeführten Argumente zielen hier auf kritische Punkte hin, die in der Debatte als widerlegt gelten. Fakten und Zahlen zum Thema finden sich sehr gut lesbar hier: https://mediendienst-integration.de/migration.html Auch empfehlenswert ist der Migrationsbericht der Bundesregierung: http://www.bamf.de/DE/DasBAMF/Forschung/Ergebnisse/Migrationsberichte/migrationsberichte-node.html

  3. / von Ingo Klar

    ´´sorry´´ Wer Wortwiederholungen und Rechtschreibfehler findet darf sie behalten

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